Sonntag, 14. April 2024

Erdgas-Entscheidung vertagt: Envitra verzichtet +++ aktualisiert

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Von der Tagesordnung genommen hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr die Entscheidung zur Vergabe der Gaslieferungen an die Stadt Schramberg. Eigentlich hätte der Gemeinderat gestern Abend sowohl die Vergabe  für Strom als auch für Erdgas entscheiden sollen. „Nach einem Bericht in der lokalen Presse“, so OB Eisenlohr (gemeint war die NRWZ), werde der Vergabevorschlag nochmals geprüft.

Dazu habe das beauftragte Büro EMS Energieconsulting die Envitra in Wien angeschrieben und bis Freitagmittag Zeit gegeben, diese Fragen zu beantworten. Sie werde die Vergabe dann im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) beraten und beschließen lassen, so Eisenlohr. Ein Sprecher von Envitra in Wien hat am Freitagmorgen der NRWZ erklärt, man werde die geforderten Unterlagen nicht liefern und verzichte auf den Auftrag.

Fragen an Envitra

Die NRWZ hatte am Dienstag ausführlich darüber berichtet, dass die siegreiche Firma Envitra aus Wien im Jahr 2018 einen Verlust von etwa einer Million Euro bei einem Umsatz von gut drei Millionen Euro ausgewiesen hatte. Außerdem hat der Geschäftsführer von Envitra, Tillmann Raith, immer wieder mit seinen Firmen für Schlagzeilen gesorgt. Die zu 50 Prozent an der Envitra Wien beteiligte Deutsche Energiegesellschaft DEG  (Geschäftsführer Tillmann Raith) musste Ende 2018 Insolvenz anmelden. Ein Sprecher von Envitra hatte versichert, das Angebot sei wirtschaftlich und man habe aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Später in der Sitzung erläuterte der für das Gebäudemanagement zuständige Abteilungsleiter Andreas Krause, der Schwellenwert für die europaweite Ausschreibung Strom- und Gaslieferungen liege nicht bei 214.000 Euro, wie in der Vorlage geschrieben, sondern bei 428.000 Euro. Da man aber für zwei Jahre ausschreibe und die Option auf weitere zwei Jahre gewählt habe, sei die europaweite Ausschreibung erforderlich.

Envitra verzichtet auf weitere Teilnahme an der Vergabe

Auf Nachfrage der NRWZ hat ein Sprecher der Envitra in Wien erklärt, bei den Fragen der Vergabestelle sei es unter anderem um eine „Konkretisierung der Umsatzzahlen in der Eigenerklärung“ zur Ausschreibung gegangen. Da seien ihre Angaben der Vergabestelle nicht ausreichend gewesen. „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, auch aus zeitlichen Gründen die Fragen nicht zu beantworten“, so der Envitra-Sprecher.

Die Konsequenz sei, dass man vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werde, was man akzeptiere. Es habe sich gezeigt, dass das Verfahren ordentlich und sauber gelaufen sei. „Wir konzentrieren uns nun auf andere Ausschreibungen und sind mit dem Ergebnis zufrieden“, betonte der Envitra-Sprecher abschließend.

Strom kommt von den Stadtwerken

Die Ausschreibung beim Strom habe mit den Stadtwerken und einem Angebot von 1,042 Millionen Euro ein eindeutiges Ergebnis erbracht. Bei der Vergabe für das Erdgas sei man „nochmals in der Überprüfung“, weil man „dem Bieter einige Dinge abverlangen“ wolle.  Wenn es da Änderungen gebe, werde er im Ausschuss für Umwelt und Technik auf das Gremium zukommen, so Krause. Das wird nuhn, nach dem Rückzug der Envitra ganz sicher so sein.

Fragen zum Berater

Weil das Thema „Erdgasvergabe“ von der Tagesordnung genommen worden war, ließ OB Eisenlohr auf Einspruch des CDU-Fraktionssprechers Thomas Brantner dazu keine Fragen zu. Udo Neudeck (Freie Liste) fragte, weshalb  ein fester Betrag vergeben werde, die Nachfrage nach Strom schwanke doch. Krause erläuterte, man schreibe eine bestimmte, geschätzte Strommenge aus, rechne dann aber nach Kilowattstunden ab.

Josef Günter (SPD/Buntspecht) erkundigte sich nach den Beraterkosten. Krause schätzte sie auf 10.000 bis 12.000 Euro. Die Verwaltung habe bislang  bei solchen Ausschreibungen noch wenig Erfahrung und deshalb das Büro eingeschaltet. Eisenlohr ergänzte, dass seit August eine Vergabestelle innerhalb der Verwaltung die einzelnen Abteilungen unterstütze. Bei einer Enthaltung stimmte der Ausschuss der Vergabe der Stromlieferleistungen an die Stadtwerke Schramberg zu.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.