In den Fängen der Vergangenheit - aber nicht ganz: Valentina Sadiku und Martin Olbertz in der neuesten Zimmertheater-Produktion "Der Abschiedsbrief", die am Samstag eine fulminante Premiere hatte. Foto: al

Bravouröser Theaterabend mit Humor und Hintersinn

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Spritzige Dialoge, mit Bravour in Szene gesetzt: Am Zimmertheater hatte Audrey Schebats lebenspralles Beziehungs-Stück „Der Abschiedsbrief” Premiere, das unterhaltsam Humor und Hintersinn verbindet. Ein begeistertes Publikum sparte nicht mit Beifall.

Am Anfang ist es fast vorbei: Julien (Martin Olbertz), ein gut situierter Psychotherapeut, will nicht mehr. Mit Internet-Anleitung knüpft er sich einen Strick. Der nur um Haaresbreite nicht zu Einsatz kommt, weil seine Frau Maud (Valentina Sadiku), eine erfolgreiche Pianistin, unerwartet früh nach Hause kommt.

Schockiert vom Beinahe-Abgang des Gatten nach 30 Ehejahren – und nicht zuletzt dem Fehlen eines passablen Abschiedsbriefs – packt diese aus, was man Schwäbisch als Schwertgosch bezeichnen könnte: Statt Mitleid auszupacken, geht sie mit dem Gemahl wortreich ins Gericht.

Es ist die Startrampe eines Abends voll funkelnder, cleverer Dialoge, in dem – auch mit überraschenden Wendungen und Einsichten – Grundfragen des Lebens verhandelt werden. In rund zwei Stunden, die man aber als viel kürzer wahrnimmt.

Denn es steckt nicht nur inhaltlich eine Menge drin, in diesem erst 2024 in deutscher Fassung uraufgeführten Stück, das spannende Facetten moderner Paare und Familien behandelt. Die 1973 geborenen Französin Audrey Schebart hat aus den Themen ein flottes, kurzweiliges Konversationsstück gemacht – wobei sie französische Humor-Traditionen etwa eines Molière brillant aktualisiert.

Das Thema Brief zeiht sich durch das Stück – hier wird schon wieder eine geschrieben. Foto: al

Nicht zuletzt hat man das Vergnügen, die Zeit mit einem fulminanten Schauspieler-Duo zu verbringen, das Peter Staatsmann mit kluger, gelungener Regie zur Entfaltung kommen lässt. Martin Olbertz bringt den Julien mit Bravour auf die Bühne, wenngleich er Feinheiten der Formulierungskunst teils allzu sehr nachlauscht.

Vielleicht steckt ihn ja die Energie noch etwas an, mit der Valentina Sadiku die bei allen Belastungen tatkräftig-lebenszugewandte Maud verkörpert. Das Spektrum an Gefühlen und Einsichten, mit denen Sadiku diese Figur füllt und ihr Bühnenpräsenz verleiht, fesselt und elektrisiert.

Alles in allem: Ein perfekter Theaterabend (nicht nur) für Ehepaare!

Info: Termine für weitere Aufführungen unter Zimmertheater-rottweil.de

Das Team erntete nach der Premiere begeisterten Applaus. Foto: al
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