Ein Herz für Schramberg und die Kommunalpolitik

Ein Herz für Schramberg und die Kommunalpolitik

Ein „Hansdampf in allen Gassen“ verlässt den Schramberger Gemeinderat. So formulierte es Oberbürgermeistern Dorothee Eisenlohr zu Beginn ihrer Laudatio an Martin Himmelheber, der nach 15 Jahren als Stadtrat aus seinem Amt freiwillig ausscheidet. Am 22. Juli wurde er unter viel Applaus aus allen Reihen und mit anerkennenden Reden verabschiedet.

Der heute 68-Jährige folgte in seinem Leben mehreren Berufungen. Dies wurde in den Ausführungen Eisenlohrs und des zweiten Laudators Udo Neudeck, Freie Liste, deutlich.

Lehrer, Journalist, Gemeinderat …

Bevor Himmelheber zu einem engagierten Lokaljournalisten im Radio und später in der Print- und Onlinepresse wurde, unterrichtete er als Lehrer unter anderem in Schenkenzell, Texas (USA) und gar in Lesotho. Letztlich aber verliebte sich „das Heidelberger Großstadtkind in eine Kleinstadt im Schwarzwald“, so Neudeck. Himmelheber integrierte sich schnell in der Stadt, wenn er zu Beginn auch einen Ruf als grüner Querulant hatte. Trotzdem sei er nie unangenehm oder aufbrausend gewesen, erinnert sich Neudeck.

Am 23. März 2006, vor über 15 Jahren, rückte Himmelheber für Elke Brezger in den Gemeinderat nach. In allen darauffolgenden Wahlen wurde er direkt als Vertreter der Bürgerschaft für die Liste Buntspecht gewählt. In den letzten Wahlen 2019 erreichte Himmelheber beachtliche 2516 Stimmen. Zuletzt war er zweiter ehrenamtlicher OB-Stellvertreter und Mitglied im Ausschuss Umwelt und Technik.

Seiner Arbeit im Gemeinderat ging er stets gewissenhaft nach. Aus allen Reihen hörte man, dass er stets gut vorbereitet gewesen sei und oft wichtige, andere Sichtweisen in Diskussionen einbrachte. Er beschäftigte sich vor allem mit den Schwerpunktthemen Verkehrspolitik und Natur- und Umweltbelangen. In seinen über 15 Jahren als Stadtrat, hat Himmelheber außerdem nur zweimal bei einer Gemeinderatssitzung gefehlt.

Kritiker warfen ihm trotzdem oft seine Doppelrolle als Pressevertreter und Gemeinderat vor. Doch Eisenlohr und Neudeck bestätigen beide in ihren Reden, dass er mit dieser Zwickmühle stets selbstkritisch und sorgsam umging. Unter anderem hatte Himmelheber vor seinem Amtseintritt in den Gemeinderat den Ältestenrat gefragt, ob seine zweifache Funktion in Ordnung ginge und wie er damit umgehen solle. „Ich glaube ihm bis heute, dass es immer korrekt zugegangen ist“, fasst Neudeck seinen Eindruck dazu zusammen. Und die Oberbürgermeisterin zitiert ihn wie folgt: „Ich habe mich nie selber zitiert, das hätten wohl nicht viele geschafft.“

… „und gefühlt ein freier Mitarbeiter der Verwaltung“

In ihrer Laudatio würdigte Eisenlohr außerdem Himmelhebers Fokus auf das Brückenbauen. „Es ging ihm immer darum, Lösungen zu finden, hinter denen alle stehen können“, so die Oberbürgermeisterin. Im Spannungsfeld der Kommunalpolitik zwischen dem eigenen politischen Anspruch und einem limitierten finanziellen Spielraum hinterfragte Himmelheber oft und zeigte gerne andere Sichtweisen auf. „Für mich war eine Wortmeldung von Martin immer besonders wichtig“, erklärt deshalb Neudeck.

Vor allem brachte Himmelheber viele bürgernahe Themen in den Gemeinderat ein. „Durch seine fast allumfassende Präsenz hatte er mit vielen Bürgern Kontakt“, erzählt Neudeck. Auch die Oberbürgermeisterin wird vor allem diesen Aspekt vermissen. Himmelhebers tägliche Fahrradtouren durch die Stadt und fast täglichen Anrufe in der Verwaltung, um auf Missstände oder Verbesserungsmöglichkeiten für die Bürgerschaft aufmerksam zu machen, haben ihn zusätzlich zu allen anderen Tätigkeiten „gefühlt zu einem freien Mitarbeiter der Verwaltung“ gemacht, sagt Eisenlohr. Das wird fehlen, meint sie. Doch Himmelheber beruhigt: er werde weiterhin regelmäßig durch die Stadt radeln und engagiert dabei bleiben.

