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(Meinung). Die Läden haben wieder geöffnet. Wir haben das vor gut 14 Tagen mit Freude vermeldet. Da war Erleichterung zu spüren, Aufschwung....

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Sterbefälle 03.04. Johanna Agathe Nevecny geb. Bitzer, Schwenninger Straße...
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Donnerstag, 4. Juni 2020
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    Ein Dankesbrief ans Krankenhaus

    Jürgen Siegmann aus Zepfenhan ist an Ostern erkrankt. Zunächst wie jedes Jahr, erzählt er. Dann die Nachricht: Er hat Covid-19, das Coronavirus. Nun geht es Siegmann besser. Und hier möchte er erzählen, "wie es mir erging mit Corona-Virus in der Helios-Klinik in Rottweil." Wir bringen seinen Brief im Wortlaut.

    Angefangen hat es damit, dass ich an Ostern mit Fieber im Bett lag. Ich nahm dann fiebersenkende Medikamente, da ich dachte, es wäre wie sonst, denn ich habe eigentlich jedes Jahr im Frühjahr diese Symtome. Am Dienstag ging ich dann mal zum Hausarzt. Dieser bescheinigte mir auch einen normalen Infekt.

    Ich machte mit dem Medikament weiter. Es wurde jedoch nicht besser, infolgedessen ich nochmals zu meinem Arzt ging. Jetzt bekam ich Antibiotika zur Besserung. Von Corona war überhaupt nicht die Rede, da ich keine der anderen Symtome hatte, die für Corona bekannt waren. Die Untersuchung von Lunge und Herz ergab nichts.

    Also ging ich nach Hause und behandelte mich mit Antibiotika weiter.

    Mir ging es immer schlechter. Ich hielt durch bis Montagfrüh, den 20. April. Meine Frau, die Nachtschicht hatte, kam um 6.15 nach Hause. Sie schaute nach mir und war dann erschrocken anhand meines Zustands. Ich sagte selbst, dass sie den Rettungswagen rufen soll, ich halte es nicht mehr aus.

    Der RTW kam sehr schnell, ich konnte gar nicht alles zusammenpacken, was ich für die Klinik brauchte, dies ließ mir dann meine Frau später über die Pforte der Klinik zukommen. Die Rettungssanitäter stabilisierten mich und brachten mich zügig in die Helios-Klinik.

    Dort wurde ich sehr schnell untersucht und behandelt. Außerdem machte man einen Abstrich auf das Corona-Virus. Ich bekam ein Einzelzimmer, da ja noch nicht Corona-bestätigt war.

    In diesem Zimmer war ich drei Tage lang, bis dann der positive Befund auf das Virusda war. Also kam ich in ein anderes Zimmer, zu einem anderen Corona-Patienten. Er war 20 Jahre jünger als ich (ich bin 58 Jahre alt). Und er hatte große Probleme mit der Atmung und Husten ohne Ende. Er hing am Sauerstoff mit Maske.

    In der Nacht ging es ihm immer schlimmer, ich dachte, er hustet sich die Lunge aus dem Leib. Nach Drücken des Alarms kam sofort jemand. Sie schauten nach ihm, versorgten ihn und brachten ihn dann auf die Intensivstation.

    Drei Tage später kam dann ein anderer Patient in unser Zimmer. Er war schon einiges älter und auch sehr sehr krank, hatte das Virus und andere Probleme. Er konnte auch nicht aufstehen, da er zu Fuß kaum Kraft hatte. Er versuchte in den Tagen mehrmals aufzustehen und selbständig zur Toilette zu gehen, was ihm nie gelang. Mitten in der Nacht versuchte er es öfter.

    Es waren herbe Tage. Aber bei mir verging das Fieber langsam, mit dem Atmen ging es auch bergauf.

    Mir wurde dann am Mittwoch, den 29. April offenbart, dass ich stabil und ohne Fieber dann am nächsten Tag nach Hause dürfe. Was für eine Freude für mich. Denn ich hatte viele schlaflose Nächte, auch durch Mitpatienten.

