Was kommt auf die Wiese?

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Schramberg. Ein früheres Friseurgeschäft, mehrere andere Gebäude und die Apotheke Lemke sind verschwunden. Die Stadt hatte die seit Jahren leerstehenden und nicht mehr bewohnbaren Gebäude im Frühjahr abbrechen lassen. Jetzt wächst dort eine Wiese. Wie diese gestaltet – und wer dazu gefragt werden soll, das war im Ausschuss für Umwelt und Technik am Donnerstagabend recht umstritten.

Stadtplaner Joschka Joos berichtete, die Stadt wolle die etwa 800 Quadratmeter große Fläche „temporär nutzen“. Für eine gewisse Zeit, weil bekanntlich eines Tages der Tunnel im „Zwei-Richtungsverkehr“ befahren und der Zentrale Busbahnhof näher an die Innenstadt hin verlegt werden soll.

Platz für alle

Die frei gewordene Fläche soll als öffentlicher Platz für diejenigen genutzt werden, die auf ihren Bus warten, aber auch für die Menschen aus den umliegenden Wohnbereichen, so Joos. Weil der Platz ja nur auf Zeit angelegt werden soll, möchte die Stadt das Ganze möglichst kostengünstig machen. Maximal 20.000 Euro sollen ausgegeben werden.

Bei einem kleinen Beteiligungsworkshop mit Kindern, Jugendlichen und Familien aus dem Umfeld am 29. September soll die Gestaltung besprochen werden. „Wir wollen nicht zu viele Hoffnungen wecken“, schränkte Joos ein. Man werde im Workshop Beispiele zeigen, was mit den 20.000 Euro machbar wäre. Den Workshop werden Mitarbeiter des Gemeindenetzwerks Bürgerschaftliches Engagement kostenlos für die Stadt organisieren.

Selber machen

Widerspruch kam von CDU-Stadtrat Jürgen Kaupp. Wenn man Bürgerbeteiligung mache, müsse man auch etwas anbieten können. „Mit 20.000 Euro kommt man nicht weit.“ Das gebe vielleicht drei Bäume und drei Bänke. Das könne die Verwaltung ohne Bürgerbeteiligung einfach machen.

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr verteidigte das Vorgehen. Immer wieder lese sie in den sozialen Medien und höre in Gesprächen, in Schramberg werde doch nur alles abgerissen. Dass damit „wichtige städtebauliche Entwicklungen“ verbunden seien, gehe dabei oft unter. Mit der Beteiligung wolle sie zeigen, „die Bürger sind uns wichtig“. Deshalb mache man auch „nicht einfach einen Schotterparkplatz oder Hundeklo“, sondern sorge für mehr Lebensqualität.

Viel geht nicht

Der Workshop bedeute „keinen Riesenaufwand“, versicherte Eisenlohr. Er werde etwa drei Stunden dauern und im Rahmen der Interkulturellen Woche stattfinden. Jürgen Reuter („Aktive Bürger“) mutmaßte, mit Bürgerbeteiligung werde es auf jeden Fall teurer. Der Abteilungsleiter Tiefbau Konrad Ginter bestätigte, mit den 20.000 Euro seien vielleicht zwei bis drei Bänke und ähnlich viele Bäume drin. „Viel geht nicht.“

Mirko Witkowski (SPD-Buntspecht) fand den Zeithorizont fünf bis zehn Jahre bis zur Umsetzung des Verkehrskonzepts „sehr optimistisch. Das wird ein paar Jahre mehr halten.“ Wenn man die Ausgaben deckle und den Menschen sage, was die Dinge kosteten, dann sei die Erwartungshaltung nicht so hoch. Joos meinte, das Ziel sei schon, die Zwei-Richtungsidee in den nächsten fünf bis zehn Jahren umzusetzen.

Lara Kiolbassa (SPD-Buntspecht) sah in dem Workshop einen Lerneffekt für Kinder und Jugendlich, wenn sie erfahren, was Bäume und Bänke kosten. Man müsse aber vermeiden, dass die Bürger nur dann gefragt werden, wenn es um ein temporäres Vorhaben für wenig Geld gehe, bei den großen Sachen aber nicht gefragt werden. „Dann werden sich die Leute veräppelt vorkommen.“

OB Eisenlohr erinnerte an mehrere größere Vorhaben wie das Weiherwasengelände, für die Bürgerbeteiligung geplant sei. „Für mich ist das eine Haltungsfrage.“ Auch bei Spielplatzgestaltungen sollen künftig Kinder und Jugendliche beteiligt werden, kündigte sie an. Mit acht zu zwei Stimmen befürwortete der Ausschuss den Vorschlag mit der Öffentlichkeitsbeteiligung.

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