„Darf’s ein bisschen weniger sein?“ Neue Halle Tennenbronn

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Schramberg. Die Zuschauerplätze waren alle besetzt, als sich der Ausschuss für Umwelt und Technik mit den Plänen für die neue Sport- und Festhalle in Tennenbronn befasste. Das Thema brennt offenbar den dortigen Vereinen unter den Nägeln. Die Ausschussmitglieder beschäftigten die Kosten für den Hallenbau und die Frage, ob die Halle für 500 oder knapp 1000 Besucher Platz bieten soll.

Betrieb mit Sondergenehmigung?

Doch der Reihe nach: Architekt Gehard Bosch berichtete von der langen Vorgeschichte der neuen Halle, die nun schon mehrfach umgeplant worden sei. Sechs Varianten habe sein Büro inzwischen erarbeitet – und Variante 5 sei im Ortschaftsrat favorisiert worden. Das ist eine Variante, bei der die Zahl der Besucher auf 500 begrenzt wird. Dann braucht es weniger Lüftung weniger Toiletten, weniger Parkplätze. Mit dieser Variante käme man unter die magischen zehn Millionen Euro netto.

Das Problem: Wenn mehr als 500 Gäste erwartet werden, braucht der Veranstalter eine Sondernutzungsgenehmigung vom Ordnungsamt. Er muss per Toilettenwagen für zusätzliche Klos sorgen und weitere Parkplätze nachweisen.

Architekt Gerhard Bosch im AUT. Foto: him

Bosch wies auf die Einstöckigkeit der Halle als großen Vorteil hin. So entfielen aufwändige Aufzüge. Nur die Technik, Heizung und Lüftung würden auf dem Dach angesiedelt. Brutto, schätzt Architekt Bosch, werde die Variante 5 11,5 Millionen, die Variante 6 für knapp 1000 Besucher um die 13 Millionen Euro kosten.

Nach einer Entscheidung des Rats könnten die eigentlichen Planungen beginnen und bis 2024 abgeschlossen sein. Bis Mitte 2026 könnte die Halle stehen. Ein großes Fragezeichen gibt es noch: „Der Bebauungsplan muss noch gemacht werden.“

Weitere Million für Zufahrt

Andreas Krause, der Leiter der Abteilung Hochbau, hatte noch zwei schlechte und zwei gute Nachrichten: Die vom Regierungspräsidium Freiburg verlangte Abbiegespur und Zufahrt zum Gelände werde ein bis 1,2 Millionen Euro zusätzlich kosten. Zum ökologischen Ausgleich und zum Hochwasserschutz könne er noch keine Aussage machen. Aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) sei ein Zuschuss von 750.000 Euro bewilligt. Weitere 108.000 Euro kämen aus der Sportförderung. „Wir wollen noch nach weiteren Zuschüssen schauen“, kündigte Krause an.

Um die Hallenkosten richtig einschätzen zu können, habe seine Abteilung die Kosten für die Waldmössinger Kastellhalle mit den heutigen Anforderungen an Zahl der Toiletten und PV-Anklage durchgerechnet und sei auf etwa 12,5 Millionen Euro gekommen.

Die Variante 6 für knapp 1000 Besucher. Grafik: Stadt Schramberg

Die kleinere Größe bei Variante 5 werde für die meisten Veranstaltungen ausreichen. Müsste man pro Jahr drei Ausnahmegenehmigungen beantragen, käme man in 15 Jahren auf etwa 70.000 Euro zusätzlicher Kosten. Bei zehn Veranstaltungen im selben Zeitraum auf etwa 220.000 Euro, so Krause.

Heftige Kritik im Rat

In der anschließenden Diskussion hagelte es heftige Kritik an der Verwaltung: Jürgen Kaupp (CDU) stellte zunächst fest, dass die Halle schnellstmöglich in vernünftigem Rahmen gebaut werden müsse. Er ärgere sich maßlos, dass die Ausschussmitglieder eine Sitzungsvorlage erhalten hätten, in der die beiden jetzt diskutierten Varianten nicht erwähnt würden. „Ich komme mir veräppelt vor“, schimpfte Kaupp.

Er warnte vor „Tricks“ mit Besucherzahlen und Parkplätzen und erinnerte an die „Szene 64“ und das Freibad. Da habe man die Parkplätze schließlich doch bauen müssen. Vor einem Beschluss müsse das mit der Baurechtsbehörde geklärt werden. “Sonst lügen wir uns in die eigene Tasche.“

Jürgen Kaupp war sauer. Foto: him

Zahlenmaterial unzureichend

Auch möchte er die genaue Zahl von Veranstaltungen wissen, bei denen mehr als 500 Personen zu erwarten sind. Die PV-Anlage könnte auch jemand anderes bauen und betreiben. Schließlich fragte er „Wo bleibt das Finanzierungskonzept?“

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr verwies darauf, dass die Sitzungsunterlagen schon vor der Tennenbronner Ortschaftsratssitzung verschickt worden seien und dann nicht mehr geändert werden können. Krause berichtete, der Fachbereich 2 Recht und Sicherheit habe erst in den letzten beiden Wochen die Möglichkeit der Reduktion auf 500 ins Spiel gebracht.

