Datenflut

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In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik informierte Ingo Reinhardt von der Telekom über deren 5 G-Ausbaupläne in Deutschland generell und im Besonderen in Schramberg.

Seit den Anfängen des Mobilfunks in den 90er-Jahren habe es „eine Evolution des Mobilfunks“ gegeben. Von  den Anfängen noch mit analoger Datenübertragung, die gerade für eine SMS reichte, über die zweite Generation, die heute noch in Betrieb ist, das vor wenigen Tagen abgeschaltete UMTS-System bis zur vierten Generation LTE derzeit. 5 G sei nun „der nächste Schritt“. An der sechsten Generation werde auch schon gearbeitet.

Ingo Reinhardt im Bärensaal

 

Enorme Steigerungsraten

Die Weiterentwicklung sei erforderlich, weil das Datenaufkommen pro Jahr um 40 bis 60 Prozent steige. Auch fordere die Bundesregierung von den Telekommunikationsanbietern eine bessere Versorgung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, baue die Telekom einerseits das Hauptnetz mit Sendemasten weiter aus. Neben diesem Makronetz stellt die Telekom sogenannte Small Cells etwa in Fußgängerzonen, an Bahnhöfen oder Bushaltestellen dazu.

5 G mit Mehrwert

Bei 5 G habe man mehrere Vorteile: „Mit dem gleichen Einsatz erreichen wir höhere Bandbreiten“, so Reinhardt. Dank intelligenter Antennen ließen sich die begrenzten Frequenzen besser nutzen. Außerdem würden die Daten in Echtzeit übertragen.

Die Small Cells enthielten viele kleine Antennen, so groß wie ein Kugelschreiber. Diese würden einzelne Nutzer erreichen und so das große Netz entlasten.  In Schramberg wolle die Telekom bei den Telefonzellen beim Narrenbrunnen und beim Rathaus solche Small Cells anfügen.

Gut erforscht

Ausführlich ging Reinhardt auf die gesundheitlichen Folgen des Mobilfunks ein. Diese seien, entgegen anderslautenden Behauptungen sehr gut erforscht. Die TH Aachen habe in einer Datenbank etwa 6000 Studien aufgelistet, die sich speziell mit Mobilfunk und seinen Auswirkungen befassten. „Wir haben zum Mobilfunk mehr Infos als zu den meisten Chemikalien“, folgerte Reinhardt.

Aufgrund dieser Studien habe man international Grenzwerte festgelegt, unterhalb derer die Wissenschaft die Strahlung für unbedenklich halte. Die Bundesnetzagentur überwache die Sendeanlagen und  prüfe, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden.

Grenzwerte werden genau kontrolliert.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Dr. Inge Paulini habe erklärt: „Unterhalb der Grenzwerte sind keine gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen.“ Allerdings müsse noch geforscht werden, wie sich Frequenzen bis 26 Gigahertz auswirken könnten. Derzeit nutzen die Telekomanbieter Frequenzen im 2 Gigahertz und im 3,6 Gigahertz-Band.

Wichtig sei auch, dass die Sendeleistung zwischen Sender und Empfangsgerät geregelt werde: Je näher am Sender desto niedriger die Sendeleistung, erläuterte Reinhardt.

Keine Kritiker dabei?

In der Diskussion bedauerte Oskar Rapp (Freie Liste) dass nicht auch ein Mobilfunkkritiker zu Wort komme. Tiefbauleiter und Mobilfunkfachmann Konrad Ginter erinnerte an mehrere Veranstaltungen der Mobilfunkgegner. Es sei schwierig, Referenten zu finden, die von diesen akzeptiert würden.

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr meinte, Ziel des Referats heute sei gewesen, dem Gremium einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Die Referenten, die die Stadt für eine gemeinsame Veranstaltung vorgeschlagen hätte, hätten die Gegner als „nicht objektiv“ abgelehnt. Deshalb habe man auf eine solche Veranstaltung verzichtet.

