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Rottweil
Donnerstag, 14. November 2019

In Abwesenheit der AfD: Gemeinderatsausschuss stellt höheren Zuschuss ans Zimmertheater Rottweil in Aussicht

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In Abwe­sen­heit des ört­li­chen AfD-Stadt­­­rats hat der Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss des Rott­wei­ler Gemein­de­rats in einem Emp­feh­lungs­be­schluss am Mitt­woch einen zusätz­li­chen jähr­li­chen Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro an das Zim­mer­thea­ter ab 2020 frei­ge­ge­ben. Das ist inso­fern inter­es­sant, als dass die AfD seit Wochen gegen das Rott­wei­ler Thea­ter wet­tert und mit wie­der­hol­ten Ein­ga­ben beim Land­tag und mit Pres­se­mit­tei­lun­gen den Stopp der Zah­lung öffent­li­cher Gel­der for­dert.

Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß bezeich­ne­te ein­lei­tend das Zim­mer­thea­ter als „eine wich­ti­ge Ein­rich­tung“, die wir nicht mis­sen wol­len.“ Kul­tur sei der Stadt „etwas wert“, Kul­tur gebe es zudem nicht umsonst, so Broß. Die pri­vat betrie­be­ne Ein­rich­tung sei wesent­li­cher Bestand­teil des städ­ti­schen Kul­tur­ange­bots. Das müs­se man Rott­wei­lern nicht erklä­ren, so Broß, wohl aber viel­leicht Aus­wär­ti­gen. So sei­ne Spit­ze gegen den AfD-Lan­d­­tags­­a­b­ge­or­d­­ne­­ten Emil Sän­ze aus Sulz.

Des­sen mög­li­ches Sprach­rohr, Rei­mond Hoff­mann, Mit­glied des Aus­schus­ses, fehl­te, hat­te sich zuvor ent­schul­digt. Der Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss hat­te am Mitt­woch einen Emp­feh­lungs­be­schluss an den Gemein­de­rat zu fas­sen, der die­sen dann in sei­ner nächs­ten Sit­zung – dem Ver­fah­ren nach meist ohne wei­te­re Dis­kus­si­on – bestä­ti­gen kann.

Der Ober­bür­ger­meis­ter bezeich­ne­te es als bedau­er­lich, dass Hoff­mann aus­ge­rech­net bei die­ser Debat­te gefehlt habe.

Hoff­mann reagier­te auf der Face­book­sei­te der NRWZ. Er schrieb:

Es tut mir leid, dass ich nicht dazu da sein konn­te. Eine Rede dazu wird nach­ge­holt. Ich freue mich bereits dar­auf.

Broß gab die Linie vor: Über die Höhe des Zuschus­ses müs­se der Gemein­de­rat bera­ten, sie abwä­gen, eine Mei­nung bil­den. Das Thea­ter selbst habe nie infra­ge gestan­den, es sei allen­falls immer ums Geld gegan­gen, und nur um das. Es gehe um eine „ange­mes­se­ne und rich­ti­ge För­der­pra­xis.“ Es sei auch nicht Auf­ga­be des Gemein­de­rats, Inhal­te des Thea­ters zu dis­ku­tie­ren und etwa Stü­cke in Auf­trag zu geben. Es sei auch nicht oppor­tun, Mit­glie­der des Thea­ters per­sön­lich zu atta­ckie­ren, so Broß, hier mit einem direk­ten Ver­weis auf die Quel­le der Kri­tik, die Lan­des­ebe­ne. Aus­ge­hend von AfD-Sän­­ze. Dort sei die Dis­kus­si­on über die öffent­li­chen Gel­der ange­strebt wor­den. Ungern jeden­falls wol­le sich Rott­weil rein­re­den las­sen bei der Ent­schei­dung über städ­ti­sche Zuschüs­se, so Broß wei­ter.

Er stell­te her­aus, dass das Zim­mer­thea­ter „eine ver­nünf­ti­ge Arbeit macht“, deren Inhal­te die Stadt nicht zu steu­ern habe.

