OneCoin-Geldwäscher Scott frei auf Kaution +++aktualisiert

Ignatovas Geldverschieber aus Florida will nicht ins Gefängnis / Geld in Deutschland gebunkert?

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Der zu zehn Jahren Haft verurteilte OneCoin-Geldwäscher Mark Scott befindet sich immer noch auf freiem Fuß. Seine Anwälte wollen erreichen, dass Scott gegen Kaution frei bleiben soll und er ein neues Verfahren erhält. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. In einem Brief an Richter Edgardo Ramos fordert Staatsanwalt Damian Williams, dass Scott endlich seine Strafe antreten soll. +++Gestern hat Richter Ramos den Verteidigern recht gegeben und dem Antrag stattgegeben. Es bestehe weder Fluchtgefahr, noch diene der Antrag dazu, das Verfahren zu verzögern, heißt es in der am 18. April  verkündeten Begründung.

New York. Bereits im November 2019 hatte das Gericht Scott schuldig gesprochen, Betrug und Geldwäsche für OneCoin begangen zu haben. Scott habe im Auftrag der Kryptoqueen Ruja Ignatova 400 Millionen US-Dollar auf Karibikinseln verschoben und für seine Dienste 50 Millionen Dollar kassiert. Nach vielen Verzögerungen hatte Richter Ramos im Februar das Strafmaß zehn Jahre Haft verkündet.

Konstantins Lügen sollen Scott zur Freiheit verhelfen

Scott will ein neues Verfahren, weil seine Verurteilung auf der Zeugenaussage von Konstantin Ignatov beruhe, der nachweislich einen Meineid geschworen habe.

Weil diese Forderung mit einem Freispruch enden könne, solle das Gericht ihn gegen Kaution freilassen, bis über seine Berufung entschieden sei. Es bestehe keine Gefahr, dass Scott fliehen könnte, argumentiert sein Anwalt. Er habe seinen Pass abgegeben und er würde sonst seine Frau verlassen.

Auch stelle er keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar, „nun da das OneCoin System nicht mehr arbeitet“. Auch weil sein Gesundheitszustand schlecht sei und er die meiste Zeit zu Hause verbringen müsse, sei er nicht gefährlich. Sollte das Gericht anders entscheiden, werde Scott bitten, seinen geplanten Haftantrittstermin 30. April 2024 aus medizinischen Gründen zu verschieben, kündigt sein Anwalt an.

Staatsanwalt: Scott könnte nach Deutschland fliehen

Staatsanwalt Damian Williams sieht das anders. Das Verfahren habe „überwältigend die Schuld Scotts“ bewiesen. Nun müsse er nach bald viereinhalb Jahren Verzögerung seine Strafe antreten. Zur Begründung für seinen Wunsch nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens wiederkäue er sämtliche Argumente, die das Gericht schon früher zurückgewiesen habe, so Williams.

Außerdem bestehe die Gefahr, dass er flieht. Er habe die doppelte Staatsbürgerschaft – die deutsche und die US-Staatsbürgerschaft nämlich. Er könnte nicht ausgeliefert werden, sollte er nach Deutschland fliehen.

Und er habe „jeden Grund zu fliehen“, schreibt Williams. Zehn Jahre Haft seien ein Grund. Ein anderer: „Scott war ein wichtiger Geldwäscher in einem internationalen Betrugsfall, der Milliarden Dollar betrug. Und er kann gut Wertgegenstände im Ausland verborgen haben, die ihm ein angenehmes Leben ermöglichen würden, sollte er nach Deutschland fliehen.“

(Scott was a critical money launderer for an international fraud that took in billions of dollars, and may well have assets secreted abroad that would allow him to live comfortably if he fled to Germany.)

Richter Ramos sah das nun anders. Siehe Einleitung. Es sei zwar zweifelhaft, dass Scott ein neues Verfahren erhält, der Antrag sei aber nicht „frivolous“, an den Haaren herbeigezogen.

Frank Schneider: Immobilie und knapp eine halbe Million Dollar in Neuseeland beschlagnahmt

Dass die OneCoiner durchaus in der Lage gewesen sein können, Gelder oder Wertsachen zu verstecken, zeigt ein Fall aus Neuseeland. Das berichtet nun auch das „Luxemburger Wort“ am 8. April, die neuseeländischen Behörden hätten ein Anwesen in Wellington sowie 462.000 Dollar beschlagnahmt.

Diese Summe soll Frank Schneider zwischen 2018 und 2020 an einen neuseeländischen Geschäftspartner geschickt haben, um damit Immobilien und andere Wertsachen zu kaufen.

Die Meldung ging bereits Ende Januar durch die neuseeländische Presse, auch wir haben berichtet. Von Frank Schneider fehlt seit bald einem Jahr jede Spur. Der frühere Sicherheitsmann von Ruja Ignatova saß in französischer Auslieferungshaft und später unter Hausarrest in Nordfrankreich. Im Mai 2023 hatte er sich von seiner elektronischen Fußfessel befreit – und ist seither spurlos verschwunden.

Im Fall Scott muss Richter Ramos in den nächsten Wochen entscheiden, wie es weiter geht. Ob Scott dann tatsächlich am 30. April in Miami sich zum Haftantritt meldet?

Ignatov hat es besser getroffen

Er wäre dann der vierte OneCoin-Verurteilte, der in den USA in Haft sitzt: Sebastian Greenwood in New York, Gilbert Armenta in Miami und Irina Dilkinska in Brooklyn. Das alles hinter sich hat Konstantin Ignatov. Der postet nach seiner Entlassung aus dem Hausarrest am 6. März in New York seit Anfang März immer wieder fröhliche Selfies von sich aus Bulgarien.

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Instagramm Anfang April.
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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.