Ohne Zeugnis-Noten und Bewerbungsmappe auf Lehrstellensuche

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Schramberg.  Statt der früheren Ausbildungsmesse JAMS hat die Stadt Schramberg während der Corona-Zeit ein „Azubi-Speed-Dating“ angeboten. Da sich das Format bewährt hat, gab es nun die dritte Auflage in der Turn- und Festhalle Sulgen. Es dauert noch bis 14.30 Uhr.

40 Firmen und Institutionen – vom Hotel Bareis in Baiersbronn bis zur Bundespolizei, von MS Schramberg bis Albrecht Werbetechnik – waren mit einfachen Ständen vertreten. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr begrüßte um 8.30 Uhr die Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler hätten sich angemeldet und 551 Gespräche schon gebucht.

Angesichts des schon am Morgen kletternden Thermometers fürchtete sie „es wird heiß in der Halle“. Sie lud aber alle ein, sich bei den Getränken zu bedienen. Neben den 40 Ständen in der Halle seien auch di Industrie- und Handelskammer, die Agentur für Arbeit und die Handwerkskammer mit Beratungsangeboten vertreten. Das Speed-Dating sei wieder eine Gemeinschaftsaktion der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt und des Handels- und Gewerbevereins (HGV), organisiert werde das Ganze von der Dialogmanufaktur aus Rottenburg.

Im Gespräch. Foto: him

Ohne Noten und Bewerbungsmappen kennenlernen

Matthias Nowotny von der Dialogmanufaktur erläuterte den Ablauf: Alle Schülerinnen und Schüler haben fixe Termine vereinbart und sich dazu verbindlich angemeldet. Jedes Gespräch daure zehn Minuten, danach gibt es fünf Minuten Pause und die nächste Runde startet. Die Schülerinnen und Schüler können sich zu weiteren Gesprächen melden, wenn sie den Eindruck haben, noch mehr erfahren zu wollen.

Nowotny bat die Firmenvertreter, auch den Jugendlichen ein freundliches, aber auch ehrliches Feedback am Ende des Gesprächs zu geben, „um die Schüler aufs richtige Gleis zu schieben“. Er wies auch darauf hin, dass man beachten möge, dass die jungen Leute zwei Jahre Corona-Pandemie mit all ihren Folgen hinter sich haben. „Für viele ist es der erste Kontakt mit Firmenvertretern.“ Wichtig sei am Ende des Tages, dass die jungen Leute sagen können: „Jo hat sich gelohnt.“

Bei der Eröffnung (von Links): mauela Klausmann (HGV), Sarah Langenbacher (Wifö), OB Dorothee Eisenlohr, Matthias Nowotny und Ralf Heinzelmann (Wifö), Foto: him

Land unterstützt

Sarah Langenbacher von der Wirtschaftsförderung der Stadt hatte gemeinsam mit Manuela Klausmann vom HGV das Speeddating vorbereitet. Sie berichtete, dass das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus die Veranstaltung mit knapp18.000 Euro aus einem Sonderprogramm Fachkräfteförderung unterstütze.

Punkt 9 ertönt der Gong und die Jugendlichen strömen zu ihren Gesprächen. „Noten und Bewerbungsmappen spielen da keine Rolle“, betont Nowotny. „Es geht darum den Menschen kennen zu lernen. Wie werde ich als Mensch wahrgenommen?“ Hat jemand Teamerfahrung, etwa beim Fußballspielen oder bei der Jugendfeuerwehr? Die Dialogmanufaktur coache vorab auch die Jugendlichen in den Klassen.

Auch das Landratsamt sucht Azubis. Foto: him

Corona hat Spuren hinterlassen

Ebenfalls Unterrichtsbesuche machen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit. Natürlich gebe es derzeit viel mehr ausbildungsplätze als Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, so Karin Blust von der Agentur für Arbeit. Aber es passen halt nicht alle für alles“, so Blust. „Viele tragen eine Rucksack mit sich rum.“

Dazu gehören die Lernerfahrungen während der Pandemie, hat Jan Buschmann beobachtet. „Oft lernen sie etwas – und haken das dann ab.“ Das Reflektieren über das Gelernte fehle manchmal, hat er beobachtet. Ein weiteres Problem seien „die fehlenden Möglichkeiten, ein Praktikum zu machen“ gewesen.

Marian Oehler hat es gefallen. Foto: him

„Mach weiter so“

Die ersten zehn Minuten sind vorbei, Marian Oehler trifft Klassenkameradinnen.  „Das Gespräch lief gut“, erzählt er und holt auch gleich eine Getränkeflasche aus einer Tragtasche. Ihm habe die Ausstattung der Lehrwerkstatt gut gefallen. Der Firmenvertreter habe ihn am Ende gelobt: „Mach weiter so!“  Ob er aber wirklich in der Firma anfängt? „Mal sehen!“

 

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.