Heckler und Koch: Heeschen meldet sich

Hauptaktionär von Heckler und Koch: „Ich bin nicht unerreichbar“

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Mehr Transparenz? Foto: him

Den, nach eige­nen Anga­ben, immer noch Haupt­ak­tio­när von Heck­ler und Koch drängt es ins Ram­pen­licht: Andre­as Heeschen mel­det sich die­ser Tage gleich bei meh­re­ren Medi­en zu Wort. Zuletzt ant­wor­te­te er sogar der „Bild“-Zeitung und schreibt die­ser nachts eine Mail, wie sich die Kol­le­gen wun­dern. Da steht zwar auch nichts ande­res drin, als das, was vor­her schon unter ande­rem die „Welt“ berich­tet hat. Aber dass Heeschen sich über­haupt bei den Medi­en mel­det, ist schon unge­wöhn­lich.

Auch Bild.de hat inzwi­schen berich­tet.

Der Mana­ger sei „extrem öffent­lich­keits­scheu“, weiß auch die Bild. Dem wider­spricht Heeschen in sei­ner Stel­lung­nah­me. Er habe Inter­views gege­ben und sei bei Heck­ler- und- Koch-Betriebs­ver­samm­lun­gen und Fami­li­en­fei­ern auf­ge­tre­ten. Auch habe er im Som­mer den neu­en Auf­sichts­rats­chef Harald Kujat per­sön­lich im Unter­neh­men vor­ge­stellt.

Inter­es­san­ter­wei­se teil­te Heeschen schon in einer Pres­se­mit­tei­lung im Juni 2015 mit, er wer­de „den unter mir ein­ge­schla­ge­nen Weg hin zu ver­bes­ser­ter Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on und Trans­pa­renz aus­bau­en“. In der Pres­se­mit­tei­lung kün­dig­te das Unter­neh­men die Ein­stel­lung Nico­la Mari­nel­lis an. Dazu spä­ter mehr.

Nun will Heeschen an die Öffent­lich­keit, behaup­tet, er sei in Groß­bri­tan­ni­en nach­weis­lich erreich­bar. „Ich ent­zie­he mich weder der pos­ta­li­schen Zustel­lung noch einer offi­zi­el­len Ladung als Zeu­ge vor dem Land­ge­richt Rott­weil“, zitiert ihn die Welt.

Halbe Million für ein halbes Jahr?

Das Land­ge­richt Rott­weil möch­te Heeschen in einer für ihn heik­len Ange­le­gen­heit als Zeu­ge ver­neh­men. Ex-Geschäfts­füh­rer Nico­la Mari­nel­li will in einem Zivil­ver­fah­ren bewei­sen, dass es bei dem Waf­fen­her­stel­ler zu einem Eigen­tü­mer­wech­sel kam. Mari­nel­li war im Juni 2015 bei Heck­ler und Koch Geschäfts­füh­rer gewor­den, nach­dem das Unter­neh­men den lang­jäh­ri­gen Geschäfts­füh­rer Niels Ihl­off im Febru­ar 2015 gefeu­ert hat­te. Doch Mari­nel­li blieb nur kurz. Schon Anfang 2016 muss­te er das Unter­neh­men wie­der ver­las­sen. Bei der Weih­nachts­fei­er weni­ge Tage zuvor habe Heeschen ihn noch „über den grü­nen Klee gelobt“, so Mari­nel­li.

Nun klagt er vor dem Land­ge­richt Rott­weil und for­dert etwa 500.000 Euro von Heck­ler und Koch. Es gebe in sei­nem Ver­trag eine soge­nann­te Chan­ge of Con­trol-Klau­sel. Wenn es einen Eigen­tü­mer­wech­sel gebe und er des­halb gehen müs­se, ste­he ihm die hal­be Mil­li­on zu, so Mari­nel­li. Er ver­si­chert,  der fran­zö­si­sche Inves­tor Nico­las Walew­ski  sei inzwi­schen der­je­ni­ge, der über sei­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tung Alken in Lon­don die Kon­trol­le bei Heck­ler und Koch über­nom­men habe.  Eine Anfra­ge der NRWZ an Alken blieb unbe­ant­wor­tet.

