Sänze: „Nicht haltbare Anschuldigungen”

AfD-Abgeordneter reagiert auf NRWZ-Artikel / Kaufpreis nicht entrichtet

Emil Sänze bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rottweil Foto: him

Der Arti­kel „Da stimmt was nicht” zu den Anga­ben des AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Emil Sän­ze in der NRWZ vom 7. Juli hat die­sen zu einer Stel­lung­nah­me ver­an­lasst, die er über Face­book ver­brei­tet hat. Er hält der NRWZ vor, ein „Sam­mel­su­ri­um von nicht halt­ba­ren Anschul­di­gun­gen” gegen ihn vor­ge­bracht zu haben.

Sän­ze-Post auf der NRWZ-Face­book­sei­te

Das scheint aber wie­der nicht zu stim­men. Die NRWZ hat­te berich­tet, dass Sän­ze bis heu­te laut eige­nen Anga­ben im Land­tags­hand­buch Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter in zwei Unter­neh­men sei. Die NRWZ hat­te zunächst sei­nen beruf­li­chen Lebens­weg geschil­dert, der nach Sta­tio­nen bei ver­schie­de­nen Toch­ter­fir­men von BMW 2014 vor­läu­fig ende­te. Das ist unstrit­tig, die NRWZ erwähn­te sogar, dass beim Abschied aus einem Unter­neh­men der BMW-Grup­pe sein Nach­fol­ger Sän­zes Ver­diens­te gewür­digt hat­te.

Ein­ge­hakt hat­te die NRWZ bei Sän­zes Behaup­tung im aktu­el­len Land­tags­hand­buch, er sei Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der Fleet­Fa­brik Euro­pe mit Sitz in Sulz und Geschäfts­füh­rer und Mit­glied im Bei­rat der Car­Vi­ta Hol­ding in Ham­burg.

Die Fleet­Fa­brik war zuletzt in Liqui­da­ti­on und wur­de im Janu­ar 2018 gelöscht. Sän­ze war also nicht mehr Geschäfts­füh­rer son­dern Liqui­da­tor.

Bei der Car­Vi­ta war Sän­ze nie im Han­dels­re­gis­ter als Geschäfts­füh­rer ein­ge­tra­gen. Einen Bei­rat hat die Car­Vi­ta über­haupt nicht, erklär­te deren Geschäfts­füh­rer Jür­gen Hen­schel der NRWZ.

In sei­nem „Fak­ten­check” vom 8. Juli auf sei­ner Face­book­sei­te schil­dert Sän­ze lang und breit sei­ne ver­schie­de­nen Auf­ga­ben, die er bei BMW inne­hat­te – um die es im Arti­kel nur inso­fern ging, als er eine Pha­se sei­ner Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit für die „Alpha­bet Fuhr­park­ma­nage­ment” nicht erwähnt hat­te.

Zu sei­nen Geschich­ten zur Fleet­Fa­brik und Car­Vi­ta berich­tet Sän­ze, dass er die Fleet­Fa­brik mit einem bel­gi­schen Kol­le­gen seit 2015 auf­ge­baut habe. Nichts ande­res steht in der NRWZ. Doch dann: Bei der Car­Vi­ta habe sich die Fleet­Fa­brik 2015 betei­ligt. „Fol­ge­rich­tig wur­den mein Part­ner und ich Geschäfts­füh­rer die­ser Gesell­schaft – sie­he nota­ri­el­ler Gesell­schaf­ter­be­schluss vom 07.  Okto­ber 2015, in Anla­ge.”

Ein Teil des nota­ri­el­len Ver­trags, den Sän­ze ver­öf­fent­licht hat.

Sän­ze ver­öf­fent­licht bei Face­book den Ver­trag, den sein bel­gi­scher Part­ner und Jür­gen Hen­schel von Car­Vi­ta unter­schrie­ben haben. Sän­ze erklärt aller­dings nicht, wes­halb er nie ins Han­dels­re­gis­ter als Geschäfts­füh­rer ein­ge­tra­gen wur­de. Er erklärt auch nicht, wie er Mit­glied in einem Bei­rat wur­de, den es gar nicht gibt.

Aber was hat es mit dem nota­ri­el­len Ver­trag auf sich?

