Große Hilfe für Blinde

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Rot-weiße Mützen hat Anselm Schmid am Freitagvormittag den Stahlpollern am Rathausplatz übergezogen. Nicht, weil diese vielleicht frieren könnten. Nein, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksgruppe Rottweil-Tuttlingen des Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg ging es darum, auf ein Problem aufmerksam zu machen: Menschen mit einer Sehbehinderung können die oft grauen Poller schlecht erkennen.

Augenfällig: Rot-weiße Wollmützen auf den Pollern beim Schramberger Rathaus.

Wenn man diese Poller rot-weiß markiere, seien sie auffälliger und leichter zu erkennen. Anlass für die Aktion war der alljährliche Tag der Sehbehinderten am 6. Juni.

Auf dem Weg zur barrierefreien Stadt

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr war zur Mützenaktion hinzu gekommen und dankte Schmid für die Aktion: „Wir hatten die Poller nicht so auf dem Schirm“, bekennt sie und versprach, stärker darauf zu achten. Klar sei ja auch, dass die Mützen „keine Dauerlösung“ darstellten. Sabine Ludi aus Sulz, Mitglied der Bezirksgruppe, hatte die vier Mützen gestrickt. Die Wolle stiftete übrigens ein großer Wollhersteller.

Insgesamt sei die Barrierefreiheit für die Stadtverwaltung ein wichtiges Thema. Sie  erinnerte an die neuen Bushaltestellen mit Leitsystemen, die Ampeln mit Blindentasten und Rathaus-Begehungen mit Menschen mit Behinderungen, um Hürden zu erkennen. „Da ist immer noch Handlungsbedarf“, so Eisenlohr.

Nachdem Schmid den Pollern bei der Marktstraße ihre Mützchen und einen eingeschweißten Erklärungszettel verpasst hat, führt Eisenlohr Schmid am ausgestreckten weißen Blindenstock zu den beiden Pollern auf der anderen Seite des Platzes. „So haben wir den coronagerechten Abstand“, erläutert Schmid der erstaunten Oberbürgermeisterin, „und ich kann mich gut  so orientieren.“

Fachfrau im Rathaus

Die neue Fachbereichsleiterin für Bau und Umwelt Petra Schmidtmann-Deniz habe eine Zusatzqualifikation als Fachplanerin für Barrierefreiheit, erzählt Eisenlohr. Das werde man nutzen, um die Stadt für alle gleich gut erreichbar zu machen. So sei bei einer Begehung im City-Hochhaus  aufgefallen, wie schwierig es für Rollstuhlfahrer oder Nutzerinnen eines Rollators sei, Türen zu öffnen. Aber auch an die Verwendung von „leichter Sprache“ müsse man viel häufiger denken.

Eisenlohr kündigt einen „Brainstormingtermin“ im Juli in der Stiftung St. Franziskus an: „Wir wollen schauen, wie wir als inklusive Stadt weiter kommen.“

Zurück zu den Pollermützen: Anselm Schmid möchte der Stadt den Kontakt zu einer Firma vermitteln, die eine einfache Methode anbietet, wie die Poller sichtbarer gemacht werden können: „Das muss gar nicht viel kosten.“ Vielleicht reiche ja schon ein selbstklebendes Leuchtband.

Anselm schmid.

Eisenlohr bot Anselm Schmid ihrerseits an, sich jederzeit an sie oder die Stadtverwaltung zu wenden, wenn es für blinde Menschen oder Menschen mit Sehbehinderung ein Problem gebe.

Weitere Informationen finden sich hier:  www.sehbehindertentag.de

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