Biber fühlt sich am Gründlesee wohl

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Die Biberfamilie in Heiligenbronn scheint weiter gezogen zu sein. Das Hochwasser Anfang Februar hatte die Dämme weggespült – auch zur Erleichterung der Stiftungsverwaltung, denn die Biberdämme bedrohten auch die stiftungseigene Wasserversorgung. Der Abzug in Heiligenbronn heißt aber nicht, dass Schramberg nun ganz ohne Biber ist. Am Gründlesee bei Schönbronn tummelt sich seit 2018 immer wieder einer.

Michael Roth vom Angelsportverein, dem der Gründlesee gehört, erzählt, dass vor zwei Jahren eindeutige „Verbissspuren“ eines Bibers am Ufer des Sees zu finden waren. „Er war zwischenzeitlich aber wohl weg, wir dachten schon, er ist wieder ausgezogen.“ Erst im zeitigen Frühjahr 2019 waren wieder seine Spuren zu finden. Er hat sich auch einen stabilen Bau zusammengezimmert: Äste und Zweige von dem nahegelegenen kleinen Wäldchen hat er sich besorgt.

Bisher keine Probleme

Mit ihrem Gast hätten die Angler kein Problem, versichert Roth, denn er unterwühle nicht den Damm, sondern schaffe im hinteren Bereich des Gründlesees. „Bisher“, fügt er hinzu. Würde er beim Damm anfangen zu graben, könnte es für die Sicherheit schon gefährlich werden.

Mit einem Drahrtgeflecht schützen die Angler am Gründlesee wichtige Uferbäume gegen den Biber.

Einige Anglerkameraden und er selbst hätten den Biber in der Abenddämmerung schon gesehen, wenn er durch den See schwimme. „Ich selbst habe ihn einmal im Schilf aufgescheucht, als ich dort angeln wollte.“ Und gerade am Montag habe er eine Biberrutsche am Ufer gesehen: „Frisch geglättet und noch tropfnass.“

Eine Biberrutsche am Gründlesee.

 Biber im Video

Eine Überwachungskamera hat den Biber bei einem seiner Ausflüge im Gründlesee  gefilmt. Insgesamt habe die Wildkamera 1307 Videos aufgenommen, erzählt Roth: „Enten, Vögel, Fische, wackelnde Äste, aber nur ein Video vom Biber.“

Derzeit rätseln Roth und die Angler, ob „ihr“ Biber allein sei oder eine Gefährtin habe. Dass es ein Männchen sei, sei klar, weil es einen Biberbau gibt. „Die Biberdamen lassen bauen.“

 Biberwanderzeit: Was tun bei einer Begegnung?

Die Biberbeauftragte beim Regierungspräsidium Freiburg, Bettina Sättele, gibt Tipps, wie man bei Hochwasser und der Wanderzeit der Biber im Frühjahr mit diesen richtig umgeht:

Im Frühjahr sei die Abwanderzeit der Biberjungtiere. Die zweijährigen Jungtiere müssen jetzt die elterlichen Reviere verlassen, da in den nächsten  zwei bis drei Monaten die Biberbabies geboren werden. Sie begeben sich deshalb auf die Suche nach neuen Revieren, erklärt Sättele.

„Gibt es so starke Hochwasser wie in den vergangenen Tagen, dann weichen Biber gerne auf den Landweg aus, wandern am Ufer und an Straßen entlang. Auch die Biber, die bereits Reviere haben, sitzen plötzlich an vielbegangenen Wegen und Hochwasserdämmen scheinbar verwirrt rum, weil sie hochwasserbedingt vorübergehend ihre Baue verlassen müssen.“

Dort, wo viele Spaziergänger mit Hunden unterwegs seien, werde es für die Biber stressig, da Hunde für den Biber dem natürlichen Beutegreifer „Wolf“ ähneln. Und das, auch wenn mancher Hund vielleicht nur neugierig ist. Sättele bittet daher einen weiten Bogen um den Biber zu machen und einen Hund unbedingt anzuleinen.

Nachts auf den Straßen, wo Bibervorkommen entlang der Ufer bekannt sind, sollte man langsam fahren.  Bei Brücken müsse man mit plötzlich querenden Bibern rechnen. Ausgewachsene Biber erreichen die Größe von Dachsen, die man schon eher  zu Gesicht bekommen hat. Sie sind einfarbig dunkelbraun. „Bei einer Kollision kann an Fahrzeugen nennenswerter Schaden entstehen.“

Info: Hinweise zu Bibersichtungen an die Landratsämter und die Biberbeauftragte des Regierungsbezirks Bettina Sättele, Tel.Nr. 07743-933369212, mobil: 0174-3012716. E-Mail: saettele-biberfragen@t-online.de

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.