Tafelladen wird 25

Soziales Projekt hat sich bewährt / Elisabeth Spöttle von Anfang an vorne dabei

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Auf den Tag genau, am 22. Januar vor 25 Jahren hat die Schramberger Tafel erstmals in ihren Räumen an der Geißhaldenstraße die Türe geöffnet. Seither verkaufen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer günstige Lebensmittel an Bedürftige. Gleichzeitig sehe sich die Tafel als „Lebensmittelretter“, wie Hermann Körner bei einem Pressegespräch im Tafelladen erläutert hat.

Schramberg. Elisabeth Spöttle, von Anfang an dabei und auch seit Anfang an Vorsitzende des Lenkungskreises, erzählt gemeinsam mit Körner, wie es zum Tafelladen kam: Um 1997 seien beide Kirchen stark sozial engagiert gewesen und wollten für Obdachlose Angebote machen. Die katholische Kirche mit einem Obdachlosenfrühstück, die evangelische Kirche mit einer Vesperkirche.

„Beide Angebote haben sich nicht gelohnt“, erinnert sich Körner. Die Nachfrage sei gering gewesen. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hätten nach einer Alternative gesucht.

„Sie haben doch nichts mehr zu tun…“

Bei einem zufälligen Treffen am Schützenplatz mit dem damaligen Pfarrer Martin Fahrner habe dieser ihn angesprochen, ob er nicht etwas Neues auf den Weg bringen möchte. „Sie haben doch jetzt nichts mehr zu tun…“ Körner war kurz zuvor nach vielen Jahren als Hauptamtsleiter in Rente gegangen.

Man habe damals von der Tafelidee erfahren und sei nach Rottenburg zur ersten Tafel im Ländle gefahren, „Da ist der Funke übergesprungen“ berichtet Elisabeth Spöttle, „das machen wir auch.“

Rottenburg als Vorbild

Anders als in Rottenburg wollte man den Tafelladen aber nicht mitten in der Stadt einrichten, sondern etwas abgelegen. „Wir wollen die Armen nicht ausstellen“, begründet Körner. Er fand den Vorschlag gut, die Kräfte der beiden Kirchengemeinden zu bündeln – und als dritte Organisation die Arbeiterwohlfahrt mit zu nehmen.

Als Träger wählte man die Caritas vor Ort, die katholische Kirchengemeinde übernahm die Verwaltung. Als Gebäude bot die Stadt Räume in der Geißhaldenstraße 13 an. Dort hatte die Stadt ein Lager für alte Geräte, später zogen noch das DRK mit seiner Fundgrube und das ElKiCo ein.

Etwa 30 Leute fanden sich zum Start. „Wir sind herumgefahren und haben in Geschäften gefragt, ob sie uns unterstützen“, erinnert sich Spöttle. „Alle waren bereit, übrige Waren abzugeben.“

Wenig Bürokratie

Parallel suchte die Gruppe ehrenamtliche Helfer für den Leitungskreis, Fahrer, für die Vorbereitung und den Verkauf der Waren im Laden. Dabei habe der damalige Oberbürgermeister Herbert O. Zinell sehr geholfen, so Körner.

Um möglichst wenig Bürokratie zu haben, habe man keinen Verein gegründet. Auch die Ausgabe der Berechtigungskarten überließ die Tafel der Stadtverwaltung und den Gemeindeverwaltungen von Hardt, Aichhalden, Lauterbach, Schiltach, Schenkenzell, und Dunningen. Denn auch aus diesen Dörfern konnten und können Bedürftige bei der Tafel einkaufen.

Ehrenamtliche gesucht

Das Einsammeln von Lebensmitteln klappe nach wie vor gut, sagt Spöttle. Neben den Discountern machten auch Bäckereien mit. Vor der Pandemie habe die Tafel etwa 80 Helferinnen und Helfer gehabt, heute seien es noch 55 und man freue sich über weitere. Alle könnten ihr Zeitbudget selbst einteilen.

Die Tafel verkaufe gute, jedoch meist kurz vor dem Verfallsdatum stehende oder überschüssige Lebensmittel, erläutert Spöttle. Diese kosteten etwa zehn bis 15 Prozent des ursprünglichen Preises. Damit finanziere die Tafel die Kosten für das Lieferauto, die Abfallentsorgung und so weiter. „Mit den Einnahmen aus dem Verkauf trägt sich die Tafel selbst“, betont Spöttle.

Die Waren im Tafelladen kosten etwa zehn bis 15 Prozent des normalen Ladenpreises. Foto: him

Körner weist darauf hin, dass die Tafeln neben dem sozialen Aspekt auch die Ökologie in Betracht zögen, nämlich dass möglichst wenig Lebensmittel weggeworfen werden. „Wir sind also auch Lebensmittelretter.“

Zwei Gruppen

Vor 25 Jahren gab es im Land 30 Tafeln, die Schramberger Tafel war damals die erste im Kreis. Heute zählt man in Baden- Württemberg 147 Tafelläden. Derzeit kauften etwa 140 Personen regelmäßig in der Tafel ein, etwa die Hälfte seien Geflüchtete aus der Ukraine.

Weil es bei 140 Personen zu viele für einen Einkaufs-Freitagnachmittag seien, habe man sie aufgeteilt in eine rote Gruppe und eine blaue Gruppe. Diese können dann alle 14 Tage das Angebot nutzen. Einige frühere Kunden kämen nicht mehr wegen der langen Wartezeiten, bedauert Spöttle.

Auszug der Fundgrube bietet Erweiterungschance

Mit dem Auszug der Fundgrube nebenan werden Räume frei, die die Tafel gut gebrauchen könnte: „Wir müssten nur einen Durchbruch an einer Wand machen und hätten die Möglichkeit, eine zweite Verkaufstheke einzurichten“, plant Spöttle schon mal. So ließen sich die Wartezeiten verkürzen.

Hier wird die DRK-Fundgrube ab 30. Januar Second-Hand-Kleidung und Haushaltswaren verkaufen. Foto: him

Auch ein bisheriges Außenlager in der Sängerstraße könnte man direkt in den Tafelladen integrieren. Ebenfalls möglich wäre ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie werde demnächst im Rathaus fragen, ob das möglich wäre. Die DRK-Fundgrube ist seit einigen Tagen geschlossen und möchte Ende Januar in neuen Räumen an der Steige 7 wieder öffnen.

Die ersten Waren sind schon eingeräumt. Foto: him

Info: Ein Fest zum 25-jährigen Bestehen der Tafel soll es im Sommer geben.

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