Viel bewegt, doch es bleibt viel zu tun

In seiner letzten Rede als Stadtrat bleibt Himmelheber selbstkritisch und humorvoll. Einerseits erzählt er Anekdoten von vergessenen Blumen bei Verabschiedungsreden, andererseits ärgert er sich über Dinge, die er nicht geschafft hat, zu ändern, zum Beispiel die Radwegsituation an der Oberndorferstraße oder das Dilemma um Camedi und das ehemalige Schramberger Krankenhaus.

Trotzdem konnte Himmelheber auch „ein bisschen was“ bewegen, sagt er. So steht auf dem Rathausplatz nun eine Bücherbox, die er ehrenamtlich betreut und der Schramberger Radbeauftragte Gunnar Link wurde auf Himmelhebers Begehren angestellt. Und mit der Namensgebung „badschnass“ des Sulgener Hallenbads hat sich Himmelheber wohl ein langfristiges Denkmal gesetzt.

Auch durch seine Ablehnung einiger Themen kam Bewegung in den Gemeinderat und Himmelhebers eigene Fraktion. So war er als einziger gegen die Umgehungsstraße für Schramberg, gegen das Tierheim im Paradieshof und gegen den Bürgerbus. Zu diesen Entscheidungen steht Himmelheber aber bis heute und „kann deshalb morgens immer, was dieses Thema angeht, in den Spiegel sehen“, so Neudeck.

Auch der hochbetagten Bürgerschaft Schrambergs dürfte Himmelheber besonders gut bekannt sein. Denn der ehemalige Stadtrat sei laut Eisenlohr in seiner Funktion als zweiter OB-Stellvertreter besonders gerne zu 90ern und anderen hohen Geburtstagen gegangen. Dies läge unter anderem daran, dass Himmelheber offensichtlich als Journalist gerne Geschichten möge – und vermutlich auch Kuchen, so die Oberbürgermeisterin augenzwinkernd.

Aber zum Abschluss seiner Zeit im Gemeinderat ging es auch um ernstere Themen. So bedauert Himmelheber, dass trotz der jahrelangen Bemühungen aller Fraktionen die Frauenquote weiterhin erschreckend niedrig sei. Und: „Menschen mit Migrationshintergrund haben zumindest in meiner Zeit leider keinen Platz an diesem Tisch gefunden.“

Udo Neudeck, Freie Liste, hielt eine Laudatio für Martin Himmelheber.

Offene Diskussionskultur gewürdigt

Trotzdem erfreue er sich an der insgesamt offenen Diskussionskultur in den Schramberger Gremien. „Wir diskutieren offen und frei von irgendwelchen Fraktionszwängen und akzeptieren Mehrheitsentscheidungen meist ohne Gemurre und Nachkarren“, fasst Himmelheber zusammen. Auch innerhalb seiner Fraktionsgemeinschaft habe es nie einen großen Streit gegeben und fraktionsübergreifend wurden Freundschaften geknüpft.

Außerdem falle Himmelheber sehr positiv auf, dass es seit mindestens zwei Generationen keine Rechtsextremisten im Rat gebe. Weder NPD, noch Republikaner oder jetzt die AfD seien in Schramberg vertreten, und das spreche für unsere Stadt.

Auch der Frauenbeirat, vertreten durch Barbara Olowinski, bedankte sich bei Himmelheber für seinen stetigen Einsatz für die Frauenquote im Gemeinderat.

Zum Abschluss bedankte sich Himmelheber mit einer symbolträchtigen Gemüsebürste aus Heiligenbronn als Abschiedsgeschenk bei allen Rats- und Verwaltungsmitglieder. Diese sei einerseits „ökologisch einwandfrei“ und außerdem „ein bisschen wie ich, mal mehr und mal weniger kratzbürstig.“ Himmelheber selbst wünscht sich, dem Schramberger Gemeinderat als „meist gut gelaunter, fleißig schreibender, multitasking-fähiger Kollege“ in Erinnerung zu bleiben. Und dem würde wohl nichts widersprechen, meint Eisenlohr. „Menschen wie Sie brauchen wir“, schloss die Oberbürgermeisterin und gab zu, dass sie sich nur schwer von Himmelheber als konstruktivem Mitarbeiter im Gemeinderat trennen könne. Und auch Himmelheber verdrückte zum Abschied aus dem Gemeinderat ein paar Tränen.

Martin Himmelheber, scheidender Gemeinderat, mit seiner Partnerin Renate Much (Mitte) und den Laudatoren Udo Neudeck (Freie Liste) und Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr.

Trotzdem freue sich Eisenlohr für und mit Himmelheber, nun mehr gemeinsame Zeit mit seiner Partnerin Renate Much zu haben, die er im Gemeinderat kennenlernte. Auch Himmelheber erwähnt dies zum Schluss sichtlich emotional berührt. „Wenn die 15 Jahre im Rat auch für nichts gewesen ein sollen, dann wären es sie doch allemal wert, denn ich habe meine große Liebe gefunden“, schließt er.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 23. Juli 2021 von Louisa Mugabo (lm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/ein-herz-fuer-schramberg-und-die-kommunalpolitik/319148