Nun hat die Stadt­ver­wal­tung nach eige­nen Anga­ben vor Jah­res­frist die Erhö­hung des jähr­li­chen Zuschus­ses um wei­te­re 10.000 Euro in Aus­sicht gestellt. Sie sieht sich an die­ses Ver­spre­chen gebun­den. Ein Bericht der Zim­­mer­­the­a­­ter-Inten­dan­­ten vor­aus­ge­setzt, in dem die­se die aktu­el­le finan­zi­el­le Situa­ti­on dar­stel­len.

„Hetze und Angriff auf die Freiheit der Kunst“

Zim­­mer­­the­a­­ter-Inten­dant Peter Staats­mann dank­te einer­seits der brei­ten Unter­stüt­zung durch die Rott­wei­ler Bevöl­ke­rung. Er bezeich­ne­te das Vor­ge­hen der Lan­­des-AfD in den ver­gan­ge­nen Wochen als „Het­ze und einen Angriff auf die Frei­heit der Kunst“. Der nun dar­in gegip­felt habe, dass am Mitt­woch anläss­lich der anste­hen­den Gemein­de­rats­ent­schei­dung über den wei­te­ren Zuschuss die öffent­li­chen Mit­tel an das Thea­ter Gegen­stand einer Debat­te im Land­tag in Stutt­gart gewe­sen sei­en.

Noch­mals stell­te Inten­dan­tin Bet­ti­na Schült­ke die finan­zi­el­le Situa­ti­on des Zim­mer­thea­ters dar. Sie ist in den ver­gan­ge­nen Wochen mehr­fach auf­ge­zeigt wor­den und soll hier nicht noch­mal wie­der­ge­ge­ben wer­den (sie ist etwa hier nach­zu­le­sen). Sie wie­der­hol­te, dass die Thea­ter­lei­tung an Pro­jekt­för­de­rung außer­ge­wöhn­lich viel ein­ge­wor­ben habe, ande­rer­seits die Aus­ga­ben nicht noch wei­ter sen­ken kön­ne, ohne­hin schon nied­ri­ge Gagen zah­le, bei­spiels­wei­se.

„Sehr weni­ge Men­schen stem­men das Zim­­mer­­the­a­­ter-Pro­­gramm, das rund 200 Ver­an­stal­tun­gen pro Jahr aus­macht“, so Schült­ke. Für die Schau­spie­ler blie­ben der­zeit nur noch zwi­schen 50.000 und 70.000 Euro. „Wir kön­nen uns damit nur ein, zwei Schau­spie­ler leis­ten“, so die Inten­dan­tin.

Stadträtin lobt „flammendes Plädoyer“

Stadt­rä­tin Elke Rei­chen­bach (SPD+FFR) lob­te Broß‘ „flam­men­des Plä­doy­er“ für das Thea­ter. Dem sei nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen, sag­te sie. Sie sprach sich klar dafür aus, den Zuschuss zu gewäh­ren. Es müs­se finan­zi­ell bes­ser aus­ge­stat­tet wer­den, „wenn wir es uns als Stadt­thea­ter leis­ten wol­len“. Dass es nicht alle Men­schen glei­cher­ma­ßen anspre­che sei üblich für eine kul­tu­rel­le Ein­rich­tung.

Rei­chen­bachs Frak­ti­ons­kol­le­ge Arved Sass­nick leg­te sich fest: Es gebe wohl kei­nen mehr im Gemein­de­rats­rund, der glau­be, dass Thea­ter­leu­te wie Bet­tel­mön­che auf­tre­ten müss­ten. Er bedau­er­te, dass „wir nicht ganz kom­plett sind“, hät­te an den AfD-Stadt­­­rat Hoff­mann offen­bar ger­ne eini­ge Wor­te gerich­tet.

FDP-Stadt­­­rat Dr. Ger­hard Aden woll­te dann doch „ein paar Trop­fen Was­ser in den Wein kip­pen“, wie er sag­te. Das Zim­mer­thea­ter sei kei­ne Bau­ern­büh­ne, die mit Schen­kel­klop­fern auf­war­ten müs­se. Er zitier­te ande­rer­seits aber Zuschau­er, die sich an ihn gewandt hät­ten, und die Insze­nie­run­gen etwa als „zu intel­lek­tu­ell“ bezeich­net hät­ten. „Dan­ke, nein, das ist mir zu anstren­gend“, soll ihm jemand gesteckt haben. Wenn das Thea­ter 15.000 Zuschau­er errei­che, dann viel­leicht auch des­halb, weil es gan­ze Schul­klas­sen besuch­ten – durch­ge­schleust und dort­hin abge­ord­net wür­den, so Aden. Er reg­te an, dass die Zuschau­er viel­leicht auch ein­fach mal unter­hal­ten wer­den woll­ten, nicht nur intel­lek­tu­ell gefor­dert.

