Um die rot markierte Fläche geht es. Quelle: Google Maps

Einem im Rott­wei­ler Orts­teil Büh­lin­gen ange­sie­del­ten Kfz-Meis­ter­be­trieb wird die Betriebs­flä­che zu klein. Am aktu­el­len Stand­ort kön­ne das Unter­neh­men nicht erwei­tern, so die Stadt­ver­wal­tung. Nun will sie dem Betrieb eine alter­na­ti­ve Flä­che anbie­ten – bis­lang ein Grün­stück am Orts­ein­gang. Ein neu­er Bebau­ungs­plan soll das mög­lich machen. Der Bau­aus­schuss des Gemein­de­rats gab am Mitt­woch sein Okay dazu. Büh­lin­ger Bür­ger ste­hen offen­bar hin­ter dem Pro­jekt. Sie sol­len sich aber noch äußern dür­fen.

Der neue Bebau­ungs­plan soll „Gewer­be­ge­biet Sta­di­on­stra­ße – Ober­dorf“ hei­ßen. Sein ein­zi­ger Hin­ter­grund ist die geplan­te Betriebs­ver­la­ge­rung und Erwei­te­rung der in Rott­weil-Büh­lin­gen ansäs­si­gen Kfz-Werk­statt Häring. „Eine Erwei­te­rung am bestehen­den Betriebs­stand­ort ist auf­grund der räum­li­chen Enge nicht mög­lich”, so die Stadt­ver­wal­tung in ihrer Vor­la­ge für den Gemein­de­rat. „Um lang­fris­tig die Exis­tenz des orts­an­säs­si­gen Unter­neh­mens zu gewähr­leis­ten, sol­len die ent­spre­chen­den pla­nungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen wer­den”, heißt es wei­ter.

Beim Plan­ge­biet han­delt es sich um eine Grün­flä­che mit 2145 Qua­drat­me­tern im Drei­eck zwi­schen der Büh­lin­ger Sport­an­la­ge, der Sta­di­on­stra­ße und der Stra­ße Dar­ren­baum, die im Rah­men einer Prü­fung alter­na­ti­ver Stand­ort­mög­lich­kei­ten in Büh­lin­gen sich als ein­zi­ge Mög­lich­keit zur Rea­li­sie­rung des Pla­nungs­ziels her­aus­kris­tal­li­siert habe. Geplant wird die Neu­dar­stel­lung einer gewerb­li­chen Bau­flä­che mit der Grö­ße von 1530 Qua­drat­me­tern nörd­lich der Wohn­bau­flä­chen im Bereich des Rott­wei­ler Orts­teils. Dazu soll eine Grün­flä­che teil­wei­se umge­wan­delt wer­den. Die Grün­flä­che soll als Abstands­flä­che zwi­schen den süd­lich gele­ge­nen Wohn­nut­zun­gen und den nörd­lich gele­ge­nen Ver­kehrs­flä­chen die­nen, so die Stadt­ver­wal­tung.

Stand­ort der neu­en Werk­statt. Fotos: Stadt­ver­wal­tung Rott­weil

Die neue Kfz-Werk­statt wird also am Orts­ein­gang von Büh­lin­gen lie­gen, der Abzwei­gung auf die B 14 gleich gegen­über. Die bestehen­de Baum­grup­pe soll erhal­ten blei­ben. Die nächs­ten Wohn­häu­ser ste­hen gera­de über die Stra­ße weg. Ein Neu­bau darf maxi­mal zehn Meter hoch wer­den. Plä­ne exis­tie­ren noch nicht.

Der­zeit arbei­ten zwei Mit­ar­bei­ter für die Werk­statt. Am neu­en Stand­ort sol­len es mehr wer­den, bis zu fünf oder sechs. Der bis­he­ri­ge Stand­ort der Werk­statt ist auf dem Gelän­de eines pri­va­ten Wohn­ge­bäu­des.

Alter­na­ti­ve Flä­chen stün­den in Büh­lin­gen nicht zur Ver­fü­gung oder sei­en nicht im Eigen­tum der Stadt. Auch gebe es kei­ne Brach­flä­chen zur Nach­nut­zung. 

Wir haben gro­ße Anstren­gun­gen unter­nom­men, eine geeig­ne­te Flä­che zu fin­den”, so Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf. 

Die Bau­ver­wal­tung sieht den Fall als spe­zi­ell, als Ein­zel­fall. So sei der Kfz-Meis­ter­ser­vice lang­jäh­rig in Büh­lin­gen ansäs­sig und befin­de sich auf einer als Dorf­ge­biet fest­ge­setz­ten Flä­che. Der Inha­ber wol­le die Werk­statt erwei­tern – und zwar in räum­li­cher Nähe der bestehen­den, da in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine enge Kun­den­bin­dung auf­ge­baut wor­den sei. „Eine Ver­la­ge­rung der Werk­statt in einen ande­ren Orts­teil von Rott­weil kann daher durch den Inha­ber nicht in Betracht gezo­gen wer­den”, argu­men­tiert die Stadt­ver­wal­tung.

