Stadt Rottweil checkt Rettungswege – im Johannserort fällt ein halber Parkplatz weg

Hier geht es eng zu. Zu eng für die Drehleiter der Rottweiler Feuerwehr. Foto: gg

Die Bewoh­ner der Innen­stadt­vier­tel wis­sen das: Im Ernst­fall wird die Feu­er­wehr mit ihren Groß­fahr­zeu­gen nur mit Mühe durch die engen Gas­sen kom­men. Wie eng es tat­säch­lich zugeht, woll­te nun die Stadt­ver­wal­tung wis­sen. Frei­tag­mor­gen war Ver­kehrs­schau. Sie ergab Ände­run­gen.

Hier ist Schluss: Die Dreh­lei­ter kommt nicht wei­ter. Bernd Pfaff (rechts) Chris­toph Steil­ner (Mit­te) und Ste­fan Rut­ert sind Augen­zeu­gen. Foto: gg

Die his­to­ri­sche Rott­wei­ler Innen­stadt, so pit­to­resk sie ist, sie ist nicht im Hin­blick auf die Belan­ge von Ret­tungs­kräf­ten aus­ge­legt. Die Gas­sen sind eng und oft zudem von Anwoh­nern und vor allem von Gäs­ten zuge­parkt. Die Feu­er­wehr bekä­me in einem Ernst­fall teils mas­si­ve Pro­ble­me, zum Ein­satz­ort vor­zu­drin­gen. 

Etwa die Dreh­lei­ter der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Rott­weil. Das Fahr­zeug aus den 1990-ern ist genau zehn Meter lang, 2,40 Meter breit und knapp drei Meter hoch. Ihr Korb hängt auf knapp über zwei Metern. 

 

Das schwar­ze Auto im Vor­der­grund ist vor­schrifts­mä­ßig geparkt und wahr­lich kei­ne Groß­raum­li­mou­si­ne. Aber es muss weg, sonst kommt die Dreh­lei­ter nicht durch. Foto: gg

Den Wagen um die engen Ecken in den Rott­wei­ler Gas­sen zu zir­keln, ist ein Job, den Haupt­brand­meis­ter Her­mann Alf natür­lich beherrscht. Aber er kommt mit dem Fahr­zeug an natür­li­che Gren­zen. Häu­ser­wän­de und -ecken, Fahr­zeu­ge, Pol­ler, Müll­ei­mer, eine Stra­ßen­la­ter­ne, alles ist plötz­lich im Weg. Für Alf geht es um Zen­ti­me­ter. Und der Korb der Dreh­lei­ter passt nur knapp über die par­ken­den Autos. Wenn dort ein Mini­van stün­de? 

An die­sem Mor­gen ist Alf zunächst im Johann­ser­ort. Der Feu­er­wehr­mann kur­belt und lenkt, fährt vor­wärts, setzt zurück – kei­ne Chan­ce. Nach ein paar Metern ist Schluss, er muss auf­ge­ben. Die Ecke Kame­ra­l­amts-Johann­s­er­gas­se ist für das Dreh­lei­ter­fahr­zeug der Fir­ma Iveco/Magirus nicht befahr­bar. Doch der Ret­tungs­weg ist alter­na­tiv­los, wenn etwa das Kon­vikt, ein Inter­nat, bren­nen wür­de. 50 Schü­le­rin­nen und Schü­ler ab Klas­se 5 woh­nen dar­in. Das Per­so­nal kommt noch dazu. Im Brand­fall zähl­te jede Sekun­de – und dann steckt die Dreh­lei­ter fest. Undenk­bar.

Alf lenkt das schwe­re Gerät unter den wach­sa­men Augen der übri­gen Teil­neh­mer an die­ser Ver­kehrs­schau: Der städ­ti­sche Fach­be­reichs­lei­ter Bernd Pfaff, Chris­toph Steil­ner, der zustän­di­ge Ver­kehrs­ex­per­te beim Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen, und Ste­fan Rut­ert von der Abtei­lung Tief­bau sind mit von der Par­tie.

Pfaff dik­tiert sich die Erkennt­nis­se ins Auf­nah­me­ge­rät. Der Beschluss ist schnell gefasst: Im Johann­ser­ort, an der beschrie­be­nen Ecke, wird ein hal­ber Park­platz weg­fal­len. Denn erst als das Auto, das dort, am Kon­vikts­ge­mäu­er gestan­den hat­te, umge­parkt wor­den war, kommt die Dreh­lei­ter eini­ger­ma­ßen durch. Ein Glück, dass der Wagen dem Mann von der NRWZ gehört. So ist das Platz­pro­blem rasch gelöst. 

Man muss übri­gens erwäh­nen, dass die Anwoh­ner des Johann­ser­vier­tels, die allein­be­rech­tigt sind, in den Gas­sen zu par­ken, ihre Wagen an die­sem Mor­gen vor­bild­lich abge­stellt haben. Kei­ner steht außer­halb der aus­ge­schil­der­ten Berei­che, alle par­ken nah an den Gebäu­de­mau­ern. Und der Gast aus einem nahe gele­ge­nen Hotel, der mit sei­nem Wagen am frü­hen Mor­gen noch ver­bots­wid­rig in der Ecke gestan­den hat­te, war zwi­schen­zeit­lich weg­ge­fah­ren.

Dort, wo der Wagen nur eini­ge Minu­ten vor­her noch gestan­den hat­te, wird ein wei­te­res Hin­weis­schild ange­bracht, auch das ein Beschluss der Ver­kehrs­schau­teil­neh­mer. Sie sol­len dar­auf auf­merk­sam machen, dass die­ser Platz frei gehal­ten wer­den muss, kei­nes­falls zuge­parkt wer­den darf. Ob sich die Auto­fah­rer, vor allem die Aus­wär­ti­gen dar­an hal­ten? Man wird sehen.

Alf der­weil, der Feu­er­wehr­mann, ist mit der Dreh­lei­ter schon in die nächs­te Gas­se unter­wegs. In den Lorenz­ort. Auch dort wird er zu kur­beln haben.