    Am Donnerstag morgen bei der Visite wurde mir dann gesagt, es werden die Entlass-Papiere gerichtet sowie Medikamente für die nächsten Tage. Der Krankentransport wird informiert, nur wann sie kommen, wissen sie nicht. OK für mich. Ich warte.

    Nach dem Mittag kam dann ein neuer älterer Patient mit auf dem Zimmer. Die restlichen Sachen von dem Patienten, der bereits auf Intensiv gebracht worden war, wurden geholt, da er immer noch auf Intensiv lag, und dieser Betten-Platz ja belegt werden musste. Also ging es dem Patienten der eine Woche zuvor auf Intensiv kam, immer noch sehr schlecht. Da hatte ich ja Glück, mir ging es nie soooo schlecht.

    Mit Dem Corona-Virus ist wirklich nicht zu spaßen.

    Ok, am Nachmittag um 16 Uhr kam die Schwester zu mir und berichtete, dass mein Transport endlich da wäre. Ich schnappte meine Sachen und lief freudig zum Fahrer. Dieser hatte jedoch einen Fahrauftrag nach Spaichingen mit einem anderen Patienten. Das Klinik-Personal erklärte ihm, dass dieser Patient nach Spaichingen schon am Vormittag wieder storniert wurde, da er doch nicht stabil genug sei. Stattdessen solle er mich nach Hause, nach Zepfenhan bringen, da ich schon seit dem Morgen auf den Transport warte.

    Moment, sagte der Fahrer vom Roten Kreuz, er müsse das mit der Leitstelle klären. Er ging dann in den Krankentransportwagen, um zu telefonieren. Nach 20 Minuten fuhr er weg, ohne uns eine Info zu geben.

    Ich dachte, ich bin im falschen Film. Denn in 20 Minuten hätte man mich spielend nach Zepfenhan fahren können. Aber die Bürokratie siegt vor der Menschlichkeit. Der Weg nach Spaichingen wäre auf jeden Fall länger gewesen.

    Das Klinikpersonal versuchte dann, etwa 90 Minuten lang, noch einen Transport zu organiseren, was jedoch nicht gelang. Ich hatte einen Kloß im Hals, dass ich nicht mal mehr richtig reden konnte. Ich war am Ende, denn mir wurde ja gesagt, ich müsse noch eine Nacht bleiben.

    Ich brachte dann zum Ausdruck, dass ich auf keinen Fall hierbleiben möchte. Ich wollte keine einzige Nacht mehr so erleben, in der ich kein Auge zumachen kann, durch Mitpatienten, die die ganze Nacht Probleme haben und andauernd das Pflegepersonal brauchen. Denn ich bin sehr geräusch- und lichtempfindlich, so dass jede Kleinigkeit sehr störend ist und ich nicht mehr in den Schlaf komme.

    Es kam dann, dass man mir ein Zimmer anbot für mich alleine für diese eine Nacht. Auch wurde mir versichert, dass mein Transport um 8.15 kommen würde.

    Damit konnte ich zurecht kommen. Ich hatte eine sehr gute Nacht, ich schlief wie schon lange nicht mehr.

    Am Morgen bekam ich ein super Frühstück und der Transport war pünktlich. Ich war der glücklichste Mensch an diesem Morgen. Endlich heim zu meiner Frau, jedoch mit körperlichem Abstand, Mundschutz und so weiter. Dazu 14 Tage Quarantäne. Egal!!!

    Ganz besonders möchte ich mich beim Klinikpersonal bedanken, sie waren immer da, versorgten einen sehr gut.

    Nun möchte ich enden. Es ist ein langer Brief und ich weiß nicht, ob er von Interesse für Sie beziehungsweise die Leserschaft ist.

    Für mich war es wichtig.

    Mit den besten Grüßen an eure Redaktion, bleibt alle gesund.

    Jürgen Siegmann, Zepfenhan

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