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Mahle: Zum Standort Rottweil einsilbig wie immer

Sinkende Zahlen, große Worte – und kaum konkrete Antworten: Beim Autozulieferer Mahle zeigt sich der Wandel der Branche auch am Standort Rottweil. Während der Konzern von Transformation spricht, bleiben Fragen zur Zukunft des Werks offen.

Mahle in Rottweil. Foto: Peter Arnegger
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Lesezeit 4 Min.

„Mahle verbessert operatives Ergebnis“ wuchtet die Pressemitteilung der Konzernzentrale. Im Text: ein wackerer Betrieb im Wandel. „Positives Konzernergebnis trotz herausfordernder Rahmenbedingungen und erheblicher Restrukturierungsaufwendungen“, „Synergien durch neue Konzernstruktur werden greifbar; regionale Stärkung beschleunigt Prozesse“. Respekt, wo doch Umsatz und Gewinne deutlich sanken. Und in Rottweil?

Für den Konzern nur einer von 127 Standorten weltweit, ist Mahle am Ort immerhin größter Arbeitgeber. Je nach Mahle-Website ist immer noch von 830-900 Menschen die Rede, offiziell arbeiteten 2025 laut Pressestelle 756 Personen im größten europäischen Werk für die Kolbenproduktion.

2024 waren es noch 789, und schon Anfang November 2025 meldete die NRWZ den neuerlich bevorstehenden Abbau weiterer Stellen auch in Deutschland.

„Kompetenzzentrum der Kolbenproduktion“ klingt schmuck, Stahl- und Aluminiumkolben für Nutzfahrzeuge sowie Aluminiumschmiedekolben für Sport- und Freizeitmarktfahrzeuge waren auch über Jahrzehnte (das Werk gibt es seit 1943) gefragt.

Nur dürfte der Umbruch und Umbau der Automobilindustrie im Ländle für viele Standorte nicht ganz folgenlos bleiben. Neben viel Sonnenschein, Aufbruchsstimmung und Innovationsbeteuerungen muss selbst die Konzern-Pressemitteilung zugeben:

„Angesichts rückläufiger oder stagnierender Märkte passt Mahle sein internationales Produktionsnetzwerk kontinuierlich an. Im letzten Jahr wurden, insbesondere in Europa und Nordamerika, Standorte geschlossen oder verkauft, Schließungsprozesse gestartet sowie Arbeitsplätze in der Produktion an mehreren Standorten deutlich reduziert. Zum Jahresende 2025 beschäftigte Mahle weltweit 64.242 Mitarbeitende und damit 3.466 Personen bzw. 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr.“

Nur ist das nicht die erste Schrumpfkur: Sieben Jahre vorher umfasste die Belegschaft noch rund 80.000 Menschen – fast jeder fünfte Mitarbeitende musste zwischenzeitlich gehen. Ein Trend, der offenbar nicht endet, wie der Pressetext vermuten lässt. „Aktuell reduziert Mahle die indirekten Kosten in Verwaltung und Entwicklung, insbesondere in Europa und Nordamerika, und setzt den Transformationsdialog in deutschen Werken fort.“ Auch so ein schmuckes Wort, Transformationsdialog. Klingt deutlich netter als Abbau, Rückgang, Schließung…

Stehen also bei Mahle in Rottweil für die kommenden Jahre spürbare Veränderungen an? Ist an eine Schließung des Werks gedacht? Werden zukunftsweisende Projekte aus dem non-automotive-Bereich nach Rottweil verlagert oder hier aufgebaut? Im gerade erschienenen Nachhaltigkeitsbericht werden neben den nicht so schmucken Zahlen der Konzernbilanz auch „ausgewählte Innovationen“ und „innovative Technologien zur Förderung des Klimaschutzes in der Mobilität“ vorgestellt. Von Rottweil ist da nirgends die Rede. Klopfen wir also bei der Pressestelle an, Fragen siehe oben.

Derlei konkrete Nachfragen indes beantwortet ebendiese gewohnt einsilbig. Schnelle Rückmeldung liefert noch keine Inhalte, dafür das nette Bonmot „Wir prüfen laufend unsere Ausrichtung in einem andauernd herausfordernden Umfeld“. Im anschließenden Telefonat muss die Pressesprecherin ob ihres Satzes zwar fast selbst lachen, verweist ansonsten aber lediglich auf laufende Gespräche.

Bis wann diese abgeschlossen seien? Da müsse sie erst rückfragen und werde sich umgehend melden, verspricht Kerstin Cynthia Lau, Head of Media Relations in Stuttgart. Das war am 15. April. Auf ihre Antwort warten wir bis heute. Gut, dass es auch andere Quellen gibt – voraussichtlich Ende Mai soll das Sparprogramm stehen. Die NRWZ wird berichten.

Der langjährige Werkleiter Reiner Müller muss den weiteren Niedergang von Mahle zumindest nicht mehr hautnah erleben: Nach 45 Jahren ist er kürzlich in Altersteilzeit gegangen.

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