Schramberger Kläranlage: Ausschuss gibt grünes Licht

Großprojekt der Stadt und der Stadtwerke für die kommenden Jahre

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Die Stadt muss in den kommenden Jahren die Gemeinschaftskläranlage im Schiltachtal deutlich erweitern. Zum einen, weil etliche neue Wohngebiete in Sulgen hinzugekommen sind und ein großes neues Industriegebiet „Schießacker“ in der Planung ist. Zum anderen möchte die Stadt das Tennenbronner Klärwerk stilllegen und die Abwässer von dort in der Gemeinschaftskläranlage reinigen. Weil das Gesamtsanierungskonzept aufwändig und teuer wird, hat die Stadt den Planungsauftrag europaweit ausschreiben müssen. Über das Ergebnis hat der Ausschuss für Umwelt und Technik jetzt beraten.

Schramberg. Den Auftrag hat schließlich das Büro SAG Ingenieure mit Sitz in Ulm und einer Zweigstelle in Schramberg erhalten. Sie übernehmen Los 1, also die Generalplanung des Umbaus und der Erweiterung der Schramberger Kläranlage für gut eine Million Euro und das Los 2 für die Planung des Rückbaus der Tennenbronner Kläranlage für weitere knapp 320.000 Euro.

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…und stattdessen die Gemeinschaftskläranlage im Schiltachtal erweitern. Archiv-Foto: him

Aufwändiges Auswahlverfahren

Zunächst hatte Martin Haag von einer Beratungsfirma über das aufwändige Vergabeverfahren berichtet. Am Ende des zweistufigen Verfahrens habe es nur zwei Bewerber gegeben. Nach einem Punkteverfahren, an dem sechs Fachleute der Stadtwerke und der Stadtverwaltung beteiligt waren, sei SAG als eindeutiger Sieger hervorgegangen. Bewertet habe die Jury die Qualität der Herangehensweise, die Präsentation, die Qualifikation der Verantwortlichen und die Höhe des geforderten Honorars.

„Obwohl SAG ein höheres Honorar verlangt, war die Qualität ihres Angebots deutlich besser als das des zweiten Bieters“, so Haag. Dass es nur zwei Bieter gab, liege daran, dass der Markt für solche Spezialbüros „sehr begrenzt“ sei, so Konrad Ginter. Als Abteilungsleiter Tiefbau ist er auch für die Kläranlage verantwortlich.

Er begründete auf Nachfrage von Jürgen Kaupp nochmals die Vorgehensweise. Mit der Verabschiedung der Wirtschaftspläne seien auch die Entscheidungen für die Erweiterung der Kläranlage im Tal beziehungsweise den Rückbau in Tennenbronn gefasst worden. Eine Sanierung der Tennenbronner Anlage wäre deutlich teurer als der Anschluss an die Schramberger Anlage – zumal es für Tennenbronn keine Zuschüsse gegeben hätte.

Millioneninvestitionen nötig

Laut Vorlage geht Ginter von Gesamtkosten für die Erweiterung Kläranlage Schramberg von etwa sechs Millionen Euro aus. Der Rück- und Umbau der Kläranlage Tennenbronn zu einem Regenrückhaltebecken soll etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Hinzu kommt der Bau des Kanals durchs Bernecktal bis Ortsanfang Schramberg für etwa vier Millionen Euro.

Um für die nächsten 30 Jahre gewappnet zu sein, soll die Schramberger Kläranlage von einer Kapazität von derzeit 258 Liter Abwasser pro Sekunde auf 378 Liter pro Sekunde erweitert werden. Dazu benötige man ein zusätzliches Belebungsbecken und andere Einrichtungen, so Ginter. Eine Simulation der Uni Magdeburg soll dazu genauere Informationen ergeben.

Der Zuschuss betrage etwa 60 Prozent, so Ginter. Was genau in welcher Höhe bezuschusst werde, sei kompliziert zu berechnen. Dank der Lachszuchtanlage bei Wolfach hätten sich die Anforderungen an die Abwasserqualität nochmals erhöht, berichtete Ginter. „Wir dürfen weniger Nitrat einleiten.“

Erfahrenes Planungsbüro

Jochen Molitor stellte das Büro SAG vor, das sich seit 1911 ausschließlich mit Kläranlagen beschäftige. Heute arbeiten etwa 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in verschiedenen Niederlassungen bundesweit.

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Jochen Molitor leitet die Schramberger SAG-Niederlassung. Foto: him

In der Aussprache fragte Emil Rode (Freie Liste) ob angesichts der Grenzwerte eine Anlage wie in Waldmössingen nicht sinnvoller wäre. Dafür seien die Abwassermengen im Tal viel zu groß, entgegnete Ginter. „Wir können die geforderten Werte auch mit der herkömmlichen Technik erreichen.“

Radweg nicht aufgeben

Mirko Witkowski (SPD-Buntspecht) erinnerte an die Radwegidee. Mit dem Kanalbau könnte sich ein Radweg durchs Bernecktal verwirklichen lassen. Trotz der Ablehnung durch das Land möge man den Plan nochmals „ernsthaft prüfen“. Das Land hatte eine Förderung für das Projekt abgelehnt, weil der Radweg nicht im RadnetzBW enthalten ist.

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr betonte, die Verwaltung habe „das Thema nie aufgegeben“. Sie werbe immer wieder im Gespräch mit Landtagsabgeordneten dafür.

Umsetzung ab 2025

Als nächstes wird die Stadt Schramberg bis zum Oktober einen Förderantrag für den Anschluss des Tennenbronner Abwassers an die Schramberger Gemeinschaftskläranlage stellen. Die Erweiterung der Kläranlage soll ab 2026 beginnen. Der Kanal-Bau im Bernecktal ist für 2025 und 2026 angedacht.

Ab 2027 würde dann die Kläranlage in Tennenbronn rückgebaut. Alles unter der Voraussetzung, dass es die Förderzusage im kommenden Frühjahr gibt.

Alle zehn Ausschussmitglieder haben dem Gemeinderat empfohlen, die Planungsaufträge wie vorgeschlagen zu vergeben.

Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.