Betrug mit angeblichem Lotto Abo

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Dieser Tage fand  Lydia Lückenhäuser* aus dem Raum Oberndorf in ihrem Briefkasten Post einer angeblichen Anwaltskanzlei. „Rechtsanwalt Maik Kühne“ hatte eine „Vorgerichtliche Mahnung“ an Fritz Lückenhäuser unterschrieben. Dahinter steckt ein Betrug.

Der Ehemann der heute 90-jährigen Dame soll per Telefon einen Dienstleistungsvertrag mit der „Euro-Lotto-Zentrale Euro Jackpot -6/49“ geschlossen haben und trotz mehrfacher Aufforderung die fälligen 347 Euro nicht bezahlt haben.

Rechtsanwalt Kühne fordert Lückenhäuser „letztmalig mit Nachdruck auf“, die Schuldsumme, „sowie die bisher aufgelaufenen kosten  (…)  bis Spätestens 17.08.2022 mittels Lastschrift zu begleichen“ (Rechtschreibfehler im Original).

Brief von “Rechtsanwalt Maik Kühne”

 

Lohnpfändung und Zwangsvollstreckung angedroht

Im Kleingedruckten folgen Drohungen mit Lohnpfändung, Zwangsvollstreckung, Gerichtsvollzieher bis hin zum Eintrag in entsprechenden Schuldnerverzeichnissen. Ganz unten  erwähnt „Rechtsanwalt Kühne“ den  Vertrag vom 21. Januar 2022, den Lückenhäuser am selben Tag telefonisch geschlossen habe.

Alles Betrug, so die Verbraucherzentrale.

Angefügt war ein Formular. Darauf konnte Lückenhäuser sein „Euro-Lotto-Abo“ kündigen und gleich ein SEPA- Lastschriftmandat erteilen. Dann würden die fälligen 389,50 Euro  von seinem Konto abgebucht.

Das Schreiben ist nicht nur bei der 90 Jahre alten Lydia Lückenhäuser eingegangen. Die Verbraucherzentrale warnt, es seien „massenhaft betrügerische Schreiben zu “EURO LOTTO ZENTRALE” im Umlauf“. Man solle sich nicht einschüchtern lassen und die unberechtigten Forderungen nicht bezahlen. Das ganze seien „leere Drohungen“.

Kanzleien existieren nicht

Dass es sich bei diesen Zahlungsaufforderungen um Betrug handle, sei auch daran zu erkennen, „dass der Brief keine konkreten Angaben zum vermeintlichen Gläubiger enthält“. Die NRWZ hat die Anwaltskanzlei Maik Kühne vergebens im Internet gesucht. Auch die Verbraucherzentrale suchte erfolglos.

Auf Biallo.de  erläutert Mike Belschner, es gebe inzwischen Dutzende angeblicher Inkasso-Unternehmen, die derlei Mahnschreiben verschickten. Dabei gehe es um angebliche Forderungen von Unternehmen mit fantasievollen Namen wie: “Euro Online, EUROJACKPOT-6/49”, “EUROWIN-24, EUROJACKPOT-6/49”, “Deutsche Gewinner Zentrale Lotto 6-49”, “Deutsche Gewinner Zentrale”, “JACKPOT 6/49” oder der “Euro Lotto Zentrale”.

Auch Belschner hat die angegebenen Anwaltskanzleien überprüft. Er habe die angeblichen Rechtsanwälte  „im bundesweiten Anwaltsregister nicht ausfindig machen können“.

Die Masche mit den Inkassobüros ist an sich nicht neu. Schon vor vier Jahren berichtete die NRWZ über derartige Betrügereien.

Durchsichtiger Betrug

Als ein Neffe der alten Dame die Polizei in Oberndorf über den Betrugsversuch informierte, erfuhr er, seine Tante sei nicht die erste, die sich wegen eines solchen Schreibens gemeldet habe.

Trotz ihres hohen Alters war Lydia Lückenhäuser klar, dass hinter dem Schreiben ein Schwindel steckte: Ihr Ehemann Fritz konnte nämlich im Januar keinen Lottovertrag abgeschlossen haben, er war im Jahr 2009 verstorben.

*Name geändert.

Polizei: Schreiben kursieren schon seit April

In Ergänzung berichtet Dieter Popp vom Polizeipräsidium Konstanz, dass ähnliche Schreiben bereits im April am Bodensee aufgetaucht waren. Auch hier hatte eine angebliche Rechtsanwaltskanzlei aus München vorgegeben, angebliche Forderungen der “Euro Lotto Zentrale Euro Jackpot 6/49” zu vertreten.

“Allen vermeintlichen Opfern fiel sofort auf, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte, so dass es zu keinen Vermögensschäden kam”, so Popp.

Die Polizei warnt neben Enkel-Trick, falschen Polizeibeamten, Gewinnspiel-Betrügern und falschen WhatsApp-Nachrichten nun auch vor Schreiben einer Fake-Anwaltskanzlei,  die falsche “Mahnungen” schickten und die Zahlung von Geldbeträgen fordere. “Weder die Kanzlei, noch die angebliche Lotto-Gesellschaft sind existent.”

Die Polizei rät sich mit solchen Schreiben nicht unter Druck setzen zu lassen, kein Geld auf fremde Konten zu überweisen und keine Kontodaten preis zu geben!

 

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.

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