Letzte Reichsarbeitsdienstbaracke in Oberndorf unter Denkmalschutz?

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Hinter dem Altoberndorfer Friedhof im Gewann am Steinbrünnle steht eine Baracke. Ziemlich windschief droht sie jederzeit einzustürzen. Nach Ansicht einer „Initiative Erhalt der RAD-Baracke Altoberndorf“ sollte die Baracke unter Denkmalschutz gestellt oder abgebaut, eingelagert und zu einem späteren Zeitpunkt an einem geeigneten Ort wieder aufgebaut werden.

Im Namen der Initiative hat sich Lothar Eberhardt an die zuständigen Denkmalschutz-Behörden des Landes Baden-Württemberg auf Orts-, Kreis-, Regierungspräsidiums- und Landesebene gewandt. Er bittet, zu prüfen, ob diese Baracke, die zunächst Reichsarbeitsdienstler, im Krieg dann polnische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen beherbergte, ein Kulturdenkmal  ist, „an dessen Erhalt aus heimatgeschichtliche Gründen ein öffentliches Interesse besteht“.

Die Baracke sei wohl eine der letzten „Zwangsarbeiter-Baracken“ aus dem RAD-Lager Konrad Wiederhold, so Eberhardt. Die Mitglieder der Initiative seien seit vielen Jahren mit der Aufarbeitung der der Geschichte vor Ort befasst. Eberhardt selbst interessiert sich seit Mitte der Achtziger-Jahre  für die  Geschichte der Zwangsarbeit. Mit Unterstützung der Stadt Oberndorf und Altbürgermeister Klaus Laufer und dem früheren  MdB Klaus Kirschner habe er eine der ersten Zwangsarbeiter-Begegnungen mit ehemals sowjetischen Zwangsarbeiterinnen  im Herbst 1993 organisiert.

Früher auf dem Lindenhof

Die Arbeitsdienstbaracke befand sich zunächst auf dem Gelände der heutigen Firma Heckler & Koch auf dem Lindenhof in Oberndorf.

Daas Polenlager auf dem Lindenhof: Foto: Stadtarchiv Oberndorf

Nach dem Zweiten Weltkrieg gleich 1945 habe ein Landwirt Faulhaber die Baracke gekauft, hat Eberhard von einem Zeitzeugen erfahren. Der Landwirt habe sie an den heutigen Standort gebracht und als Stallung für Schafe und als Unterstand für landwirtschaftliche Geräte genutzt.

Eine der letzten Original-Baracken

Eberhard bittet, sich zu sputen, denn die Baracke sei „ungeschützt Witterungseinflüssen ausgesetzt“. Sie droht inzwischen einzustürzen. Da die Baracke eine der letzten Original-Baracken sei, die in Oberndorf an vielen Stellen wie dem „Russenlager“, dem „Neckarheim“ und dem Arbeitserziehungslager Aisitaig standen, handle es sich um ein Kulturdenkmal. „Sie ist so eines der letzten Zeugnisse, die aus der Zeit der ‚Topographie des Terrors‘  in Oberndorf erhalten geblieben ist“, schreibt Eberhard an die Denkmalsschützer.

Ein Gottesdienst im Zwangsarbeitslager. Foto: Stadtarchiv Oberndorf

Dass die  Baracke nicht mehr am Originalstandort stehe, mindere ihren historischen Wert nicht, glaubt Eberhardt. Vielmehr: „Das Abbauen und Errichten an einem anderen Ort ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Art der Bauwerke.“ Es sei nach dem Zweiten Weltkrieg üblich, dass neue Nutzer solche Baracken gekauft und an andere Orte verbrachten. Das zeige “einmal mehr den pragmatischen Umgang mit den Zeugnissen der NS-Zeit in den unmittelbaren Nachkriegsjahren.“

Heute zeige der Umgang damit auch die fehlende Sensibilität gegenüber dem Thema Zwangsarbeit. Es sei „ein Zeugnis fehlender Achtsamkeit zeithistorischen Gegebenheiten, die sich zum Teil bis ins Heute fortsetzt“, schrieb Eberhardt am Freitagmorgen an die Denkmalschützer. Die Antwort kam ungewöhnlich schnell.

Denkmalschützer reagieren prompt

Am Freitagvormittag erhielt er Antwort von Dr. Patrick Jung von Landesamt für Denkmalpflege in Freiburg. Er danke im Auftrag von Herrn Landeskonservator Dr. Martin Hahn  für den interessanten Hinweis auf den Schafstall Faulhaber. Seine Behörde werde dem gerne nachgehen. Dr. Jung bittet um weitere Angaben zum genauen Ort, an dem die Baracke steht. Für die Überprüfung der Denkmaleigenschaft brauche man weitere Fotos vom Gebäude und Informationen zur Geschichte. Im Gespräch mit  Eberhardt hat Dr. John erklärt, die Baracke sei ein Prüffall  und werde mit einem Prüfvermerk versehen.

Das heißt: Bis die Prüfung abgeschlossen ist,  darf nichts am “Schafstall” verändert werden.

Mehr zur Baracke und ihrer Geschichte findet sich hier.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.

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