Edmund Heckler: „Karrierist und Opportunist“, aber kein Kriegsverbrecher?

Gesellschaft für Unternehmensgeschichte legt Ergebnisse eines Gutachtens vor / Einer der drei HK-Gründer im Zwielicht

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Nach Abschluss der Recherchen zur Gründungsgeschichte von Heckler & Koch und den Biografien der drei Firmengründer, wird die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) am Dienstag nun die Ergebnisse ihrer dreijährigen Forschung vorstellen, teilt das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung mit. Das Ergebnis der Studie: Edmund Heckler habe „keine schweren Kriegsverbrechen“ begangen.

Oberndorf. Vor drei Jahren hatte die „Bild am Sonntag“ in einem großen Report über Edmund Hecklers Rolle als Betriebsführer eines „NS-Musterbetriebs“, des Außenwerkes im sächsischen Taucha der Hugo Schneider AG (HASAG) berichtet. Dort mussten mehr als 1000 KZ-Häftlinge, überwiegend Juden, Sinti und Roma, unter schlimmsten Bedingungen Panzerfäuste herstellen, wie das Blatt damals berichtet hat. Die Häftlinge kamen aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald und Ravensbrück.

Die Bild am Sonntag berichtete am 7. September 2020

Schlimmste Zustände

Auch die NRWZ hatte damals ausführlich berichtet. Herbert Naumann, der das Außenlager beziehungsweise die Überreste des Lagers fotografiert hatte, berichtete von „ganz schlimmen Zuständen“ im Frauenlager. Auch nach seinen Recherchen habe dort das zynische Motto „Vernichtung durch Arbeit“ gegolten.

Naumann hatte 2017 Tagebuchnotizen ehemaliger Häftlinge aus Taucha ausgewertet. Er hatte aber auch erklärt, eine direkte Tatbeteiligung Edmund Hecklers nachzuweisen, sei „schwierig“. Nach Kriegsende war Heckler in den Westen geflohen und entging so den Kriegsverbrecherprozessen in der sowjetischen Besatzungszone.

Gebäude des ehemaligen KZ-Außenlagers Taucha. Foto: Naumann.

Firmenchronik bestätigt: Edmund Heckler leitete Taucha

In der Firmenchronik des Unternehmenns heißt es in der Biografie von Edmund Heckler, er habe sich bei der HASAG beworben und als Oberingenieur die Aufgabe erhalten, Zweigwerke aufzubauen „So entstehen Produktionsstätten in Leipzig, Berlin, Taucha und Altendorf“. Heckler habe bald Prokura erhalten. „Später leitete er die drei letztgenannten Werke“, so die Firmenchronik, also auch Taucha.

Kein Wort über Zwangsarbeit, kein Wort über den Einsatz von KZ-Häftlingen, kein Wort davon, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Stattdessen der Satz: „Der vernichtende zweite Weltkrieg beendete auch seine Karriere. Nichts bleibt ihm, außer seiner Erfahrung und seinem Können.“

Aus der HK-Firmenchronik

Nun will Heckler und Koch die drei Historiker ihre Ergebnisse in Fachvorträgen vorstellen lassen. Dabei würden „sowohl Vertreter der Medien, der Politik sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Heckler & Koch anwesend sein“. Die NRWZ hat allerdings bisher keine Einladung erhalten.

Heckler und Koch Vorstand um Aufklärung bemüht

Die Sprecherin von Heckler und Koch Julia Döhler erläutert, Hintergrund der Aufarbeitung sei die mediale Berichterstattung aus dem Jahr 2020, „die einem der Gründer, Edmund Heckler, der zur Zeit des Nationalsozialismus in der HASAG in Leipzig tätig war, schwere Kriegsverbrechen vorwarf“.

Daraufhin hätten Vorstand und Aufsichtsrat direkt gehandelt und nur wenige Tage später die unabhängige Aufarbeitung des 1949 gegründeten Unternehmens Heckler & Koch durch die GUG veranlasst und volle Transparenz versprochen.

Vorwürfe nicht bestätigt

Die „Bereitstellung erster Zwischenergebnisse“ habe gezeigt, dass sich die schweren Vorwürfe, die gegen Edmund Heckler erhoben wurden, durch die Recherchen nicht bestätigten. „Darin bezeichnen die Historiker Heckler als Karrieristen und Opportunisten, der sich mit seinem Fachwissen in den Dienst der wehrtechnischen Industrie stellte“, so Döhler. Eine Skandalisierung seiner Biografie sei jedoch abzulehnen, so die Schlussfolgerung der GUG.

Das nun der Abschlussbericht vorgestellt werden kann, freue die beiden Vorstände Dr. Jens Bodo Koch und Dr. Björn Krönert: „Heckler & Koch steht für die Ausrüstung von Sicherheitskräften von Freiheit und Demokratie. Die schlimmen Anschuldigungen von 2020 haben uns deshalb sehr betroffen gemacht.“

Die Untersuchung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte zeige jedoch, „dass Heckler weder in Polen noch im Panzerfaustwerk der HASAG tätig war“.

HK-Vorstand erleichtert

Die Zwischenergebnisse hätten sie schon im Oktober 2022 beim Besuch der Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig von den Experten vorgetragen bekommen. Nun seien sie sehr gespannt auf die detaillierten Ergebnisse.

„Die Untersuchungen waren langwierig und umfangreich, und jetzt haben wir volle Transparenz und unabhängig erarbeitete Forschungsergebnisse“, so Koch und Kröhnert abschließend.

Die GUG werde in den nächsten Monaten die vollständigen Ergebnisse als Buch einem breiten Publikum zugänglich machen, teilt die Sprecherin noch mit. 

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Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.