Sanierung und Neubau DHG: Der Verwaltung werden die Leviten gelesen

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Eigentlich hatte der Gemeinderat Rottweil vorvergangenes Jahr beschlossen, dass die Stadtverwaltung zunächst mit dem Neubau eines Zusatzgebäudes am Rottweiler Droste-Hülshoff-Gymnasium beginnt. Und dann die drei Bestandsgebäude saniert beziehungsweise abreißt. Jetzt will das Bauamt genau anders herum vorgehen. Damit, aber auch mit dem Vorhaben, ein Obergeschoss eines Bestandsgebäudes nicht barrierefrei gestalten zu wollen, zieht die Verwaltung großen Unmut des Gemeinderats auf sich.

Die Verwaltung will an Fördergeld kommen. Von rund 1,5 Million Euro ist die Rede. Ein Anfang 2018 neu aufgelegtes Programm für Schulbausanierung, das die Stadtverwaltung gerne mitnehmen wollte. Dafür aber müsste sie, nach eigener Darstellung sofort loslegen. Im Projekt sei bereits eine Verzögerung von einem Jahr. Weitere Verzögerungen dürfe es nicht geben – weshalb das Bauamt jetzt die Sanierung der Bestandsgebäude angehen will.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, in den Fördertopf im kommenden Jahr aufgenommen zu werden. Garantiert sei das nicht, aber sehr wahrscheinlich, hieß es. Und dann müsste die Sanierung bis Ende 2022 beendet sei. Das sei eine klare Ansage. Die Förderanträge seien für den Teilneubau bis 31. Oktober und für die Sanierung bis 31. Dezember dieses Jahres zu stellen.

Hintergrund: Insgesamt investiert die Schulstadt Rottweil kräftig in ihre Infrastruktur. Nach 8,7 Millionen Euro für das Leibniz-Gymnasium im Jahr 2010 und 4,5 Millionen zwei Jahre später für den Fachklassentrakt sollen jetzt an die 14 Millionen für das Droste-Hülshoff-Gymnasium bereitgestellt werden.

Der Gemeinderat hatte 2016 in nichtöffentlicher Sitzung einen Teil-Neubau des DHG beschlossen. Die Arbeiten sollten eigentlich bereits im Jahr 2018 beginnen, in drei Teilabschnitten erfolgen und sich über zehn Jahre erstrecken, um die Finanzierung sicher zu stellen. In den Betrag seien bereits 2,3 Millionen Mehrkosten eingerechnet, berichtete Oberbürgermeister Ralf Broß vor knapp zwei Jahren gegenüber der Presse.

Zunächst war ein zweigeschossiger Neubau mit zehn Klassenzimmern und einer Bibliothek auf dem Schulgelände in Richtung Bismarckstraße geplant – und so auch vom Gemeinderat beschlossen. Nach der Fertigstellung sollten die Sanierungen folgen, sodass keine Containerlösung nötig ist. Am Schluss hätte ein Teil-Abbruch gestanden. Der gesamte Bauablauf – eine Sache über bis zu zehn Jahre.

Diesen Ablauf hat das Bauamt nun komplett auf den Kopf gestellt – eigenmächtig und ohne die Stadträte mitzunehmen, wie diese kritisierten. Überrumpelt fühlte sich etwa FDP-Stadtrat Dr. Michael Gerlich. Zudem ist nun ein Containerbetrieb geplant – weil ja während des laufenden Unterrichts umgebaut werden soll. Allein vier bis sechs Jahre solle Unterricht in den Containern stattfinden.

Live in der Sitzung ist DHG-Schulleiter Stefan Maier dazu gehört worden. Ganz spontan vom Oberbürgermeister einbezogen. Wie er denn zu einer Containerlösung stehe. Dafür ist er nicht, so Maier. „Aber wir sind am Ergebnis interessiert. Wir wollen eine schöne, top-sanierte Schule sein.“ Wenn die Zwänge es ergäben, wären er und das Kollegium bereit, eine Containerlösung mitzutragen.

Maier allerdings soll gegenüber dem Elternbeirat seiner Schule auch schon mit einem Umbau ohne Container geworben haben. Eine ungute Situation für ihn nun, wie FFR-Stadträtin Elke Reichenbach urteilte. Maier lachte dazu verhalten.

Außerdem sind die Container teuer. Um die 600.000 Euro könnten sie kosten – und so knapp die Hälfte der Fördergelder sozusagen auffressen.

Die Verwaltung, allen voran OB Broß, stellte klar: Nur mit der neuen Reihenfolge Sanierung vor Neubau winke die Förderung. Und auch die komplette Barrierefreiheit könne – entsprechende Mehrkosten für einen Aufzug voraussetzt – erreicht werden.

Bauamtsleiter Lothar Huber erklärte zudem, dass sich inhaltlich am Projekt nichts geändert habe. Nur die Reihenfolge. Und er warb dafür, das Förderprogramm, wie zeitlich aufgelegt, auch anzunehmen. Nicht etwa auf eine Verlängerung zu hoffen, die allenfalls auf politischem Wege erreicht werden könne – und keinesfalls sicher sei.

Doch dann hatte die Verwaltung verstanden. OB Broß brach die Diskussion an dieser Stelle ab und versprach, dass die Stadt bis Anfang Juli einen Zeit- und Kostenplan für die neue Planung vorzulegen. Direkt vor der Sommerpause. Um dann einen Beschluss zu fassen.

Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.