Das Rathaus in Tennenbronn. Archiv-Foto: him

So betrüb­lich die Ent­schei­dung des Ort­schafts­rats für den bis­he­ri­gen Orts­vor­ste­her Stro­bel sein mag, so fol­ge­rich­tig war sie letzt­lich auch. Als städ­ti­scher Beam­ter muss­te er wis­sen, dass er sei­nem Dienst­herrn gegen­über zur Loya­li­tät ver­pflich­tet war. Das schließt kei­nes­falls aus, dass er sach­lich-kri­ti­sche Distanz zu ihm wahrt. Kri­tik in der Sache ist in sol­chen Fäl­len jedoch immer an Regu­la­ri­en gebun­den, die man im All­tag wohl als Streit­kul­tur bezeich­nen wür­de.

Genau die­se Gren­ze hat Herr Stro­bel über­schrit­ten, als er nach Art eines Guts­her­ren ver­fuhr, den inzwi­schen bekann­ten Bei­trag einer Mit­bür­ge­rin inhalt­lich gut­hieß und oben­drein noch in die Öffent­lich­keit trug. Dass Vor­gän­ge die­ser Art dienst­recht­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen, weiß jeder, der den Vor­be­rei­tungs­dienst für Beam­te durch­lau­fen hat. Sol­che Vor­schrif­ten mögen Außen­ste­hen­den bis­wei­len selt­sam oder gar anti­quiert vor­kom­men, sie erfül­len aber einen tie­fe­ren Zweck: Die Sta­bi­li­tät eines demo­kra­ti­schen Staats­we­sens basiert unter ande­rem auch auf ver­läss­li­chen Beam­ten, deren Ver­hal­ten und Han­deln stets bere­chen­bar bleibt.

Was nun die Nach­fol­ge­fra­ge betrifft, so wird die Suche nach einem geeig­ne­ten Kan­di­da­ten nicht unbe­dingt leicht wer­den. Gleich zwei Amts­in­ha­ber ver­lo­ren ihre Stel­lung nach rela­tiv kur­zer Zeit. Das Bild vom Schleu­der­sitz drängt sich dem Betrach­ter unwei­ger­lich auf. In einer Ort­schaft, deren Bewoh­ner die Zuge­hö­rig­keit zu Schram­berg teil­wei­se nicht akzep­tie­ren kön­nen oder wol­len, gerät der Orts­vor­ste­her sehr schnell in eine kaum halt­ba­re Posi­ti­on. Einer­seits ist er sei­nem Dienst­herrn ver­pflich­tet, ande­rer­seits aber will er sich für die Bür­ger sei­ner Ort­schaft und deren Inter­es­sen ein­set­zen. Er steht also immer wie­der zwi­schen den Fron­ten und kann leicht zwi­schen ihnen zer­rie­ben wer­den.

Uwe Ort­wich, Schram­berg-Ten­nen­bronn