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Weckruf des GHV an die Rottweiler Einzelhändler / IHK spricht zu "Mehr Umsatz - Erfolg mit Tourismus in Innenstädten"

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Beim Impulsvortrag: Rottweiler Einzelhändler und Dienstleister sowie Vertreter der Stadtverwaltung. Foto: Ralf Graner

Es soll­te ein Weck­ruf sein. „Ein Hal­lo, wach?”, wie es der Vor­sit­zen­de des Rott­wei­ler Gewer­be- und Han­dels­ver­eins, Det­lev Mai­er, for­mu­lier­te. Auf Ein­la­dung sei­nes Ver­bands fand die IHK-Ver­an­stal­tung „Umsatz stei­gern – Work­shop für Stand­ort­Hel­den” am Diens­tag­abend im Rott­wei­ler Kapu­zi­ner statt. Ziel: die Ent­wick­lung kon­kre­ter Lösungs­an­sät­ze für mehr Umsatz im Ein­zel­han­del. Mit Tou­ris­ten. 

Det­lev Mai­er. Foto: Ralf Gra­ner

In die­sen Minu­ten hir­nen sie bei klei­nen Häpp­chen und etwas Alko­hol über ihrer Auf­ga­be. Die lau­tet: „Der Tou­ris­ten­ma­gnet ‚Test­turm‘ ist da – wie kann man das für den Umsatz nut­zen?” Die NRWZ hat die Ein­zel­händ­ler und Unter­neh­mer etwa aus den Bran­chen Acces­soires, Auto­mo­bil, Beklei­dung,  Bera­tung, Bett­wa­ren, Bücher, Fein­kost, Foto­gra­fie, Lebens­mit­tel, Taschen und Kof­fer, Raum­aus­stat­tung, Schmuck, Schuh­werk und Sport­ar­ti­kel mal allei­ne und unbe­ob­ach­tet gelas­sen. Sie sol­len mög­li­cher­wei­se sogar spin­ner­te Ide­en ent­wi­ckeln, so die fre­che Vor­ga­be eines Mar­ke­ting-Man­nes. Da stört doch die Lokal­pres­se nur.

Eli­as Hen­rich. Foto: Ralf Gra­ner

Der Mar­ke­ting-Mann, das war Eli­as Hen­rich, Geschäfts­feld­lei­ter Stra­te­gi­sche Kom­mu­nal­ent­wick­lung und Mar­ken­stra­te­gi­en bei der „ima­komm AKADEMIE”, einem Insti­tut für Mar­ke­ting und Kom­mu­nal­ent­wick­lung. Ein jun­ger Kerl, der mit Witz und Charme an die Sache her­an ging. Und mit dem Blick des Außen­ste­hen­den – der etwa ein Schild ver­misst, wo es vom Test­turm denn nun mit dem Auto in die Innen­stadt geht („dazu muss­te ich mein Navi anma­chen”). Und der sich über zwei Schil­der wun­der­te, hun­dert Meter nach sei­ner Aus­sa­ge von­ein­an­der ent­fernt, das eine habe frei­es Par­ken ver­spro­chen für zwei Stun­den, das ande­re maxi­mal eine hal­be Stun­de. Als ver­wir­rend habe er das emp­fun­den.

Bil­der! Emo­tio­nen! Weg­wei­ser! Bie­ten Sie ein Erleb­nis!”

(Eli­as Hen­rich)

Tat­säch­lich habe Rott­weil viel zu bie­ten – viel­leicht schon ein biss­chen zu viel? Und was ist die Stadt nun – ältes­te in Baden-Würt­tem­berg? Die der Tür­me? Die mit dem Hund? Natür­lich schon auch die mit dem Test­turm, dem gro­ßen Besu­cher­ma­gnet, der vie­le zehn­tau­send neue Tou­ris­ten anlockt – doch wie die­se vom Ber­ner Feld, sei­nem Stand­ort, in die Innen­stadt brin­gen? Und auch noch dazu ani­mie­ren, ein, zwei Stünd­chen zu blei­ben und Geld da zu las­sen? 

Ande­rer­seits habe Rott­weil bereits viel erreicht – bie­te eine Men­ge. Ob da nicht die Gefahr bestehe, sich aus­zu­ru­hen und alles zu belas­sen, wie es ist? 