Jürgen Kaupp (CDU) fragte nach einer Übersichtskarte, auf der Masten und Leistungen verzeichnet seien. Auch wollte er wissen, ob neben den beiden Small Cells weitere Masten geplant seien, um die bestehenden „Weißen Flecken“ zu beseitigen. Derzeit seien nur die beiden Cells in Planung. „Aber wir haben noch viel vor uns.“ Ginter ergänzte, in Heiligenbronn plane man einen zusätzlichen Mast. In Waldmössingen habe es Diskussionen im Ortschaftsrat gegeben. „Wir machen einen Standort nach dem anderen.“

Solche Karten seien im Internet verfügbar. Hier zum Beispiel https://t-map.telekom.de/  oder hier: https://www.breitband-monitor.de/infrastrukturatlas   

5 G ein alter Hut?

Zur Frage Echtzeit und Insellösungen für die Industrie erläuterte Reinhardt, dass Echtzeit besonders für industrielle Anwendungen gebraucht werde. Insellösungen nur für große Betriebe seien wegen der steigenden Kapazitätsanforderungen auch für die Allgemeinheit nicht sinnvoll. Zur angesprochenen Elektrosensibilität gebe es Studien, er wolle als Telekomvertreter dazu sich aber nicht äußern.

Gefragt, wie er sich erkläre, dass seit langem schon Polizei, Feuerwehr und andere  auf den heutigen 5 G Frequenzen gesendet hätten, ohne dass dies jemand gesundheitlich gemerkt hätte, bestätigte Reinhardt: „Seit Jahren schon werden dieselben Frequenzen genutzt, man hat lediglich die Software im Hintergrund verändert.“ Erklären könne er das auch nicht, dass dies erst seit 5 G eingeführt wird, ein Problem geworden ist.

OB Eisenlohr  bedankte sich bei Reinhardt für den Vortrag und versprach, das Gremium auf dem Laufenden zu halten.

Remsbachmast im Bau

So wird der Mast beim Remsbachhof einmal aussehen. Fotomontage: Stadt

Am Mittwoch teilt die Stadtverwaltung mit, dass die „Bauarbeiten für den neuen Mobilfunkmast im Remsbach, Tennenbronn begonnen haben“. Dieser Mast soll mehreren Telefonabietern als Stendestation dienen und  eine Versorgungslücke im Affentäle und Ferienparkgebiet schließen. Auch um diesen Mast gab es heftige Debatten.

 

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4 Kommentare

4 Kommentare
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Dr. Jürgen Winter
2 Jahre her

Sehr informativer Artikel!
5G scheint wohl relativ verträglich zu sein.
Es muss aber ergänzt werden, dass die Bescheinigung einer gesundheitlichen Unbedenklichkeit einer Strahlung, wie im Artikel zitiert, nur eine Momentaufnahme des derzeit vorhandenen Wissens darstellt.
Zerstörerische Effekte hochenergetischer Strahlung, wie auch 5G, die auf biologische Systeme einwirkt, können sich u.U. erst nach Jahren oder Jahrzehnten manifestieren. Wir kennen das von der Krebsentstehung Jahrzehnte nach radioaktiver Exposition. Viele ahnungslose Röntgenärzte der ersten Stunde hat dieses Schicksal ereilt.
Hierzu ein aktueller Auszug aus der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz:
„Unabhängig von 5G bestehen weiterhin wissenschaftliche Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen intensiver Handynutzung insgesamt. Für eine abschließende Beurteilung ist die Technologie allerdings noch zu jung, da sich beispielsweise Krebserkrankungen über Zeiträume von 20 – 30 Jahren entwickeln. Auch bei Wirkungen auf Kinder sind noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet.“

Covidiot
2 Jahre her

5G: Ein Meilenstein für verteiltes Echtzeit-Swift zur Auflösung funktionaler Organisationsproblematiken in der Blockchain!

Siegfried Spengler
2 Jahre her
Antwort auf  Covidiot

Ah, so isch des!

Kann man das auch in einfacher Sprache für geistig Minderbemittelte oder Ü60-jährige predementielle Mitbürger erklären?

Siegfried Spengler
2 Jahre her

Weiß jemand, wie groß die Schnittmenge von Impfgegnern, Corona-Leugnern und Mobilfunkkritikern ist?

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