Das Gerichtsgebäude in Rottweil. Foto: nrwz

Schram­berg-Ten­nen­bronn / Hardt. Die Nach­richt hat­te sei­ner­zeit wie ein Lauf­feu­er die Run­de gemacht: Eine 56-jäh­ri­ge Frau hat am 27. Janu­ar die­ses Jah­res in Hardt ihre Toch­ter ersto­chen und anschlie­ßend ihren Sohn in Ten­nen­bronn schwer ver­letzt. Wegen Mor­des und ver­such­ten Mor­des in Tat­ein­heit mit gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung stand sie seit dem 25. Juli vor der Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Rott­weil. Jetzt steht fest, dass sie in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus unter­ge­bracht wird.

Die zur Tat­zeit 56-jäh­ri­ge Frau, die laut einer Mit­tei­lung des Gerichts an einer psy­chi­schen Erkran­kung lei­det, war nach den Taten zunächst in Unter­su­chungs­haft und ist seit­her wegen ihrer psy­chi­schen Erkran­kung vor­läu­fig unter­ge­bracht.

Die Staats­an­walt­schaft geht auf­grund eines ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens davon aus, dass die Beschul­dig­te zu den Tat­zei­ten schuld­un­fä­hig, war und des­halb kein Straf­aus­spruch erfol­gen kann. Sie hat des­halb eine Antrags­schrift im Siche­rungs­ver­fah­ren ein­ge­reicht und erstreb­te die Unter­brin­gung der Beschul­dig­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus.

Die Antrags­schrift geht davon aus, dass die Beschul­dig­te am 27. Janu­ar auf­grund eines „hand­lungs­lei­ten­den Wah­nes“ zunächst am Nach­mit­tag ihre Toch­ter in deren Woh­nung in Hardt mit einem Mes­ser ersto­chen hat und dann ver­sucht hat, ihren Sohn in des­sen Woh­nung in Schram­berg-Ten­nen­bronn eben­falls mit einem Mes­ser zu erste­chen. Der Sohn wur­de hier­bei schwer ver­letzt.

Ver­han­delt wur­de an fünf Tagen, wobei drei Sach­ver­stän­di­ge und sie­ben Zeu­gen ange­hört wur­den. Auch ein Neben­klä­ger war an dem Ver­fah­ren betei­ligt. Am Don­ners­tag hat aas Land­ge­richt Rott­weil das Urteil ver­kün­det und die Unter­brin­gung der Beschul­dig­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus ange­ord­net.

Die Kam­mer ist davon aus­ge­gan­gen, dass die schuld­un­fä­hi­ge Beschul­dig­te ihre Toch­ter heim­tü­ckisch getö­tet und an ihrem Sohn eine gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung began­gen hat. Hin­sicht­lich des – neben der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung – eben­falls in Betracht kom­men­den heim­tü­cki­schen Tötungs­ver­su­ches an ihrem Sohn ist die Kam­mer davon aus­ge­gan­gen, dass inso­weit ein „straf­be­frei­en­der Rück­tritt“ vor­liegt, weil die Beschul­dig­te nach dem ers­ten Stich mit dem Ste­chen auf­ge­hört hat, obwohl es ihr nach dem ers­ten Stich mög­lich gewe­sen wäre, mit wei­te­ren Sti­chen auf ihren Sohn ein­zu­ste­chen, wie es in der vom Vor­sit­zen­den Rich­ter Gei­ger unter­zeich­ne­ten Mit­tei­lung heißt.