Tho­mas Weis­ser. Foto: Ralf Gra­ner

Natür­lich gebe es Poten­zi­al zu heben. Von den 350.000 Tages­tou­ris­ten jähr­lich soll­te doch jeder Drit­te den Weg in die Innen­stadt fin­den. Das wäre ein gutes Ziel. Bloß wie und vor allem war­um? So fehlt noch immer die Hän­ge­brü­cke, das Turm und Stadt Ver­bin­den­de. Das stell­te etwa auch der Tri­ber­ger Unter­neh­mer und Vor­sit­zen­de des IHK-Han­dels­aus­schus­ses, Tho­mas Weis­ser, fest, der lau­nig und moti­vie­rend unter dem Titel „Erlebnis.Raum.Stadt – Tou­ris­mus als Plan B” sprach.

Weis­ser hob her­vor, dass Rott­weil ja alles habe: his­to­ri­sche Innen­stadt, her­vor­ra­gen­de Ver­kehrs­an­bin­dung, Natur und Neckar­tal. Und als Magnet den Test­turm. Jetzt gehe es dar­um, „mit dem etwas zu machen, was man hat und nicht von dem zu träu­men, was man alles haben kann.” 

Die Stadt ist die Büh­ne. Und ihr seid die Akteu­re, die die­se Büh­ne bespie­len.”

(Tho­mas Weis­ser)

Der IHK-Mann und Unter­neh­mer forsch­te etwas in die Run­de: Sind Hel­den da? Muti­ge, ein­satz­be­rei­te Men­schen, die anpa­cken kön­nen? Er selbst ist offen­bar so einer, kann dar­auf ver­wei­sen, gegen anfäng­li­che Wider­stän­de den inzwi­schen sen­sa­tio­nell erfolg­rei­chen Tri­ber­ger Weih­nachts­zau­ber „aus einer Lau­ne her­aus” mit einem guten Kum­pel zusam­men aus der Tau­fe geho­ben zu haben.

Dr. Chris­ti­an Ruf. Foto: Ralf Gra­ner

Ob es so Leu­te auch in Rott­weil gibt? Im Prin­zip dreh­te sich der Abend dar­um. Auch die Stadt­ver­wal­tung mit ihren Akteu­ren Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf, der mit sei­ner Rede „Ein­blick in die Poten­zia­le von Rott­weil” gab, und Wirt­schafts­för­de­rer André Lom­sky waren da. Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ein­zel­han­del, Dienst­leis­tern und Ver­wal­tung, lau­tet die Paro­le. Alle gemein­sam bestrei­ten so einen Abend, alle gemein­sam müs­sen die Stadt nach vor­ne brin­gen, nur nicht zu viel vom ande­ren erwar­ten, und dass der schon alles macht.

Denn das sei die „Gret­chen­fra­ge”, sag­te wie­der­um der Mar­ke­ter Hen­rich: „Wer macht’s?” Und er hat­te gleich einen Vor­schlag: „Jeder Ein­zel­ne soll­te das Poten­zi­al für sich erken­nen. Was kann ich tun, um ein Stück vom Kuchen zu bekom­men”, müs­se die Fra­ge lau­ten. 

Bli­cke in die Run­de. Fotos: Ralf Gra­ner

Die Ant­wor­ten gab er durch­aus auch vor. So feh­le Rott­weil der the­ma­ti­sche Zusam­men­halt, das eine gro­ße Mot­to, die Stra­te­gie. Und die Ein­zel­händ­ler könn­ten her­aus bekom­men, wel­chen Alters die Tou­ris­ten sind, die her­kom­men, und was die­se woll­ten. Es sei über­ra­schend, aber rei­se­lus­tig und in Kauf­lau­ne grif­fen die­se durch­aus in allen Berei­chen zu, kauf­ten leich­ter mal eine neue Jeans, ein Buch, Acces­soires und so wei­ter. 

Und wür­den die Tou­ris­ten dann einer­seits noch mit Events in die (gut aus­ge­schil­der­te) Innen­stadt gelockt und fän­den dort (ver­ständ­lich aus­ge­schil­der­te, güns­ti­ge) Park­plät­ze, und wür­den sie dann ande­rer­seits zudem mit Mikroevents in die Geschäf­te gezo­gen, viel­leicht mit einem Gläs­chen Sekt begrüßt oder einem Kin­der­schmin­ken – dann rol­le der Rubel. Oder eben der Euro. 

Aber wie gesagt: Die Ein­zel­händ­ler selbst sind ja jetzt am Zug. Sol­len Ide­en ent­wi­ckeln, wie sie selbst und wie die Innen­stadt (noch?) attrak­ti­ver wer­den könn­te. Viel­leicht ent­wi­ckeln sie ja sogar spin­ner­te Ide­en, wie der Mar­ke­ting-Mann forsch auf­for­der­te?