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„Ein neues Wahrzeichen für unsere Stadt“

Einweihung der Hängebrücke „Neckarline“ bei herrlichem Wetter

Der große Moment: Das rote Band wird durchschnitten. Auf unserem Bild vorn der Nachwuchs der Familie Eberhardt, hinten Roland Haag, OB Christian Ruf, Günter Eberhardt, Heinrich Del Core, Henri Rauner und Bürgermeisterin Ines Gaehn. Fotos: wede
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Die erste „Prozession“ über die Rottweiler Fußgänger-Hängebrücke ist gelaufen: Heute Mittag kamen die ersten paar hundert Menschen am Bockshof an. Sie waren Gäste bei der formellen, wenn auch nicht öffentlichen Einweihung des Bauwerks.

Rottweil – Zurück bis in seine Kindheit führte Bauherr Günter Eberhardt die Zuhörer im gut gefüllten Festzelt. Denn Eberhards Faible für Brückenbau begann ganz in der Nähe von Rottweil, wie er in seinem echt Oberländer Schwäbisch berichtete. Urlaub im Ausland sei vor 50 Jahren für den Buben noch nicht drin gewesen. Aber nach den Ferien-Wochen bei Onkel und Oma habe es einen Abenteuer-Urlaub gegeben, an der Baustelle der Autobahn-Brücke bei Villingendorf. Das „Urlaubs-Highlight“, wie er berichtete. Hier war sein Vater beschäftigt. Und für den kleinen Günter begann hier die Leidenschaft für Brücken, fürs Bauen, aber auch für die Natur.

Nach der Gründung seine Firma Eberhardt Bewehrungsbau 1993 habe ihn sein Weg immer wieder in die alte Reichsstadt geführt. So beim Bau des Möbelhauses Schick. In Berlin war er am Bau des Sony-Centers am Potsdamer Platz beteiligt. Architekt war damals Helmut Jahn, der auch den TK-Aufzugsturm in Rottweil baute. Auch hieran war seine Firma beteiligt – „das Projekt haben wir in sechs Monaten hochgezogen“, berichtete er. „Bewehrung ist alles, was einbetoniert wird. Man sieht also nicht, was wir gemacht haben“, erklärte Eberhardt.

In dieser Zeit habe er auch Alfons Bürk kennen gelernt, den Architekten. Der habe die Idee eingebracht, eine Verbindung zwischen Innenstadt und Aufzugsturm herzustellen. Die Ideen, eine Seilbahn oder eine Zipline zu bauen, wurden verworfen. Dann folgte die Idee einer Hängebrücke. Die rechnete er Roland Haag zu. Beifall vom Publikum für beide.

Die eingeladenen Gäste, so sagte der Bauherr, dürften noch gratis über die Brücke gehen. Nach der Einweihung aber, so fand Eberhardt, müsse das Drehkreuz scharf gestellt werden – „für grandiose Einnahmen“.

OB Christian Ruf

„Rottweil hat Mut zur Brücke“, zitierte Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf ein altes Motto. „Was heute vor uns liegt, ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein echtes Jahrhundert-Projekt.“ Die Stadt habe nun ein neues Wahrzeichen. Dies sei „ein Tag, auf den wir lange hingearbeitet haben.“ Er erinnerte an den Bürgerentscheid mit 72 Prozent Zustimmung – und das in einer Zeit, in der alle dagegen zu sein scheinen. „Eine demokratische Entscheidung mit Weitblick“, konstatierte der OB. Zu Beginn habe das Denkmalamt am Regierungspräsidium Stuttgart noch gebremst: Der Bastionscharakter der Stadtmauern sei nicht mehr gegeben, wenn eine Brücke darüber hinweg führe, berichtete Ruf. Doch auch mit dem Hinweis, man sei ja im 21. Jahrhundert, sei auch diese bürokratische Hürde genommen worden. Nach langer Vorbereitungszeit sei im Jahr 2023 „außerhalb der Stadt“ das weitere Vorgehen beschlossen worden. Er lobte den Gemeinderat für die zügige Behandlung der Bauleitplanung. Wenigre Lob hatte er für viele bürokratische Vorschriften, die Bauvorhaben verzögern – er schlug die Bogen zu den drei Jahren Vorbereitungszeit für den am selben Tag eröffneten Rewe-Markt.

Dass es auch anders geht, habe der Erste Landesbeamte Hermann Kopp bewiesen: Zwar sei hier ein Landschaftsschutzgebiet. Aber so genau habe niemand gewusst, wo es denn beginnt. Kopp habe die Grenze dann festgelegt – so konnte der Pylon gebaut werden.

Heinrich Del Core

Dass Neckarline die fünftgrößte Fußgänger-Hängebrücke der Welt ist, berichtete Comedian Heinrich Del Core. „Aber sie ist die schönste der Welt!“, ergänzte Roland Haag. Dann machten sich die Besucher auf zum Bockshof. Jedenfalls alle, die sich auf die schaukelnde Brücke und die der modernen Technik trauten.

Die Kugelbahn: OB Ruf und Günter Eberhardt lassen gemeinsam die erste Kugel fallen.
Die Kugel rollt.
Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Für ihn das erste Mal, sagte Gunter Eberhardt..
Ralf Broß fotografiert vor der Kulisse der Rottweiler Innenstadt.
Auf dem Bockshof spielt die Stadtkapelle.
Der erste Massen-Ansturm auf die Brücke.
Autor / Quelle:Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.
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