Es ist bis­her nur ein Vor­schlag aus der Ver­wal­tung. Einer, der einen län­ge­ren Abwä­gungs­pro­zess, wie es heißt, hin­ter sich habe. Aber wie auch etwa in der Alt­stadt und in Gölls­dorf will die Stadt Rott­weil Tem­po 30 in einem Teil der Marx­stra­ße ein­rich­ten. Das geht aus einem Ver­kehrs­be­richt her­vor, der mor­gen im Gemein­de­rats­aus­schuss behan­delt wer­den wird.

30 Kilo­me­ter pro Stun­de vor Schulen/Kindertagesstätten – „die­se Initia­ti­ve des Minis­te­ri­ums für Ver­kehr- und Infra­struk­tur Baden-Würt­tem­berg haben wir bereits mehr­fach genutzt”, so Bernd Pfaff in sei­ner Gemein­de­rats­vor­la­ge. Der Fach­be­reichs­lei­ter ver­weist etwa auf die Römer­stra­ße und dort vor der Römer­schu­le, und auf die Schul­stra­ße in Gölls­dorf. „Wir hal­ten – nach einem län­ge­ren Abwä­gungs­pro­zess – auch die Marx­stra­ße vor dem Kin­der­gar­ten Him­mel­reich für eine zeit­lich befris­te­te Geschwin­dig­keits­re­du­zie­rung
auf 30 Kilo­me­ter pro Stun­de (Mo.- Fr. und 7 bis 17 Uhr) für geeig­net.” Der Rott­wei­ler Gesamt­el­tern­bei­rat hat­te das zudem für Tei­le der Heer­stra­ße gefor­dert. „Das stim­men wir der­zeit noch ab”, so Pfaff.

Zugleich kann der Chef der Rott­wei­ler Ord­nungs­ver­wal­tung dem Gemein­de­rat eine schö­ne Zahl vor­le­gen: „Erfreu­lich ist das Rekord­tief bei Schul­weg­un­fäl­len”, schreibt er, „da sich in 2017 kein ein­zi­ger Schul­weg­un­fall ereig­net hat.” 2016 gab es noch drei, auch in den Jah­ren zuvor gab es immer wie­der ein paar.

Die drei töd­li­chen Unfäl­le, die laut Pfaffs Ver­kehrs­be­richt 2017 im Stadt­ge­biet bezie­hungs­wei­se auf der Gemar­kung Rott­weil pas­siert sind, macht er an indi­vi­du­el­len Grün­den fest. So starb ein 48-jäh­ri­ger Auto­fah­rer im Juli 2017 auf der B 27 zwi­schen Neu­kirch und Rott­weil, da er auf die Gegen­fahr­bahn geriet. „Er war nicht ange­schnallt”, so Pfaff. Ein 49-jäh­ri­ger LKW-Fah­rer kipp­te sein Fahr­zeug im Novem­ber ent­lang des Kreis­ver­kehrs L 424/B27, Umfah­rung Rott­weil um und ver­starb an den Unfall­fol­gen. „Er war nicht ange­gur­tet.” Im August erlag ein 57-jäh­ri­ger Fahr­rad­fah­rer unter­halb der Dut­ten­ho­fer­stra­ße sei­nen Ver­let­zun­gen, als er mit hoher Geschwin­dig­keit gegen das Bahn­brü­cken­ge­län­der im Neckar­tal prall­te und etwa acht Meter tief fiel. „Er stand ver­mut­lich unter Alko­hol­ein­fluss.”

Der Ord­nungs­amts­lei­ter macht bun­des­weit sin­ken­de Zah­len töd­li­cher Unfäl­le aus. Er lei­tet dar­aus „gewal­ti­ge Fort­schrit­te” ab „und die geziel­ten Anstren­gun­gen aller, wie bei­spiels­wei­se auch die der Kraft­fahr­zeug­in­dus­trie und deren Wei­ter­ent­wick­lun­gen der akti­ven und pas­si­ven Kraft­fahr­zeug­si­cher­heit oder auch die der Poli­zei und der Städ­te im Rah­men ihrer Ver­kehrs­über­wa­chun­gen, um das Leben aller am Ver­kehr Betei­lig­ten siche­rer, ja im wahrs­ten Wort­sinn über­le­bens­si­cher zu machen.” Auch die fort­ge­schrit­te­ne medi­zi­ni­sche Not­fall­ver­sor­gung und die zuneh­men­de Pro­fes­sio­na­li­sie­rung aller Ret­tungs­kräf­te wür­den einen gro­ßen Anteil am Rück­gang der Zahl der töd­li­chen Unfäl­le tra­gen. Hin­zu kom­me eine Viel­zahl von geziel­ten Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, wie eben auch die häu­fi­gen Ver­kehrs­über­wa­chungs­ak­tio­nen.