Mari­nel­li behaup­tet, Heeschen habe sei­ne Antei­le an Wal­eski wei­ter gereicht. Dem wider­spricht Heeschen in sei­ner jüngs­ten Erklä­rung: „Ich bin Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter der H&K AG und übe sämt­li­che Stimm­rech­te aus mei­nen Akti­en seit Grün­dung der AG aus.“ Unbe­ant­wor­tet lässt er die Fra­ge, „ob er womög­lich Akti­en als Sicher­hei­ten für Kre­di­te ver­pfän­det hat, die dann in das Unter­neh­men inves­tiert wur­den“, wie die „Welt“ schreibt. Dann  behiel­te er sei­ne Stimm­rech­te.

Beibringungsgrundsatz

Was hat es mit der ver­geb­li­chen Zustel­lung der Ladungs­ver­fü­gung auf sich? Heeschens  wehrt sich, wie gesagt, gegen den Vor­wurf, er ent­zie­he sich „einer pos­ta­li­schen Zustel­lung oder einer Ladung als Zeu­ge.“ Dazu betont der Pres­se­spre­cher und Vize­prä­si­dent des Land­ge­richts Rott­weil Dr. Thi­lo Reb­mann, im Gegen­satz zu einem Straf­pro­zess  mit dem „Amts­er­mitt­lungs­grund­satz“ gel­te im Zivil­pro­zess der „Bei­brin­gungs­grund­satz“. Zu deutsch, die am Pro­zess betei­lig­ten Klä­ger und Beklag­te müs­sen Beweis­mit­tel und Zeu­gen bei­brin­gen, nicht das Gericht.

Des­halb habe das Land­ge­richt eine von Mari­nel­li ange­ge­be­ne Adres­se an die Kol­le­gen in Groß­bri­tan­ni­en mit der Bit­te um Amts­hil­fe wei­ter gege­ben. „Das kam uner­le­digt zurück“, berich­tet Reb­mann auf Nach­fra­ge der NRWZ.  Die bri­ti­schen Beam­ten hät­ten Heeschen an der ange­ge­be­nen Adres­se die Ladung  nicht zustel­len kön­nen.

Prozess zieht sich in die Länge

Heeschen hat ange­bo­ten, sich im Aus­land befra­gen zu las­sen: „Gege­be­nen­falls wür­de ich das wegen The­men der Sicher­heit im Rechts­hil­fe­ver­fah­ren machen“, schreibt er in sei­ner Erklä­rung. Grund­sätz­lich sei das vor­stell­bar, so Reb­mann. Das müss­te Mari­nel­lis Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ter bean­tra­gen. Ob das Gericht eine sol­che Aus­sa­ge dann akzep­tiert, sei offen. Ohne die direk­te Begeg­nung sei die Glaub­wür­dig­keit eines Zeu­gen nicht zu beur­tei­len. „Wenn es dar­auf ankommt, will das Gericht den Zeu­gen direkt hören“, so Reb­mann.

Das Ver­fah­ren Mari­nel­li gegen Heck­ler und Koch zieht sich seit Jah­ren hin. Schon im August 2018 woll­te das Land­ge­richt Rott­weil ver­han­deln. Auch weil Heeschen bis­her nicht erreich­bar war, hat das Land­ge­richt das Ver­fah­ren mehr­fach ver­scho­ben. Ob es ein Urteil geben wird, einen Beweis- oder Hin­weis­be­schluss, wis­se er nicht, sagt Gerichts­spre­cher Reb­mann. Aber er fügt an: Auch der von „Bild“ ange­kün­dig­te 6. Dezem­ber als Ver­kün­di­gungs­ter­min ist bereits wie­der ver­al­tet: „Der Ter­min ist ver­tagt auf 13. Dezem­ber um 13.30 Uhr.“