Der Kindergarten in Heiligenbronn. Archivfoto: him

Im katho­li­schen Kin­der­gar­ten in Hei­li­gen­bronn haben vier von fünf Erzie­he­rin­nen auf Ende März gekün­digt. Zudem wirft ein Groß­va­ter der Lei­te­rin des Kin­der­gar­tens vor, sein Enkel­kind geschla­gen zu haben. Die Lei­te­rin darf seit­her die Ein­rich­tung nicht mehr betre­ten. Pfar­rer Chris­ti­an Albrecht spricht von einer „kri­sen­haf­ten Situa­ti­on“. (Die Stif­tung St. Fran­zis­kus in Hei­li­gen­bronn betreibt eben­falls Kin­der­gär­ten in Hei­li­gen­bronn, hat mit dem St. Gal­lus Kin­der­gar­ten aber nicht direkt zu tun.)

Schon seit eini­ger Zeit scheint der Haus­segen im St. Gal­lus Kin­der­gar­ten mit sei­nen zwei Grup­pen schief zu hän­gen, denn im April 2018 habe er begon­nen, “kom­mu­ni­ka­ti­ve Män­gel dort anzu­ge­hen“, berich­tet Albrecht.  So habe man auch eine Super­vi­si­on ein­ge­rich­tet. Im Rah­men die­ser Super­vi­si­on sei­en vor Weih­nach­ten Anschul­di­gun­gen gegen die Mit­ar­bei­te­rin­nen erho­ben wor­den. Eltern hät­ten sich über sozia­le Medi­en gemel­det und es sei so etwas wie eine Hys­te­rie ent­stan­den, berich­tet Albrecht. Er bekennt: „Ich habe das damals völ­lig unter­schätzt.“

Lage eskaliert um Weihnachten

Die Kin­der­gar­ten-Mit­ar­bei­te­rin­nen hät­ten Angst bekom­men, die Situa­ti­on sei eska­liert, und vier der fünf Voll­zeit­kräf­te hät­ten vor und nach Weih­nach­ten gekün­digt. Im neu­en Jahr habe man sich bera­ten, wie es wei­ter gehen soll. Die Kir­chen­ge­mein­de habe die Stel­len aus­ge­schrie­ben und für den 24. Janu­ar zu einem Eltern­abend ein­ge­la­den. An die­sem Abend habe er den Eltern eine Per­spek­ti­ve auf­zei­gen wol­len, wie es nach dem 31. März wei­ter­geht.

Die Mög­lich­kei­ten: Alle Stel­len wer­den wie­der besetzt, der Betrieb geht ein­ge­schränkt wei­ter oder  man bie­tet eine ehren­amt­li­che Betreu­ung außer­halb des Kin­der­gar­ten­rah­mens an, „damit nie­mand ganz im Regen steht“. Da aber zehn Bewer­bun­gen ein­ge­gan­gen sei­en und  er mit sechs Erzie­he­rin­nen Bewer­bungs­ge­sprä­che füh­re, hof­fe er dass der Kin­der­gar­ten sta­bil wei­ter geführt wer­den kann.

Beim Eltern­abend sei­en eini­ge Eltern sehr wort­ge­wal­tig auf­ge­tre­ten und hät­ten Auf­klä­rung gefor­dert, wes­halb die vier Mit­ar­bei­te­rin­nen gekün­digt hät­ten. „Es war hoch­emo­tio­nal.“ Die Grün­de sei­en aber Sache der Betrof­fe­nen. Erst nach einer Stun­de habe er sei­ne Plä­ne vor­le­gen kön­nen, berich­tet Pfar­rer Albrecht.  Er habe sich gefragt: „Geht es um die Kin­der oder um einen Skan­dal?“

Hat die Leitung ein Kind geschlagen?

Erschwe­rend sei aller­dings hin­zu gekom­men, dass unmit­tel­bar vor dem Eltern­abend ein Groß­va­ter schwe­re Vor­wür­fe gegen die Lei­tung des Kin­der­gar­tens erhob. Die­se habe ein Kind geschla­gen. Nach der Aus­sa­ge des Groß­va­ters habe er sofort das Kreis­ju­gend­amt, das Lan­des­ju­gend­amt, die kirch­li­chen Stel­len und die Poli­zei infor­miert. Auch die Stadt Schram­berg sei von Anfang an unter­rich­tet gewe­sen, so Albrecht. Die Eltern des angeb­lich geschla­ge­nen Kin­des hät­ten kei­ne Anzei­ge erstat­tet, betont der Pfar­rer.

Er sei von der sehr guten Arbeit sei­ner Erzie­he­rin­nen über­zeugt, auch derer, die gekün­digt haben. Er betont: „Wir haben nie­man­dem gekün­digt.“ Albrecht betont auch mit Blick auf anders­lau­ten­de Berich­te: „Die Lei­te­rin ist nicht sus­pen­diert, son­dern darf wäh­rend des lau­fen­den Ver­fah­rens die Ein­rich­tung wäh­rend der Betreu­ungs­zei­ten nicht betre­ten. Sie arbei­tet von Zuhau­se aus in der Ver­wal­tung.“

Er habe nach der Anschul­di­gung Gesprä­che  mit den Betei­lig­ten geführt. „Heu­te habe ich 18 Sei­ten Pro­to­koll nach Stutt­gart geschickt.“ Am Diens­tag wer­den Ver­tre­ter des Lan­des­ju­gend­am­tes kom­men, um mit den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Kir­chen­ge­mein­de zu spre­chen. „Danach wird es eine Ent­schei­dung geben.“

„Unsägliche Unwahrheiten“

Für Albrecht ist erschre­ckend, dass die blo­ße Anschul­di­gung für die Betrof­fe­nen das beruf­li­che Aus bedeu­ten kann, denn was tat­säch­lich vor­ge­fal­len ist, wird kaum geklärt wer­den kön­nen. Ihm gehe es dar­um, zur Sach­lich­keit zurück­zu­kom­men und den Kin­dern und ihren Eltern Sicher­heit zu geben. Das Pro­blem: „Über Whats­app-Grup­pen wer­den unsäg­li­che Unwahr­hei­ten ver­brei­tet.“ Er ver­su­che, den Scha­den zu begren­zen und Men­schen zu schüt­zen. Aber es sei ruf­schä­di­gend, was man­che Eltern ver­brei­te­ten. „Sehr depri­mie­rend für mich.“

Zur gegen­wär­ti­gen Per­so­nal­si­tua­ti­on sagt Albrecht: „Der­zeit sind fünf Fach­kräf­te, eine PIA und eine FSJ bei uns im Ein­satz.“ Bei einem wei­te­ren Eltern­abend am 26. Febru­ar in Hei­li­gen­bronn hofft Albrecht den Eltern mit­tei­len zu kön­nen, wie es im St. Gal­lus Kin­der­gar­ten nach dem 31. März wei­ter geht.

Hin­weis: Ent­ge­gen unse­rer übli­chen Pra­xis, bei­de Sei­ten zu Wort kom­men zu las­sen, kommt in die­sem Arti­kel nur Pfar­rer Albrecht vor. Dies hat einen ein­fa­chen Grund: Uns fehlt bis­her der Kon­takt zu den betrof­fe­nen Eltern. Bit­te mel­den Sie sich unter schramberg@nrwz.de  und wir wer­den auch die­se Sei­te zu Wort kom­men las­sen.

Nach­trag: Am Sonn­tag fand ein Gespräch mit fünf Eltern statt, wir berich­ten auf der Schram­berg-Sei­te über das Gespräch.