Car­Vi­ta-Chef Jür­gen Hen­schel hat­te der NRWZ berich­tet, dass Sän­ze zwar mit sei­ner Fir­ma in eine Geschäfts­be­zie­hung kom­men woll­te und dann auch Geschäfts­füh­rer gewor­den wäre. „Dies ist aber nie zustan­de gekom­men.” Wie es sich für einen han­sea­ti­schen Geschäfts­mann gehört, hat er sich zum Hin­ter­grund vor­nehm zurück­ge­hal­ten: „Die Grün­de dafür möch­ten wir in der Tie­fe nicht dar­le­gen.”

Henschel: Sänze hat nicht bezahlt

Nach­dem Sän­ze den Notar­ver­trag auf Face­book prä­sen­tiert, gibt auch Car­Vi­ta-Geschäfts­füh­rer Hen­schel sei­ne Zurück­hal­tung auf. Zunächst ver­wun­dert ihn, dass Sän­ze als „Mit­glied des Land­ta­ges sich wohl nicht an Ver­trä­ge und Ver­schwie­gen­heits­er­klä­run­gen hält und von dem The­ma Daten­schutz­grund­ver­ord­nung auch noch nicht Kennt­nis genom­men hat.”

Bei dem von Sän­ze ver­öf­fent­lich­ten Doku­ment zur Bestel­lung als Geschäfts­füh­rer hand­le es sich „um einen Teil eines Nota­ri­ats­ver­tra­ges zum beab­sich­tig­ten Kauf von Gesell­schaf­ter­an­tei­len der Car­Vi­ta Hol­ding GmbH durch die Fir­ma Fleet Fabrik Euro­pe GmbH.” Die­ser Kauf­ver­trag habe als auf­schie­ben­de Bedin­gung die Zah­lung des Kauf­prei­ses zum 31. Dezem­ber 2015 gehabt. „Da der Kauf­preis nicht bezahlt wur­de, ist der Ver­trag recht­lich nicht zustan­de gekom­men.”

Sän­ze habe meh­re­re Fris­ten ver­strei­chen las­sen, ohne dass die durch ihn ver­tre­ten­de Fir­ma Fleet­Fa­brik Euro­pe den Kauf­preis bezahlt hät­te. Im Som­mer 2016 hat Hen­schel dann dem Notar geschrie­ben, der Ver­trag mit Sän­ze sei wegen Nicht­er­fül­lung nicht zustan­de gekom­men. „Dies ist im Han­dels­re­gis­ter und der Gesell­schafter­lis­te nach­zu­voll­zie­hen”, so Hen­schel. Da er sich „nicht auf das glei­che Rechts­ni­veau wie Herr Sän­ze bege­ben” wol­le, wer­de er die ent­spre­chen­den Unter­la­gen wei­ter ver­trau­lich behan­deln, auch weil er sonst eben­falls gegen Ver­ab­re­dun­gen und Daten­schutz­be­stim­mun­gen ver­sto­ßen wür­de.

Wes­halb Sän­ze nicht bezahlt hat, wis­se er natür­lich nicht. Nur so viel: „Von all den groß­spu­rig ange­kün­dig­ten Geschäfts­an­bah­nun­gen ist nichts zustan­de gekom­men.”

Sänze: „Opfer einer Hetzkampagne wie 1933?”

Sän­ze selbst weiß, wes­halb sei­ne Fleet­Fa­brik nicht reüs­sier­te: Die Medi­en sind schuld. Er schreibt: „Die Bekannt­ga­be mei­nes Namens in der Pres­se und im Hand­buch des Land­tags, war mit dem schlei­chen­den Exo­dus unse­rer Kun­den und Part­ner in Deutsch­land und zwar nur in Deutsch­land ver­bun­den, der ent­stan­de­ne Scha­den durch den Rück­zug von Kun­den und qua­li­fi­zier­ten Anbah­nun­gen bewegt sich im sie­ben­stel­li­gen Bereich.”

Sän­ze sieht sich als Opfer (Schreib­wei­se im Ori­gi­nal): „Das wir in Deutsch­land als Par­tei­mit­glied, Funk­tio­när und Par­la­men­ta­ri­er sol­cher Het­ze aus­ge­setzt sind, obwohl legi­mi­tiert gewählt, lässt nur die Fra­ge offen, sind wir auf dem Weg zu einer Hetz­kam­pa­gne wie 1933?”

Sän­ze-Post Ende am 13. Juli 2018 mit inzwi­schen kor­ri­gier­ter Recht­schrei­bung.