Villa Junghans: „Die Fenster sind nicht schlecht“

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Neue Erkenntnisse brachte der dritte und wohl auch vorerst letzte Stammtisch zur Villa Junghans. Die zwei wichtigsten: die Fenster sind gut, und Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann verhandelt mit an einer Pacht Interessierten. Aber der Reihe nach.

Einen „Kriegsschauplatz“ habe man ja leider verloren, damit meinte Jochen Buhr die Ankündigung der Familie Weisser ihren Pachtvertrag zum Jahresende zu kündigen. Man wolle überlegen, was nun mit der Villa passieren werde. Trotz verschiedener Dementis kam Buhr auf „Gerüchte“ zu sprechen und meinte, es wäre „ein Unding, wenn in der Villa etwas anderes passieren würde als das, was es jetzt war.“ Zu Deutsch: eine gastronomische Nutzung.

Auf Buhrs Einladung hin waren gut 20 Gäste gekommen, um sich über die Zukunft der Villa auszutauschen. Unter ihnen auch Jung-Stadtrat Hilmar Bühler („Aktive Bürger Schrambergs“), Renate Junghans und Thomas Poller, beide nachkommen der Familie Junghans. Ebenfalls gekommen war Tobias Venedey vom Landesdenkmalamt, Außenstelle Freiburg.

Landesdenkmalamt berät

Venedey sprach dann über die Aufgaben des Landesdenkmalamts, das beratend tätig sei, nicht als Aufsichtsbehörde. Die Villa Junghans sei als Denkmal von besonderer Bedeutung eingestuft. Weniger als zehn Prozent erhielten diese Bewertung.

Das baden-württembergische Denkmalschutzgesetz mache zur Nutzung von Denkmälern keine Vorgaben. Sie müssten auch nicht öffentlich zugänglich sein. Wenn sie gefördert würden, sei das aber wünschenswert.

In der Villa Junghans seien schon in den Nullerjahren umfangreiche Arbeiten zu Denkmalschutz vorgenommen worden. Venedey beschrieb die umfangreichen Vorarbeiten, die man bei einer Denkmalsanierung zu leisten habe: „Ich rate dringend zuerst eine Grundlagenuntersuchung und Bauaufnahme zum Gebäude zu machen.“

Tobias Venedey. Foto: him

Spätere Nutzung klären

Wichtig sei auch vor der Sanierung die spätere Nutzung zu klären. Danach entscheide sich, welche technischen Einrichtungen man einbaut. „Je konkreter die zukünftige Nutzung bekannt ist, desto einfacher wird es.“

Bei der Förderung verwies Venedey auf die begrenzten Mittel des Landesdenkmalamts. Auch werde je nach Gewerk unterschiedlich gefördert. Von der Antragstellung bis zur Bewilligung dauere es etwa sieben Monate. Es sei möglich, häppchenweise zu sanieren. Es sei „ein recht geringer Anteil“ an den Gesamtkosten, den man über den Zuschuss decken könne.
Neben dem Landesdenkmalamt gäbe es aber auch verschiedene Stiftungen, die man „anzapfen“ könne.

Die Fenster gehören zur Villa

In den vergangene Wochen war das Hauptthema die angeblich maroden Fenster der Villa. Dazu sagte Denkmalschützer Venedey: „Die Fenster sind gar nicht schlecht.“ Auch seien sie „elementarer Bestandteil“ des Denkmals und dürften gar nicht ausgetauscht werden. Die Holzqualität der Kasten-Fenster sei hervorragend. „Wenn Sie neue Holzfenster einbauen, würden die schneller verrotten als diese.“

Wenn man die Wärmedämmung erhöhen wolle könne man allenfalls eine Glasscheibe durch ein modernes Isolierglas ersetzen. Auch könnte man die Rahmen gegen Zug abdichten. „Grundsätzlich sind Kastenfenster nicht schlecht“, betonte Venedey. Man bekomme eher Probleme, wenn die Fenster zu dicht seien. „Dann bildet sich Kondenswasser und es schimmelt.“

Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann berichtete, er habe bereits Kontakt mit der Rottweiler Holzmanufaktur aufgenommen. Auch deren Fachleute meinen, dass man dem Gebäude unter Umständen „ einen Bärendienst erweist, wenn man zu gut isoliert“.

Bestandschutz und Barrierefreiheit

Ein weiteres Thema war die Frage des Bestandsschutzes. Was passiere, wenn die Konzession zurück gegeben wird? Er sei „in Gesprächen mit möglichen Interessenten“, versicherte Heinzelmann. Er sei „hoffnungsvon und versprach „Wir bleiben am Ball.“

Das Thema Bestandsschutz betreffe im Wesentlichen die Barrierefreiheit. Das sei ja ein „Schreckgespenst“ gewesen, so Heinzelmann. Dabei sei ein Aufzug „nicht unbedingt Pflicht“. Das bestätigte Denkmalfachmann Venedey. Ein Aufzug an der Villa sei problematisch, weil man Löcher ins Gebäude machen müsste.

Barrierearmut reiche bei denkmalgeschützten Gebäuden. So müsse ein Aufzug vielleicht nicht in alle Etagen reichen. Oder man könne an der Treppe eine Hubplattform installieren, die nur bei Bedarf genutzt wird.

Man sei mit der Gaststättenbehörde im Gespräch, was sein muss und was warten kann, berichtete Heinzelmann. Um die Konzession zu erhalten, genüge es auch, einmal pro Jahr für einen Tag das Haus zu öffnen.

Die Villa Junghans. Foto: him

Vorher genau überlegen

Heinzelmann berichtete von einem Fehler der Vergangenheit. Im Treppenhaus der Villa sind bleiverglast Fenster. Vor Jahren habe man außen Glasscheiben davor angebracht, wohl um die Bleiverglasung zu schützen. Das Gegenteil sei eingetreten: Im Sommer staue sich die Hitze und nun seien die Bleiverglasungen wellig und müssten mit großem Aufwand saniert werden.

Das Beispiel zeige, wie wichtig es ist, sich vor einer Sanierung gründlich zu überlegen, was man machen wolle.

In einem kurzen Vortrag erzählte Thomas Poller über seine Forschungen zur Geschichte von Gut Berneck und der Villa Junghans. Die NRWZ wird darüber noch gesondert berichten.

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