Und da ist Pfaff bei dem The­ma, bei dem er wohl den meis­ten Wider­spruch erhält: Geschwin­dig­keits­über­wa­chun­gen. Die erklärt er zu Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, nicht zu einem Mit­tel, die Stadt­kas­se zu fül­len, wie den Ord­nungs­äm­tern immer wie­der von Auto­fah­rern vor­ge­wor­fen wird. 

Seit 23 Jah­ren führt die Stadt Rott­weil nach Pfaffs Dar­stel­lung mobi­le Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen durch. Mit 50 Mess­ta­gen „haben wir unse­re seit Jah­ren hohe Fre­quenz kon­stant erhal­ten kön­nen. Die Aus­las­tungs­gren­zen durch die Fall­be­ar­bei­tun­gen in unse­rem Ord­nungs­amt sind damit aber auch aus­ge­reizt.” Will hei­ßen: Mehr ist nicht drin.

An wie­der­um 60 ver­schie­de­nen Ein­satz­stel­len sei­en Mess­punk­te ein­ge­rich­tet wor­den. Ins­ge­samt sei­en 83.933 Fahr­zeu­ge im Rah­men die­ser mobi­len städ­ti­schen Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen über­wacht wor­den, wobei genau 5212 Fahr­zeug­len­ker , also genau 6,2 Pro­zent bean­stan­det wor­den sei­en. Die Zah­len bewe­gen sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf einem ähn­li­chen Niveau.

Bei der bei der Aus­wahl der Mess­stel­len hät­ten die Erfah­run­gen der Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter, aber auch Hin­wei­se der Poli­zei oder Anre­gun­gen von Bür­gern eine Rol­le gespielt. Es wur­de in den Geschwin­dig­keits­be­rei­chen 80, 70, 50, 30 und 20 Kilo­me­ter pro Stun­de bezie­hungs­wei­se  im ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich über­wacht – wo nur Schritt­ge­schwin­dig­keit erlaubt ist. Das Tem­po, das unge­fähr dem eines Fuß­gän­gers ent­spricht.

Beson­ders auf­fäl­li­ge Zah­len hät­ten die Stra­ßen­zü­ge gelie­fert, die eben­ein beson­ders nie­de­res Geschwin­dig­keits­ni­veau zulas­sen, wie eben die 20-er Zonen, etwa die Schlacht­haus­stra­ße und die Neu­tor­stra­ße. „Aber hier muss zugleich gese­hen wer­den, dass fast drei Vier­tel aller Ver­stö­ße nur eine Über­schrei­tung von bis zu 10 Kilo­me­ter pro Stun­de  betra­gen”, so Pfaff. 

Der Ver­kehr in der Hoch­brück­tor­stra­ße – einem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Geschäfts­be­reich mit 20 Kilo­me­tern pro Stun­de – sei nach der Fer­tig­stel­lung erst­ma­lig im Novem­ber 2011 über­wacht wor­den. „Die­ser als Modell­ver­such des Lan­des Baden-Würt­tem­berg begon­ne­ne Ver­kehrs­raum, der das Haupt­stra­ßen­kreuz unsi­gna­li­siert lässt, hat sich wei­ter posi­tiv eta­bliert”, so der Fach­be­reichs­lei­ter. Dies zeig­ten die gerin­gen Unfall­zah­len. Die städ­ti­schen Mes­sun­gen zeich­ne­ten eben­so ein posi­ti­ves Bild, auch wenn die Unte­re Haupt­stra­ße eine doch höhe­re Bean­stan­dungs­quo­te mit fast 19 Pro­zent auf­wei­se. Aller­dings lägen mehr als 73 Pro­zent der Bean­stan­dun­gen unter­halb des Zehn-Stun­den­ki­lo­me­ter-Bereichs.

Auch den tem­po­rär, also nur wäh­rend der Schul­zei­ten zu fah­ren­den 30-km/h-Beschrän­kun­gen vor der Römer­schu­le und vor der Grund­schu­le Gölls­dorf gel­te das Augen­merk der Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter. Dort wür­den 15 bezie­hungs­wei­se 13 Pro­zent der Fah­rer zu schnell sein. Glei­ches gel­te für die in Neu­kirch als Tem­po 30 (frü­her Tem­po 50) aus­ge­wie­se­ne Zepfen­ha­ner Stra­ße. Sie hat 17 Pro­zent Bean­stan­dungs­quo­te erreicht – sank damit aber von zuletzt  22 und 18 Pro­zent in den bei­den Jah­ren zuvor. 

