Die Planungen für die neue Gartensaison laufen bereits und bei der Recherche zur richtigen Vorbereitung des Gartenjahres stoßen Gartenbegeisterte immer wieder auf kuriose Tipps oder Bauernregeln. Um keine Fehler zu begehen, nimmt Dr. Lutz Popp, Gartenbauexperte vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (BLGL), fünf weit verbreitete Mythen unter die Lupe. Er klärt auf, was an den Ratschlägen dran ist.
Mythos: Kaffee schützt vor Schnecken
Kaffee hat – wie so viele andere landläufig immer wieder genannte Substanzen oder Maßnahmen – keine gesicherte Wirkung gegen Schnecken. Laut Pflanzenschutzgesetz ist das Ausbringen von Kaffeesud, ebenso wie das anderer, selbst zusammengebrauter Pflanzenschutzmittel („Hausmittel“), sogar verboten. Gartenbauexperte Dr. Lutz Popp rät, zu Alternativen zu greifen: „Es gibt deutlich effektivere Methoden, um Schneckenschäden an den Pflanzen zu vermeiden, etwa Absammeln, Bierfallen oder Schneckenzäune. Wessen Gartengröße es zulässt, kann auch Hühner und Laufenten als Schneckenvertilger einsetzen. Im Idealfall kombiniert man viele verschiedene Maßnahmen miteinander.“
Mythos: Viel Dünger = optimaler Ertrag
Dieser Mythos stimmt nicht: Düngergaben erhöhen den Ertrag nur dann, wenn der Boden mit Nährstoffen unterversorgt ist, und auch nur so weit, bis ein „Sättigungspunkt“ erreicht wird. Bei dessen Überschreiten stagniert der Ertrag oder sinkt bei noch höherer Düngung sogar ab. Viele Untersuchungen der letzten Jahre und Jahrzehnte haben ergeben, dass die meisten Gartenflächen in Deutschland durch langjährig zu hohe Düngergaben stark überdüngt sind. Dies hat negative Auswirkungen auf den Ertrag, die Pflanzenqualität und die Umwelt, z. B. Nitrat im Grundwasser. Dr. Popp empfiehlt, vor Düngungsmaßnahmen eine Bodenanalyse durchzuführen, die Aufschluss über den tatsächlichen Bedarf an Nährstoffen gibt.
Mythos: Kompost stinkt immer
Auch dies ist falsch! Richtig aufgesetzter und „gepflegter“ Kompost riecht angenehm erdig oder nach Waldboden. Gestank tritt meist nur dann auf, wenn der Kompost zu feucht ist, unter Sauerstoffmangel leidet und anaerobe Prozesse ablaufen. „Ursache hierfür sind zu viele weiche und feuchte Abfälle. Der Kompost soll deshalb von Anfang an mit trockenem, strukturreichem Material versetzt werden. Außerdem ist der Kompost in regelmäßigen Abständen umzusetzen, am besten mit einer Grabgabel. So kann immer wieder ausreichend Sauerstoff eintreten, die Bildung verdichteter Klumpen vermieden und der mikrobiologische Rotteprozess aerob am Laufen gehalten werden“, so der Experte des BLGL.
Mythos: Tomaten reifen schneller, wenn man sie ins Haus bringt.
Richtig – sofern es draußen, bedingt durch das Voranschreiten der Jahreszeiten, an Sonne und Wärme fehlt. Im Herbst, bei niedrigen Tages- und vor allem Nachttemperaturen, können Tomaten grün oder leicht gelblich bis orange geerntet und ins Haus gebracht werden, denn Temperaturen um 20 °C beschleunigen die Reife deutlich. Dr. Popps Tipp: „Die Tomaten sollten in einer trockenen Schachtel oder Papiertüte gelagert werden, am besten in Gesellschaft von einer reifen Banane oder einem Apfel, denn diese produzieren das Reifegas Ethylen. Ein heller Standort mit starkem Lichteinfall ist nicht nötig, jedoch eine regelmäßige Kontrolle, um eventuell faulende Früchte frühzeitig auszusortieren.“
Mythos: Verblühte Stauden umgehend zurückschneiden
Falsch, denn das Belassen verblühter Stauden sorgt für den Verbleib nährstoffreicher Stängel- und Blattmassen auf den Beeten. Zusätzlich stellen verblühte Pflanzen samt ihrer Fruchtstände Rückzugs- und Lebensraum sowie Nahrungsangebote für viele Kleintiere dar. Erst im ausgehenden Winter oder beginnenden Frühjahr sind die dann leichten, trockenen Stängel zu entfernen – die Methode vereint also einen hohen ökologischen Wert mit weniger Arbeitsaufwand und verbessert die Bodenqualität. „Nur wenn es zu Fäulnis kommt, das Aussamen ausbreitungsfreudiger Arten verhindert oder eventuell eine Nachblüte angeregt werden soll, ist ein umgehender Rückschnitt notwendig“, informiert Dr. Popp.
Die Analyse zeigt: Die Beratung durch einen Experten hilft dabei, Halb- oder Falschwissen zu enttarnen und Tipps zu erfahren, die wirklich funktionieren. Wenn durch falsche Ratschläge versprochene Ergebnisse im Garten nicht eintreten, entsteht schnell Frust. Das Aufklären von Mythen trägt deshalb nicht nur dazu bei, den Garten nachhaltiger und effizienter zu gestalten, sondern bringt letztlich auch mehr Freude am Gärtnern.



