Corona-Demos: Kritik des Kinderschutzbundes

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Die verschiedenen Aufzüge von Gegnern der Corona-Maßnahmen am vergangenen Wochenende haben  in den sozialen Medien ein breites Echo gefunden. Dabei  gab es auch Kritik daran, dass die Demonstrantinnen und Demonstranten immer wieder gegen die Auflagen verstoßen haben, einen Mund-Nasenschutz zu tragen. Der Veranstalter hatte dazu zwar immer wieder aufgefordert, doch etliche Leute hielten sich nicht daran. In einer Stellungnahme zu den Corona-Maßnahmen-Gegner-Demonstrationen in Schramberg kritisiert der Kinderschutzbund ebenfalls die Parolen und Auftritte der Corona-Demonstranten.

Kinderschutzbund: Kritik an den Corona-Massnahmen ist berechtigt…

Der Vorsitzende der Schramberger Ortsgruppe Peter Schimak schreibt dazu, die Bedeutung von Schulen und Kitas für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen sei leider erst relativ spät erkannt worden. Dabei gehe es nicht nur um Vermittlung von Bildungsinhalten, sondern um die Voraussetzungen für  eine gute  psychosoziale Entwicklung von jungen Menschen.

„Leider sind durch die Coronamutationen gerade auch Kinder und Jugendliche stärker gefährdet als bei den ersten beiden Wellen der Epidemie. Es wird zu einem fast unlösbaren Widerspruch, die Kinder einerseits zu schützen ohne sie in ihrer psychosozialen Entwicklung zu strangulieren.“

Insofern halte der Kinderschutzbund Proteste und eine kritische Betrachtung des bisherigen Krisenmanagements von Regierungen für sehr berechtigt. „Und wir begrüßen konkrete Vorschläge, um zumindest eine gewisse Entspannung in der Pandemie zu erreichen.“ Dazu gehöre eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Lehrern und Lehrerinnen und ihren Klassen, die nicht nur digital erfolgen sollte.  Weiter solle man über Formen von Wechselunterricht sowie technische Erleichterungen wie Luftreinigungsgeräte nachdenken, so Schimak.

Gesehen bei Corona-Korso. Foto: him

„…aber Kinder werden für elterlichen Aktivitäten missbraucht.“

„Verwerflich“ allerdings seien Parolen dieser Corona Demonstranten: „Schule ist kein Konzentrationslager“. Auch dass das „Lied der Moorsoldaten“ erklinge. „Wer sich ernsthaft mit der nationalsozialistischen Geschichte Deutschland beschäftigt hat, kann sich über solche Vergleiche nur empören“, schreibt der Kinderschutzbund-Vorsitzende und fragt: „Was will man eigentlich damit erreichen mit einen martialischen Auftritt des ‚Pestdoktors‘ mit seinen Gefolgsleuten?“ Viele Kinder hätten teilweise ängstlich und verunsichert darauf reagiert.

„Pestdoktor“: Auftritt in der Fußgängerzone

Der Kinderschutzbund sehe die Gefahr, „dass durch solche Parolen und Auftritte auf dem Rücken von Kindern diese letztlich missbraucht werden für wenig ausgegorene Aktivitäten von Eltern“.

Revierleiter Lederer: „Ich wollte eine Eskalation vermeiden“

Wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht wird es wohl keine Bußgeldverfahren geben. Das hat Revierleiter Jürgen Lederer auf Nachfrage der NRWZ erklärt. Es sei in der Situation am Samstag nicht möglich gewesen, Personenkontrollen durchzuführen.

Ein NRWZ-Leser findet, es seien ja Verstöße gegen die Corona-Regeln gewesen, und Regeln sollten doch für alle gelten. Revierleiter Lederer erinnert an die Situation am Samstagnachmittag: „Es waren mehr als 200 Leute, ich hatte etwa 20 Einsatzkräfte zur Verfügung.“ Für eine Personenkontrolle brauche er jeweils zwei Beamte. Durch die neun Antifa-Gegendemonstranten sei die Lage angespannt gewesen. Hätte er seine Beamten für Personenkontrollen eingesetzt, wäre ihm „die Kontrolle der Demonstration aus der Hand  geglitten“, so Lederer auf Nachfrage der NRWZ. „Für mich hatte es oberste Priorität, die Demonstranten zu schützen.“

Oberste Priorität: Demonstranten schützen und Eskalation vermeiden.

Die Frage sei natürlich berechtigt, weshalb die Verstöße nicht geahndet würden. Hätte er aber Kontrollen angeordnet, „wären meine Kräfte verbraten worden“, so Lederer. Im Sinne der Gleichbehandlung hätte er zudem ja alle, die gegen die Auflagen verstoßen haben, kontrollieren lassen müssen. Lederer: „Ich nehme das ganz auf meine Kappe.“

Die Leiterin des Schramberger Ordnungsamtes Cornelia Penning, bestätigt, dass bei den Demos das Personal fehle, um alle zu kontrollieren und persönliche Daten aufzunehmen. Penning, die wie Lederer die gesamte Zeit vor Ort war, versichert, der Polizei sei es wichtig, die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten. „Auf die Kontrollen und Ahndungen des Verstoßes der Maskenpflicht muss deshalb verzichtet werden.“

„Kaffee trinken darf man ja…“

Erkennbar war auch, dass etliche der Demonstrantinnen und Demonstranten Atteste bei sich hatten. Oder sie hielten eine Zigarette, Coladose oder Schokoriegel in der Hand. Auch scheinen die Maskenverweigerer zu wissen, wie man sich bei einer Polizeikontrolle  verhält. Das zeigt ein kurzer Dialog während der Kundgebung: Als Veranstalter Fabian Daiker vom Podium wieder einmal an die Maskenpflicht erinnerte, fügte die mehrmals auftretende Sängerin lachend hinzu: „Aber Kaffee trinken darf man ohne Maske….“

… aber Kaffee darf man trinken.“
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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.