NRWZ.de, 17. Februar 2022, Autor/Quelle: Wolf-Dieter Bojus

Premiere ohne Begeisterung: Eintrittskarten für den Narrensprung

Fasnet

„Rottweil feiert 2Gplus-Fasnet“. So bezeichnete Oberbürgermeister Ralf Broß, was gestern bereits angekündigt worden war, auch bei der NRWZ: Am Fasnetsmontag und –dienstag gibt es jeweils einen reduzierten Narrensprung. Narrenzunft und Stadt haben jetzt Einzelheiten mitgeteilt.

1000 Narren und 4500 Zuschauer, mehr dürfen nicht auf die Umzugsstrecke. Und die ist kürzer als sonst, nämlich nur zwischen Schwarzem Tor und Spital. Damit wirklich nur die zugelassene Zahl von Menschen auf dem Gelände ist, braucht es nicht nur Narrenkarten für die Narren, sondern auch (was sonst völlig verpönt ist) Eintrittskarten für Zuschauer. Und auch Kontrolle. Die Strecke wird abgesperrt, an allen Eingängen (acht an der Zahl) sind Absperrungen und Kontrollstellen. „Zaungäste gibt es nicht“, beschrieb Broß beim Pressegespräch die Höhe der Absperrzäune.

Geboostert oder tagesaktueller Test

Wer in den Umzugsbereich möchte, braucht nicht nur eine Eintrittskarte, sondern auch einen 2G-Nachweis. Wer also nicht belegen kann, dass er oder sie geboostert ist, benötigt noch einen tagesaktuellen negativen Test. „Tagesaktuell“ heißt aber nicht, darauf wies Bürgermeister Dr. Christian Ruf hin, dass am Montag- oder Dienstagmorgen noch schnell ein Test gemacht werden müsse: Der Test darf nicht älter als 24 Stunden sein. So empfiehlt Ruf den Besuchern, am Tag zuvor zum Testen zu gehen. Welche Teststelle am Sonntag offen hat, konnte er noch nicht abschließend sagen. Auch nicht geboosterte Kinder und Jugendliche benötigen einen aktuellen Test.

Mitglieder bevorzugt

Wer narren möchte, kann sich am Samstag, 19. Februar, auf dem Platz vor Sport Kirsner bis zu zwei kaufen. Mitglieder der Narrenzunft werden zuerst bedient. Auch die Zuschauerkarten werden am Samstag für Zunftmitglieder verkauft. Was übrig bleibt, wird ab Montag bei der städtischen Tourist-Info, bei Intersport Kirsner, Kopf Haushaltwaren und Lederhaus Spitznagel verkauft. Preis ist ein Euro, der bei den Geschäften verbleibt. Ein Verkauf am Fasnetsmontag und –dienstag vor den Sprüngen findet nicht statt. „Wer keine Karte hat, braucht gar nicht zu kommen“, betonte der OB.

Maskenpflicht

Im gesamten Bereich der Sprünge ist Maskenpflicht, und zwar mindestens FFP2-Masken. Das gilt für Zuschauer wie Narren. Letzter brauchen die Maske allerdings nicht aufzusetzen, solange sie eine Larve aufhaben. „Sobald diese gelupft wird, gilt wieder die FFP2-Maskenpflicht“, schreibt die Stadt. Aber auf der Straße die Larve lupfen, das tut ja eh kein richtiger Narr.

Die Federahannes sollen ihre Stande zum Jucken nutzen und die Kalbsschwänzle weglassen. Archiv-Foto: wede

Hygienekonzept

„Wir sind seit Oktober im Gespräch“, berichtete Narrenmeister Christoph Bechtold. Zusammen mit Gesundheitsamt und Stadt haben die Obernarren ein Hygienekonzept ausgetüftelt, um den Narrensprung wenigstens teilweise zu retten.

Und dazwischen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seiner Aussage, die Fasnetsumzüge seien alle abgesagt, „Verwirrung und Unsicherheit“ (Broß) gestiftet. In der Folge wurde der Amtsleiter des Landes-Sozialministeriums, Uwe Lahl, in die Überlegungen mit einbezogen. Und so wurde auch die Lösung gefunden. Denn: Das Land untersagt in den Alarmstufen „Fastnachtsumzüge und vergleichbare Veranstaltungen, die nicht stationär an einem Veranstaltungsort abgehalten werden.“ So steht es in der Coronaverordnung des Landes. Mit der Begrenzung des Umzugs auf die Hauptstraße ist aber die Bedingung einer stationären Veranstaltung erfüllt. Oder wie sich Bechtold ausdrückte: „Der Veranstaltungsraum ist bei uns quasi eine große Kalthalle, bei der die Zugänge mit Sicherheitsdiensten und Polizei kontrolliert werden.“

Vier Musikkapellen

Damit es auch für die wenigen Narren ein echter Sprung wird, hat die Narrenzunft vier Musikkapellen engagiert (Bläser dürfen dann auch die Maske abnehmen). Die Pferde, die sonst am Kopf des Umzugs stehen, sind diesmal nicht dabei. Auf die Rößle hingegen dürfen sich die Zuschauer freuen. +

Auch mit 1000 Narren wird es eine Weile dauern, bis alle durch das Schwarze Tor sind – wegen der notwendigen Abstände werden weniger Narren gleichzeitig aus dem Tor gelassen als sonst.

Stempelstellen gibt es nicht, Narrenmeister Bechtold zeigte sich zuversichtlich, dass die Sprungbändel ausnahmeweise schon am Samstag mit den Narrenkarten ausgegeben werden können.

Berliner für die Kinder

Damit der Narrennachwuchs nicht den Kontakt zur Narrenzunft verliert, so lassen es Stadt und Narrenzunft wissen, bekommen die Kleinen am Fasnetssamstag einen Berliner und am Sonntag eine Wurst von der Narrenzunft auf dem Platz zwischen Café Schädle und Apostelbrunnen geschenkt.

Keine Proklamation

Ausfallen müssen dieses Jahr aber der Dienstag-Nachmittags-Sprung, der Bajass-Umzug am Sonntag und zuvor die Proklamation. Was aber unserer Information nach nicht ausfällt, ist das Häuser- und Gässlenarren. Für viele Einheimische das eigentliche Narren.

Premiere ohne Begeisterung: Eintrittskarten für den Narrensprung