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Rottweil
Donnerstag, 14. November 2019
Rott­weil Rott­wei­ler Tier­heim an der Gren­ze: For­de­rung nach Kas­tra­ti­ons­pflicht

Rottweiler Tierheim an der Grenze: Forderung nach Kastrationspflicht

Eine Kas­tra­ti­ons­pflicht für frei­lau­fen­de Kat­zen, wie sie die Stadt Schram­berg bereits ein­ge­führt hat, for­dert der Tier­schutz­ver­ein Rott­weil seit lan­gem. Jetzt hat das Team um Vor­sit­zen­den Gün­ther Her­mus zum Pres­se­ge­spräch gela­den, denn in den ver­gan­ge­nen Wochen kamen die Tier­schüt­zer nach eige­nen Anga­ben an ihre Gren­zen: Sie muss­ten 46 kran­ke Kat­zen von einem Hof holen und pfle­gen, und dann kamen auch noch 23 klei­ne Hun­de aus einer ille­ga­len Zucht dazu, die das Vete­ri­när­amt beschlag­nahmt hat­te, auch sie waren teils schwer krank.


„Wir waren an man­chen Tagen bis 22 Uhr hier“, erzählt Tier­heim­lei­te­rin Man­dy Zum­broich. „Da sind bis zu 100 Über­stun­den pro Mit­ar­bei­ter ange­fal­len, die erst­mal gar nicht abge­baut wer­den kön­nen“, betont Gün­ther Her­mus. Die Kas­tra­ti­ons­pflicht sei drin­gendst nötig, eine Kat­ze kön­ne in ihrem Leben für mil­lio­nen­fa­chen Nach­wuchs sor­gen. Gera­de auf Bau­ern­hö­fen sei das Pro­blem groß, die Kat­zen wür­den zwar gefüt­tert, aber sei­en sonst sich selbst über­las­sen, oft auch krank. Die 46 Kat­zen, die sie von dem Hof holen muss­ten, hät­ten einen sehr aggres­si­ven Virus gehabt, und damit auch die ande­ren Kat­zen im Tier­heim ange­steckt, „wir sind jetzt all­mäh­lich durch mit Wäsche waschen.“ Die Kratz­bäu­me habe man weg­wer­fen müs­sen, da sie nicht des­in­fi­ziert wer­den konn­ten, erzählt Vanes­sa Schrei­ber, Zum­broichs Stell­ver­tre­te­rin. Und von den Bau­ern bekom­me man teils Haar­sträu­ben­des zu hören: Kas­trier­te Kat­zen wür­den weni­ger Mäu­se fan­gen und schnel­ler über­fah­ren, Kät­zin­nen müss­ten erst ein­mal einen Wurf bekom­men, bevor man sie kas­trie­ren kön­ne – „da sind noch vie­le Geschich­ten in den Köp­fen, die ein­fach nicht stim­men“, so Schrei­ber.

23 Hunde in einem Zimmer


Eska­liert ist die Situa­ti­on im Tier­heim dann am 19. Sep­tem­ber: Das Vete­ri­när­amt fand in einer Woh­nung 23 Hun­de, alle in einem Raum unter­ge­bracht, auch sie waren krank und ver­dreckt und wur­den ins Tier­heim gebracht. Schon ein Jahr lang habe man den Ver­dacht auf eine ille­ga­le Zucht gehabt, sagt Anna Lam­par­ter, durch Hin­wei­se von Käu­fern bei­spiels­wei­se, die kran­ke Hun­de bekom­men hat­ten oder die Online-Ver­­­kauf­s­an­zei­gen der Besit­zer. Und so habe man schließ­lich einen Duch­su­chungs­be­fehl bekom­men. „Da waren dann viel mehr Hun­de als bei den bis­he­ri­gen Kon­trol­len, und sie waren in einem sehr schlech­ten Zustand.“

Zum Glück arbei­te man eng mit dem Tier­heim zusam­men, so dass die Hun­de gleich unter­ge­bracht wer­den konn­ten. Hier unten am Eck­hof herrsch­te dann aller­dings end­gül­tig der Aus­nah­me­zu­stand. Bis zu 14 Stun­den am Tag küm­mer­ten sich die Mit­ar­bei­ter und Ehrenam­li­chen um die Tie­re, und die Kos­ten waren enorm: Allein die Medi­ka­men­te für die Hun­de machen pro Tag 500 Euro aus. Das finan­ziert das Vete­ri­när­amt, da das Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen die Besit­zer noch läuft. Wer­den sie ver­ur­teilt, müs­sen sie die Kos­ten tra­gen, ansons­ten bleibt das am Steu­er­zah­ler hän­gen.

Lage entspannt sich wieder

Inzwi­schen ist es im Tier­heim wie­der etwas ruhi­ger gewor­den, die Tie­re sind wie­der auf dem Damm, die gera­de gespen­de­te Indus­trie­wasch­ma­schi­ne läuft aller­dings immer noch in Dau­er­schlei­fe. Was mit den klei­nen Hun­den pas­siert, ist wei­ter­hin offen, denn noch lau­fen ja die Ermitt­lun­gen. Zeit also für einen Pres­se­ter­min mit Apfel­schor­le und But­ter­bre­zeln, um der Öffent­lich­keit zu sagen, was hier unten am Eck­hof alles geleis­tet wird.

Und wie wich­tig die Kas­tra­ti­ons­pflicht ist, die Schram­berg jetzt als zwei­te Kom­mu­ne im Land ein­ge­führt hat. In Rott­weil bekom­me er zu hören, dass das recht­lich nicht durch­setz­bar sei, erzählt Gün­ther Her­mus. „Das stimmt aber nicht, das Land über­lässt es den Kom­mu­nen, ob sie das ein­füh­ren oder nicht.“

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