Auch die Grü­nen stimm­ten der bean­trag­ten Erhö­hung zu. Inge­borg Gek­­le-Mai­er lob­te die Inhal­te, die künst­le­ri­sche Gestal­tung, das Niveau der Arbeit dage­gen als „Glücks­fall“. Sie bestä­tig­te, dass es anspruchs­vol­le, durch­aus aber auch unter­halt­sa­me Stü­cke im Ange­bot des Thea­ters gebe. Ins­ge­samt erge­be sich ein bun­ter, viel­fäl­ti­ger Strauß. Das Thea­ter sei ein Aus­hän­ge­schild im Land­kreis. Die För­der­mit­tel für die kul­tu­rel­le Ein­rich­tung an die Wirt­schaft­lich­keit zu knüp­fen, wie von der AfD gefor­dert, sei ein Unding, so die Grü­ne.

„Damit der Leucht­turm nicht aus­geht, dafür geben wir Ihnen Geld.“ So knapp äußer­te sich der Freie Wäh­ler Karl-Theo Häring.

Der FDP-Stadt­­­rat Dani­el Kar­rais hat nach eige­nen Anga­ben den AfD-Angriff schon am Vor­mit­tag im Land­tag abzu­weh­ren ver­sucht. Man kön­ne über Inhal­te strei­ten, eine För­de­rung aber ste­he außer Fra­ge.

Auch CDU-Stadt­­­rat Ras­mus Rein­hardt schloss sich grund­sätz­lich den Lob­re­den an. Nach den Angrif­fen Sän­zes sei es gera­de­zu mit Gold zu über­schüt­ten, sag­te er. Doch stell­te er in Fra­ge, dass die Stadt sich das leis­ten kön­ne. Denn: „Eigent­lich funk­tio­niert das Thea­ter.“ Der Gemein­de­rat habe ihm nun ledig­lich ein „gewis­ses Ruhe­pols­ter, ein Pflas­ter“ zu finan­zie­ren. Vor dem Hin­ter­grund, dass die Stadt vor sin­ken­den Ein­nah­men ste­he, hal­te er es für bedenk­lich, einen „Ein­griff in den Haus­halt“ zu machen, wenn die Debat­te über den Haus­halt erst noch bevor­stün­den. Außer­dem gebe es wei­te­re Rott­wei­ler Ver­ei­ne, die eben­falls Geld bräuch­ten.

Rein­hardt stell­te den Antrag, die Ent­schei­dung über den Zuschuss­an­trag in die Haus­halts­de­bat­te zu ver­la­gern. OB Broß ver­wies dar­auf, dass die Stadt­ver­wal­tung bereits vor einem Jahr in Aus­sicht gestellt habe, sich jetzt mit dem Zuschuss zu befas­sen. Er reg­te an, den Emp­feh­lungs­be­schluss zu fas­sen, dann aber am 15. Janu­ar im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen letzt­lich dar­über zu ent­schei­den.

Die Stadt­rä­te spra­chen sich dage­gen für Pla­nungs­si­cher­heit fürs Zim­mer­thea­ter aus. Es zeich­ne­te sich eine kla­re Mehr­heit gegen den CDU-Antrag der Ver­ta­gung und für den wei­te­ren Zuschuss ans Zim­mer­thea­ter ab. Die­sen Beschluss fass­te der Gemein­de­rat mehr­heit­lich, die CDU ent­hielt sich. Dies sei kein Votum gegen das Zim­mer­thea­ter und sei­ne Arbeit, erklär­te CDU-Stadt­­rä­­tin Moni­ka Hug­ger dazu, viel­mehr ein Signal an ande­re Ver­ei­ne in der Stadt, über deren Zuschuss­an­trä­ge im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen ent­schie­den wer­de.

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