„Auch in der Fich­ten- und der und Neckar­stra­ße fällt es den Kraft­fah­rern offen­sicht­lich schwe­rer, sich an die 30 Kilo­me­ter pro Stun­de zu hal­ten”, so Pfaff. Wie auch in der Steig­stra­ße beim Tele­kom­turm. Dort habe die Stadt 2017 den Ver­kehr noch­mals stär­ker über­wacht. Die Bean­stan­dungs­quo­te von 16 Pro­zent, letzt­jäh­rig unter 13, zei­ge, die Not­wen­dig­keit wei­te­rer Über­wa­chun­gen. Die Abschüs­sig­keit des Stra­ßen­ver­laufs ver­lo­cke offen­bar, etwas schnel­ler zu fah­ren.

In der Gesamt­be­trach­tung wer­de aber deut­lich, dass 89,3 Pro­zent der Bean­stan­dun­gen aller Geschwin­dig­keits­über­schrei­tun­gen Berei­che von nur bis zu 15 Kilo­me­tern pro Stun­de betref­fen. Die Über­schrei­tun­gen von bis zu 20 Sachen lagen bei  7,4 Pro­zent aller gemes­se­nen Ver­kehrs­teil­neh­mer. Wer 21 Stun­den­ki­lo­me­ter zu schnell oder schnel­ler fuhr, wur­de mit einem Buß­geld und einem Punk­te­ein­trag belegt. Dies waren nur noch 2,1 Peo­zent der Kraft­fah­rer. Die übri­gen Ver­stö­ße hät­ten im Ver­war­nungs­geld­be­reich von 15 bis 35 Euro gele­gen. „Die­se Ergeb­nis­se las­sen sich ins­ge­samt wie­der jenen der Vor­jah­re zuord­nen”, so Pfaff.

Alle Buß- und Ver­war­nungs­gel­der zusam­men gerech­net habe die Stadt im Jahr 2017 111.110 ein­ge­nom­men. Für die ver­ein­bar­ten Mess­ta­ge samt der Aus­wer­tun­gen muss­te sie davon 20.600 Euro hin­blät­tern. Die Kos­ten für das städ­ti­sche Per­so­nal und für den städ­ti­schen Auf­wand ins­ge­samt habe bei 22.000 Euro gele­gen. Dar­in ent­hal­ten sei­en antei­li­ge Per­so­nal­kos­ten, Soft­ware­pfle­ge und Zustell­ge­büh­ren. Die genann­ten Zah­len beweg­ten sich eben­so im Rah­men der Vor­jah­re.

Ergän­zend habe das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen auch im ver­gan­ge­nen Jahr wie­der eige­ne Geschwin­dig­keits­mes­sun­gen vor­ge­nom­men, meist mit der „Laser-Pis­to­le”. Die Bun­des­stra­ßen um Rott­weil bil­de­ten dabei einen Über­wa­chungs­schwer­punkt.

Die sta­tio­nä­ren Geschwin­dig­keits­mess­an­la­gen, die seit Janu­ar 2003 in Betrieb sind, „haben wie­der sehr nach­hal­tig zur Ein­hal­tung der Geschwin­dig­keits­ni­veaus in den Orts­durch­fahr­ten Neu­kirch und Hau­sen bei­ge­tra­gen”, urteilt Pfaff. Im Ver­gleich zum Vor­jahr habe die Bean­stan­dungs­quo­ten das – wei­ter sehr nied­ri­ge – Niveau gehal­ten. Sie liegt mit 0,023 Pro­zent in einem äußerst nie­de­ren Pro­mil­le­be­reich. Ins­ge­samt sei­en in Neu­kirch und Hau­sen 2017 mehr als 2,4 Mil­lio­nen Kraft­fahr­zeu­ge über­wacht wor­den – zu schnell waren aber nur 712. Die­se brin­gen es auf Buß- und Ver­war­nungs­gel­der in Höhe von 15.330 Euro. Fast 10.000 davon aber fres­sen die Anla­gen allein an Betriebs­kos­ten (Aus­wer­tun­gen, Eich­ter­mi­ne, Mate­ri­al- und War­tungs­kos­ten sowie der Per­so­nal­auf­wand) auf.