Zahlreiche deutsche Städte dulden illegales Gehwegparken und nehmen damit die Gefährdung von Fußgängerinnen und Fußgängern in Kauf. Das zeigt eine bundesweite Abfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter 105 Städten. Unter anderem in Balingen soll jetzt gegengesteuert werden. iStock-Foto

Balingen räumt auf: Gehwege werden sicherer und barrierefreier

Balingen macht den ersten Schritt – für mehr Platz, Sicherheit und Barrierefreiheit auf Gehwegen.

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Balingen soll ein Jahr lang neue Lösungen für bessere Gehwege erproben. Was das konkret bedeutet – und warum gerade die Kleinstadt im Zollernalbkreis ausgewählt wurde.

Aus der Region. Balingen ist eine von vier Modellkommunen in Baden-Württemberg, die im Rahmen des Landesprojekts „Gehwege freiräumen – Raum fürs Gehen schaffen“ neue Wege für den Fußverkehr erprobt. Ein Jahr lang testet die Stadt konkrete Lösungen, um Hindernisse auf Gehwegen zu beseitigen.

Was steckt hinter dem Projekt?

Mülltonnen, Verkehrsschilder, Werbeaufsteller, Verteilerkästen oder auf dem Gehweg parkende Autos – all das macht viele Wege für Fußgängerinnen und Fußgänger zur täglichen Herausforderung. Besonders Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehhilfe sind davon betroffen. Das Land Baden-Württemberg will das ändern: Gemeinsam mit Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart startet das Verkehrsministerium jetzt ein Modellprojekt.

So geht Balingen vor

Auf ausgewählten Strecken – darunter zentrale Achsen in der Ortsmitte und Schulwege – wird zunächst der Ist-Zustand der Gehwege digital erfasst, unter anderem mit 360-Grad-Kameras. Anschließend erarbeiten Stadtverwaltung, kommunale Betriebe, Gewerbetreibende und Anwohnende gemeinsam in Workshops konkrete Lösungen.

Das Ziel: Zu Fuß gehen als Selbstverständlichkeit

Das Projekt ist Teil der Fußverkehrsstrategie des Landes. Bis 2030 soll jeder zweite Weg in Baden-Württemberg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden – auch Strecken von mehr als 15 Minuten. Verkehrsminister Winfried Hermann betonte beim Projektstart: „Niemand sollte Slalom laufen oder auf die Fahrbahn ausweichen müssen aufgrund von Schildern, Mülltonnen oder parkenden Autos.“

Bundesweites Problem: Viele Städte dulden Gehwegparken

Dass das Thema dringend ist, belegt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH): Von 105 bundesweit befragten Städten bestätigten nur 33, illegales Falschparken auf Gehwegen grundsätzlich nicht zu dulden. 35 Städte räumten ein, Gehwegparken selbst dann zu tolerieren, wenn die verbleibende Gehwegbreite weit unter den vorgeschriebenen 2,50 Metern liegt. In extremen Fällen werden Falschparker erst ab einer Restbreite von 50 Zentimetern abgeschleppt – ein Maß, das Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen faktisch zum Ausweichen auf die Fahrbahn zwingt. Fast jeder fünfte Unfall innerorts mit verletzten Fußgängerinnen, Fußgängern oder Radfahrenden steht laut DUH in Verbindung mit parkenden Autos.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fordert ein konsequentes Umsteuern: „Es braucht konsequente Kontrollen, Bußgelder und sofortiges Abschleppen der Falschparker.“ Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Juni 2024 bestätigt, dass Städte gefährliches Falschparken auf Gehwegen nicht systematisch dulden dürfen.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Balinger Modellprojekt eine Signalwirkung zu: Die Stadt setzt nicht nur auf Kontrolle, sondern geht einen Schritt weiter – und räumt Hindernisse strukturell und dauerhaft aus dem Weg.

Was kommt danach?

Die Erfahrungen aus Balingen und den anderen Modellstädten fließen bis Frühjahr 2027 in einen landesweiten Praxisleitfaden ein. Damit sollen Kommunen in ganz Baden-Württemberg von den Erkenntnissen profitieren können. Umgesetzt wird das Projekt von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW).

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
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