Da stimmt was nicht

Der AfD-Landtagsabgeordnete Emil Sänze macht offenbar falsche Angaben im Landtagshandbuch

Emil Sänze bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung im September 2017 in Rottweil. Foto: him

Der AfD-Land­tagsab­ge­ord­nete Emil Sänze aus Sulz wirft gerne anderen vor, sie wür­den ein „Lügenge­spinst“ flecht­en, betrieben eine „ver­heeren­den Infor­ma­tion­spoli­tik“ oder es gehe ihnen nur „um die Pfründe der poli­tis­chen Klasse“. Und auf sein­er Face­book­seite fordert er: „TRANSPARENZ AUF ALLEN EBENEN!“

Prüfen wir seine Angaben im „Hand­buch des Land­tags“ von Baden-Würt­tem­berg doch ein­mal. Laut Selb­stauskun­ft ist Sänze: „Geschäfts­führen­der Gesellschafter und Geschäfts­führer in zwei Unternehmen“. Und weit­er unten schreibt er etwas detail­liert­er, worum es geht: „Geschäfts­führen­der Gesellschafter der Fleet­Fab­rik Europe (Strate­gie-Unternehmens­ber­atung) und Geschäfts­führer und Beirat der CarVi­ta Hold­ing (Dig­i­tale Ser­vice-Gesellschaft/Busi­ness-Intel­li­gen­ce­Prozesse).“

Laut eige­nen Angaben hat Sänze eine Aus­bil­dung zum Indus­triekauf­mann absolviert und anschließend  Betrieb­swirtschaft­slehre in Kon­stanz studiert. Später war er „Leit­er Ver­trieb und Prokurist im Deutsche-Bank-Konz­ern. Leit­er Ver­trieb (Süd­west) bei der Deutschen Sparkassen Leas­ing, Leit­er Ver­trieb und Mar­ket­ing mit Proku­ra im Fach­bere­ich Flot­ten­leas­ing der BMW AG und Geschäfts­führer Markt der BMW AG.

Sänzes Ein­trag im Hand­buch des Land­tags von Baden-Würt­tem­berg.

Ein Geschäfts­führer-Inter­mez­zo von August 2008 bis Sep­tem­ber 2009 bei der Alpha­bet Fuhrpark­man­age­ment in München erwäh­nt Sänze nicht. Im Mai 2010 erlosch seine Proku­ra dort. Im Jan­u­ar 2011 schied er bei der BMW-Tochter aus, er habe „einen großen Beitrag“ zur guten Mark­t­po­si­tion von Alpha­bet geleis­tet, sagte damals sein Nach­fol­ger. Bis 2014 war Sänze dann bei der BMW-Bank. Über sein Auss­chei­den dort find­et sich kein Hin­weis.

2015 jeden­falls wird Sänze wieder aktiv und grün­det im Sep­tem­ber mit einem anderen ehe­ma­li­gen BMW-Mann die „Fleet­Fab­rik Europe”. Gesellschaft mit beschränk­ter Haf­tung.“ Der Fir­men­sitz ist zugle­ich Sänzes Pri­vatan­schrift: Obere Gärten 3, 72172 Sulz am Neckar. Die Fir­ma will unter anderem Beratungsleis­tun­gen im Bere­ich Auto­han­del und Banken anbi­eten. Wenn man sich in der Flot­ten­leas­ing-Branche umhört, ist der Name Sänze dur­chaus bekan­nt. Sein Auss­chei­den bei der BMW-Tochter, sagt ein­er, der Sänze gut ken­nt, habe vielle­icht damit zu tun gehabt, dass „seine char­mante Art“ beim ein oder anderen bei BMW „nicht so gut ankam“. Aber seine Ver­di­en­ste dort seien unbe­strit­ten.