Als Erwei­te­rung und Ersatz der bis­her bestehen­den Werk­statt sei ein Gebäu­de mit einer Grund­flä­che von etwa 350 Qua­drat­me­tern geplant, in dem neben der Kfz-Werk­statt auch Büros unter­ge­bracht wer­den kön­nen. Außer­dem sei­en Stell­flä­chen für PKW auf dem Gelän­de außer­halb des Gebäu­des erfor­der­lich. Eine typi­sche Kfz-Werk­statt.

Das der­zeit genutz­te Grund­stück bie­te kei­ner­lei Erwei­te­rungs­mög­lich­kei­ten, die Lage im ver­hält­nis­mä­ßig eng bebau­ten Innen­be­reich in Büh­lin­gen las­se das nicht zu. Angren­zen­de freie und ver­füg­ba­re Grund­stü­cke inner­halb der als Dorf- oder Misch­ge­biet dar­ge­stell­ten Flä­chen in Büh­lin­gen exis­tier­ten nicht, so die Bau­ver­wal­tung wei­ter.

Die Stadt hat nach eige­nen Anga­ben ein Alter­na­ti­ven­prü­fung vor­ge­nom­men. Sie kommt zum Schluss: „Zur Rea­li­sie­rung des Pla­nungs­ziels ste­hen kei­ne Alter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung.”

Der Regio­nal­plan Schwarz­wald-Baar-Heu­berg aus dem Jahr 2003 weist die Flä­che als schutz­be­dürf­ti­gen Bereich für die Boden­er­hal­tung und Land­wirt­schaft (Vor­rang­flur) aus. Die Flä­chen sol­len nur im unbe­dingt not­wen­di­gen Umfang für Sied­lungs- und  Infra­struk­tur­zwe­cke in Anspruch genom­men wer­den. Die Stadt sieht das Vor­ha­ben aller­dings als unbe­dingt nötig an. Das Plan­ge­biet liegt aller­dings außer­halb von natur­schutz­recht­li­chen Schutz­ge­bie­ten.

Der Inves­tor, Kfz-Meis­ter Häring, rech­net bei dem Neu­bau mit Auf­la­gen des Umwelt­schut­zes. Er sei selbst auf die Behör­de zuge­gan­gen, so die Stadt­ver­wal­tung. Die­se hält die Auf­la­gen für die in einem Was­ser­schutz­ge­biet lie­gen­de Flä­che bereits nicht für ein K.O.-Kriterium.

Nach dem Auf­stel­lungs­be­schluss, den der Gemein­de­rat in der kom­men­den Woche fas­sen soll, ist auch eine soge­nann­te Früh­zei­ti­ge Öffent­lich­keits- und Behör­den­be­tei­li­gung geplant. 

Der Bau­aus­schuss hat bereits ein­mü­tig zuge­stimmt. SPD-Stadt­rat Dr. Jür­gen Mehl bezeich­ne­te die Flä­che etwa als „her­vor­ra­gend geeig­net”, weil „aus allen Rich­tun­gen Autos dar­auf hin zukom­men. „Das Eck ist öko­lo­gisch nicht sehr wert­voll und land­schaft­lich ver­nach­läs­sig­bar”, so der FFR-Stadt­rat Rei­ner Hils. Für die CDU bezeich­ne­te es Her­bert Sau­ter als „gut und wich­tig”, dass nun eine Ersatz­flä­che habe gefun­den wer­den kön­nen. Das Pro­jekt sei zu unter­stüt­zen. Auch die Grü­nen Hubert Nowack und Jochen Bau­mann stimm­ten zu.

Die Kos­ten­sei­te ist geklärt: Der Betriebs­in­ha­ber soll die Kos­ten des Bebau­ungs­plan­ver­fah­rens und aller damit erfor­der­li­chen Gut­ach­ten und Unter­su­chun­gen tra­gen. Das wird nicht bil­lig, die Stadt hat ein Pla­nungs­bü­ro ein­ge­schal­tet. Der Inves­tor soll zudem die ver­wal­tungs­in­ter­nen Kos­ten für Maß­nah­men und Tätig­kei­ten der  Stadt­ver­wal­tung und ihrer Bediens­te­ten im Rah­men des Bebau­ungs­plan­ver­fah­rens, die
auch auf pri­va­te Drit­te über­tra­gen wer­den kön­nen, etwa für die Ein­ho­lung und Aus­wer­tung der Stel­lung­nah­men der Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge und der Anre­gun­gen der Bür­ger, tra­gen.