Zur Finanzierung meinte Krause, die Planungskosten seien im aktuellen Haushalt enthalten. In den Folgejahren müssten die übrigen Kosten verankert werden. Angesichts der Baupreisentwicklung sei das aber „schwer abzuschätzen“. Die PV-Anlage werde etwa 250.000 Euro kosten. Ob die Stadt oder ein Investor sie baut, sei offen.

Freie-Liste Rat Ralf Rückert fragte sich, wie die Stadt alle geplanten Projekte stemmen wolle. Auch er warnte vor der kleineren Variante mit Ausnahmegenehmigung. Eine neue Landesverordnung könnte der Stadt einen Strich durch die Rechnung machen. Architekt Bosch beruhigte, die zusätzlichen Parkplätze seien auf dem Gelände möglich.

Genug Platz für alle Parkplätze. Foto: him

Die Kuh vom Eis bringen

Patrick Fleig (CDU) fand es ebenfalls bedauerlich, dass der Rat die erforderlichen Unterlagen nicht erhalten hatte. Zudem fragte er, ob der ELR-Zuschuss in Gefahr sei. Er erkundigte sich nach der Genehmigung für die alte Halle und dem Ablaufdatum für den Brandschutz dort.

Die Genehmigung gelte auf jeden Fall bis Ende 2024, versicherte Krause. Wegen einer Verlängerung müsse man noch einmal eine Stellungnahme anfordern. Fachbereichsleiter Uwe Weisser hatte „noch keine Sorge“, dass der ELR-Zuschuss verfallen könnte.

Reinhard Günter (SPD-Buntspecht) versicherte, die Tennenbronner wollten bei der Halle „nicht das Maximale rausholen“. Aber die alte Halle sei am Ende. Der Weg zurück in die alte Halle sei verbaut. Man habe keine andere Wahl als den Weg nun weiter zu gehen. Variante 5 sei „der Versuch, die Ansprüche zurückzuschrauben“.

Oskar Rapp (Freie Liste) fand, man müssen „nun endlich die Kuh vom Eis bringen“. Die Vereine hätten sich beschränkt und auf Luxus verzichtet. Damit das Gremium einen Eindruck vom Zustand der Halle bekomme, sollte doch dort eine Sitzung stattfinden, forderte er.

Sieben Millionen waren nie realistisch

Architekt Bosch machte auf die laufenden Kostensteigerungen aufmerksam, die hätten letztes Jahr bei knapp 17 Prozent gelegen. Die anfangs vorgesehenen sieben Millionen seien „damals schon nicht realistisch“ gewesen. Vergleiche man die Tennenbronner Halle mit ähnlichen Projekten, zeige sich, dass die Größenordnung stimme. „Wenn Sie eine Halle wollen, die funktioniert, dann kostet die das halt.“

Zu den Baupreisen meinte OB Eisenlohr, gegenwärtig machten diese „eine Seitwärtsbewegung“. Die Stadt bekomme wieder Angebote auf Ausschreibungen.
Lara Kiolbassa (SPD-Buntspecht) mahnte zur Eile, sonst bestehe die Gefahr, dass Tennenbronn ganz ohne Halle dazustehen.

Thomas Brugger (CDU) versicherte, es seien sich alle einig, dass man die Halle baue. Vor einer Entscheidung wollte er aber genauere Zahlen zu den Veranstaltungen und die Zahl der möglichen Sondergenehmigungen. Volker Liebermann (ÖDP) bekam angesichts der Vielzahl von Großprojekten „Bauchgrimmen“. Er frage sich wie die Stadt das alles finanzieren wolle.

Ein möglicher Zeitplan für den Hallenbau. Foto: him

„Ohne Halle ist das Dorf tot“

Fast das Schlusswort hatte Tennenbronns Ortsvorsteher Manfred Moosmann. Man habe schon stark reduziert, auf eine Empore und einen zweiten Eingang verzichtet. Jetzt müsse es auch wegen des Zustands der alten Halle voran gehen. „Ein Leben ohne Halle – das Dorf wäre tot.“ Die Entscheidung müsse der Gemeinderat Anfang März treffen, forderte Moosmann.

Jürgen Kaupp hatte am vorgelegten Plan noch eine Reihe von Detailverbesserungen vorgeschlagen. Doch Architekt Bosch versicherte, soweit sei man noch lange nicht. Die Zeichnung gebe nur ein Flächenlayout vor. Was genau wo und wie platziert werde, das werde noch mit allen Beteiligten diskutiert, „um das Optimum herauszuholen“.
Nun werden die Fraktionen noch intern beraten und dann – hoffentlich – am 2. März zu einem alle zufriedenstellenden Beschluss kommen.

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