Voll und ganz fürs Mandat

Betra­chtet man die bei­den aktuellen Angaben zu sein­er beru­flichen Tätigkeit, kommt man dann doch ins Staunen.  Davon dass Sänze „Geschäfts­führen­der Gesellschafter der Fleet­Fab­rik europe GmbH (Strate­gie-Unternehmens­ber­atung)  und Geschäfts­führer und Beirat der CarVi­ta Hold­ing GmbH (Dig­i­tale Ser­vice-Gesellschaft/Busi­ness-Intel­li­gen­ce­Prozesse)“ ist, wie er bis jet­zt  im Hand­buch des Land­tags erk­lärt, kann keine Rede sein. Auf Nach­frage der NRWZ zu sein­er Geschäfts­führertätigkeit sagt Sänze: „Meine oper­a­tive Tätigkeit­en, als geschäfts­führen­der Gesellschafter habe ich alle­samt niedergelegt, um mich voll und ganz meinem Man­dat zu wid­men.“

aus ein­er Mail Sänzes an die NRWZ vom 2. Juli 2018

Das ist im Fall der „Fleet-Fab­rik“ eine eher freizügige Inter­pre­ta­tion der Wahrheit und bei „CarVi­ta“ – ja was denn? Eine glat­te Lüge?

Han­del­sreg­is­ter­auszug zur Fleet­Fab­rik

Die „Fleet­Fab­rik“ befand sich in Liq­ui­da­tion. Sänze war daher zulet­zt nicht deren Geschäfts­führer son­dern Liq­uida­tor. Und seit dem 8. Jan­u­ar 2018 ist die Gesellschaft aufgelöst.  Da war nicht mehr viel an oper­a­tiv­er Tätigkeit, die der Abge­ord­nete Sänze noch nieder­legen kon­nte. Es lag wohl auch nicht an seinem Man­dat, dass Sänze den Spaß an sein­er Fleet­Fab­rik ver­loren hat, son­dern, so sagt ein Ken­ner der Szene: „Die ver­schwand irgend­wann ein­fach. Die hat wohl nicht so reüssiert, wie Sänze sich das vorgestellt hat­te.“

Wir haben keinen Beirat”

Völ­lig aus der Luft gegrif­f­en erscheint die Geschichte zur CarVi­ta: Da will Sänze Geschäfts­führer und  Beirat sein – oder gewe­sen sein, er habe ja seine „oper­a­tiv­en Tätigkeit­en … niedergelegt“. Im Han­del­sreg­is­ter find­et sich allerd­ings nur der Name Jür­gen Hen­schel, kein Emil Sänze.

Fragt man nach Sänzes Tätigkeit bei der CarVi­ta Hold­ing, ern­tet man „Ver­wun­derung“. Petra Hen­schel, Assis­tentin der Geschäft­sleitung, schreibt: „Herr  Sänze war zu keinem Zeit­punkt Geschäfts­führer beziehungsweise Beirat der CarVi­ta Hold­ing.“  Er habe sich zwar mit sein­er Fleet­Fab­rik bemüht, in eine Geschäfts­beziehung mit ihrem Unternehmen einzutreten. Er hätte dann auch Geschäfts­führer wer­den kön­nen. „Dies ist aber nie zus­tande gekom­men“, schreibt Petra Hen­schel. Ein wesentlich­er Grund sei gewe­sen, „dass Herr Sänze uns über seine poli­tis­chen Aktiv­itäten nicht informiert hat­te“. 

Aber was ist mit dem Beirat? Stimmt das denn wenig­stens? Auf Rück­frage erk­lärt CarVi­ta-Geschäfts­führer Jür­gen Hen­schel: „Wir hat­ten und haben gar keinen Beirat.“

CarVi­ta-Impres­sum im Inter­net. auch im Han­del­sreg­is­ter find­et sich keine Spur von Emil Sänze.

Geschäftlich­er Erfolg scheint anders auszuse­hen. Aber das ist jet­zt Geschichte. Als Land­tagsab­ge­ord­neter erhält Emil Sänze seit dem 1. Juli 7963 Euro plus eine Kosten­pauschale von 2208 Euro – pro Monat. Ob er für seine Tätigkeit als stel­lvertre­tender Frak­tionsvor­sitzen­der von sein­er Frak­tion weit­ere Euros erhält, fragte die NRWZ den Sprech­er der AfD-Frak­tion. Bish­er keine Antwort. So viel zum The­ma Trans­parenz.