Mit einem klaren Appell zur Hoffnung und zum Zusammenhalt starten die Kirchen ins Jahr 2026. Unter dem biblischen Leitwort „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ rufen sie dazu auf, angesichts von Kriegen, Klimakrise und gesellschaftlichen Spannungen nicht zu resignieren. Stattdessen sollen sie die Kraft zu neuen Anfängen suchen – im Glauben, im Miteinander und im Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft.
In Neujahrsbotschaften und Gottesdiensten betonen Bischöfe und kirchliche Verantwortliche, dass Gottes Menschenfreundlichkeit stärker sei als Angst und Menschenfeindlichkeit und gerade deshalb zu konkretem Handeln für Frieden, Respekt und Barmherzigkeit verpflichte.
In der Neujahrsbotschaft für Baden‑Württemberg erinnert Landesbischof Ernst‑Wilhelm Gohl daran, dass ‚Gottes radikale Menschenfreundlichkeit alle Menschenfeindlichkeit sprengt‘ – und verbindet das mit einem klaren Auftrag, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

„Gottes radikale Menschenfreundlichkeit sprengt alle Menschenfeindlichkeit“
‚Ein gutes neues Jahr‘ – wie oft werden Sie das in diesen Tagen sagen, hören, lesen? Hundertmal? Tausendmal? „Ein gutes neues Jahr“. Das ist aber mehr als eine Floskel: Wir sehnen uns danach, dass der Übergang ins nächste Jahr eine Zäsur ist, hinter der es gut weitergeht.
Wir Menschen sind zukunftsoffene Wesen. Wir hoffen, sind neugierig – selbst wenn wir wissen, dass unter dem Neuen oft andere, uralte Kräfte weiterwirken: Gier, Angst, Hass, Gewalt. Auch, wenn derzeit Innovation als Gebot der Stunde erscheint – Innovation, Neues ist kein Wert an sich. Um die uralten, lebensfeindlichen Kräfte zu überwinden, braucht es mehr. Es braucht die Zusage der Jahreslosung für 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Sie stammt aus dem Buch der Offenbarung. Dieses Buch wendet sich an die ersten christlichen Gemeinden, die grausam verfolgt werden. Auch wenn schon viel gewonnen wäre, wenn sich ihre Situation ein wenig bessern würde, spricht die Offenbarung von einem radikalen Wandel. Gott will, dass es für sie, für uns, für alle, für die ganze Schöpfung gut wird. Gottes radikale Menschenfreundlichkeit sprengt alle Menschenfeindlichkeit am Ende der Zeit.
Diese Gewissheit ist keine Vertröstung auf das Jenseits. Sie ist die Ermutigung, aus Gottes Menschenfreundlichkeit zu leben und Gottes Freundlichkeit mit unseren Möglichkeiten in Wort und Tat zu bezeugen. Dabei sind wir nicht auf uns allein gestellt, sondern wir bitten Gott um seinen Segen. In diesem Sinne: Ein gutes und gesegnetes neues Jahr!“
Landesbischof Ernst‑Wilhelm Gohl, Evangelische Landeskirche Baden-Württemberg

Ein Zeichen für Frieden & Versöhnung
Zum Jahresbeginn setzt die katholische Kirche ein deutliches Zeichen für Frieden und Versöhnung. Am 1. Januar, dem Welttag des Friedens, richtet Papst Franziskus seine Botschaft an die Weltkirche und verbindet Neujahrsgruß und Friedensappell: Er ruft dazu auf, Schuld einzugestehen, umzukehren und neu Schritte aufeinander zuzugehen – in Familien, in der Gesellschaft und zwischen den Völkern. Auch die deutschen Bischöfe greifen diese Linie in ihren Neujahrsgottesdiensten und Ansprachen auf. Sie laden dazu ein, das neue Jahr als Zeit der Hoffnung zu leben: mit wachem Blick für die Opfer von Krieg und Gewalt und der Bereitschaft, im eigenen Umfeld für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und echten Frieden einzustehen.
Die katholische Kirche startet in das Jahr 2026 darüber hinaus ohne eine einheitliche, weltweit formulierte Neujahrsbotschaft im Sinne einer einzigen offiziellen Ansprache, doch zentrale Linien lassen sich klar erkennen: Im Mittelpunkt steht das biblische Leitwort „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ aus der Offenbarung, das Erneuerung, Hoffnung und geistlichen Neuanfang betont. Vor dem Hintergrund von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen und Verunsicherung wird das neue Jahr als Einladung verstanden, sich nicht mit der Dunkelheit abzufinden. Stattdessen sollte man aktiv für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung eintreten und Gott als den vertrauen, der Leid und Tod nicht das letzte Wort lassen wird. Spirituell wird der 1. Januar zugleich als Hochfest der Gottesmutter Maria und als Weltfriedenstag gefeiert; Gebet, Gottesdienstbesuch und die bewusste Bitte um Segen zu Jahresbeginn gelten als bedeutsame Zeichen, das eigene Handeln neu am Evangelium auszurichten.


