Jetzt goht’s los! Goht’s jetzt los? Gedanken vor Dreikönig in Rottweil

Ein Bild aus früheren Tagen: Hans Haller, Alo Kuon, Hans Mathauer, Fritz Stehle, Karl Lambrecht, Emil Rapp, Alo Schellhorn, Herbert Widmer, Josef Schmid, August Speiser und weitere, namentlich Unbekannte. Foto: Narrenzunft Rottweil

Am 6. Janu­ar beginnt sie – die fünf­te Jah­res­zeit. Dann geht’s rasch Rich­tung Fas­net. Der Rott­wei­ler Zunftschrei­ber, Pro­fes­sor Frank Huber, fasst die Stim­mung in die­sen Tagen vor­ab noch­mal zusam­men. Und er hat mah­nen­de Wor­te.

Drei­kö­nig, unter ande­rem mit Emil Rapp und Karl Vil­lin­ger. Foto: Nar­ren­zunft Rott­weil

Der kom­men­de Sonn­tag. Drei­kö­nigs­tag, Abstau­ber­tag. „Ich kann’s kaum erwar­ten! Jetzt geht’s los!“, wer­den eini­ge mit schril­ler Stim­me dem Nach­barn zuru­fen, wenn der ihn auf den Abstau­ber­tag anspricht. Ande­re hin­ge­gen gehen ganz beson­nen zur Aus­sen­dung der Abstau­ber am Sonn­tag, auf Punkt 10.45 Uhr ans Café Schäd­le. „

Am Absch­tau­ber­dag do blin­zelt oim dia alt Fas­net halt scho mol zua. Meh aber au it“, mei­nen oft jene völ­lig unauf­ge­regt. Und so ganz unrecht haben sie ja auch nicht. Rott­weil will am Abstau­ber­tag nicht das gro­ße Spek­ta­kel sein. Ande­re Zünf­te im Umkreis kön­nen das weit­aus bes­ser.

In Rott­weil hin­ge­gen zeich­nen eher lei­se­re, dafür fami­liä­re­re Töne die­sen Tag aus. Wer in der Abend­däm­me­rung des Tages ein Abstau­ber­paar (soweit es noch geht) wür­de­voll mit Zylin­der, Stock und Later­ne auf die Haupt­stra­ße ein­bie­gen sieht, wer in einer Bür­ger­stu­be mit den schwarz befrack­ten Sau­ber­män­nern schwär­me­risch über die ver­gan­ge­ne und künf­ti­ge Fas­net spricht, wer mit die­sen när­ri­schen Gesel­len am Küchen­tisch offen­her­zig über Freud‘ und Leid in der Fami­lie spricht, dem kann auf­ge­hen, was der Abstau­ber­tag vie­len Rott­wei­lern und den Abstau­bern bedeu­tet.

Laut­stär­ke oder öffent­lich­keits­wirk­sa­me Insze­nie­rung sind wahr­lich nicht das Wesent­li­che an die­sem Tag. Man soll­te den Abstau­ber­tag und Rott­weils höchs­te Fei­er­ta­ge daher nicht an Klicks, Zahl an Vide­os auf You­tube, Sen­de­zei­ten, Ein­schalt­quo­ten und Spal­ten­zah­len in Pres­se, Funk und Fern­se­hen mes­sen.

Ob die Rott­wei­ler Bür­ger jeweils eine glück­se­li­ge Fas­net oder am kom­men­den Sonn­tag einen schö­nen Abstau­ber­tag erle­ben, lässt sich eben nicht an der Reso­nanz der (sozia­len) Medi­en able­sen.

Viel­mehr hängt ein hei­me­li­ger Abstau­ber­tag oder eine glück­se­li­ge Fas­net von jedem Ein­zel­nen ab: Wie er sich ein­bringt, in wel­chem Umfang er sei­ne Ori­gi­na­li­tät und sei­nen Witz für das Brauch­tum akti­viert, auf sei­ne Mit­men­schen zugeht und hilft, All­tags­sor­gen bis zum Ascher­mitt­woch­mor­gen ver­ges­sen zu las­sen.

Völ­lig neben­säch­lich ist dabei, wie oft ein Narr foto­gra­fiert oder gar gefilmt wird. Auch das pos­ten von sich selbst im Nar­ren­kleid wirkt da nur jäm­mer­lich und doku­men­tiert ledig­lich die Unwis­sen­heit des Nar­ren über das Brauch­tum, das er aus­übt. War­um? Weil das Brauch­tum ein­fach wich­ti­ger ist als die Reso­nanz und die Selbst­in­sze­nie­rung.

Das wird in Rott­weil nicht immer und außer­halb unse­rer Stadt ganz sel­ten ver­stan­den. Die­je­ni­gen jedoch, die am Sonn­tag von den Abstau­bern Besuch bekom­men wer­den, und die­je­ni­gen, die sich ein­fach dar­an freu­en, dass der Nar­ren­meis­ter 30 stol­ze Brauch­tums­pfle­ger mit Flie­ge und Blu­me im Knopf­loch zur Erwe­ckung der Fas­net aus­sen­den wird, für die ist die Reso­nanz unwich­tig. Für sie zählt nur eins: die Fas­net, die sich jedem zur Freu­de und nie­mand zum Lei­de in ein paar Wochen wie seit hun­der­ten von Jah­ren in aller Pracht ihre Bahn bricht.

Wer Teil der när­ri­schen Fami­lie sein will, trifft alle Abstau­ber und alle der Fas­net treu ver­bun­de­nen Bür­gers­leu­te schließ­lich am Drei­kö­nigs­tag ab 21 Uhr im Gast­haus Gol­de­ner Apfel. Die Nar­ren­zunft freut sich auf Besu­cher.