Sonntag, 21. April 2024

OneCoin in Bulgarien: Geht es der Organisation nun an den Kragen?

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Sofia/Kapstadt. Wird OneCoin nun endlich in Bulgarien das Leben schwer oder gar unmöglich gemacht? Die Hoffnung besteht, denn einer der mutmaßlichen OneCoin-Beschützer hat seinen Job verloren.

Vor wenigen Tagen hat ein Gremium in Bulgarien den hoch umstrittenen Generalstaatsanwalt Ivan Geshev entlassen. Sein Nachfolger wurde einer seiner bisherigen Stellvertreter Borislav Sarafov. Geshev haben bulgarische Medien immer wieder vorgehalten, dass er gegen bestimmte kriminelle Strukturen nicht ermitteln ließ. So soll er auch seine schützende Hand über Ruja Ignatovas betrügerische Kryptowährung OneCoin und die Nachfolgeorganisation OneEcoSystem in Bulgarien gehalten haben.

Der Generalstaatsanwalt Seite an Seite mit der Cryptoqueen bei Novinite. Screenshot: him

Das Onlinemagazine Novinite berichtet beispielsweise über den vierfachen Mord in Kapstadt vor einem Monat. Damals waren Krasimir „Kuro“ Kamenov, seine Frau und zwei weitere Personen ermordet worden. (Wir haben berichtet.) Kamenov stand in engem Kontakt mit Hristophoros Amanatidis, kurz Taki. Der wiederum soll angeblich die Ermordung der „Cryptoqueen“ angeordnet haben.

Geshev sei in das Mordkomplott in Kapstadt involviert gewesen, schreibt Novinite. Das oberste Justizgremium Bulgariens habe dafür gestimmt, Geshev zu entlassen und dies auch damit begründet, dieser habe hochrangige Regierungsvertreter, die auch in Verbindung mit Ignatova gestanden haben sollen, geschützt.

FBI ein erhöht die Belohnung drastisch

Die in Schramberg aufgewachsene Ignatova steht seit einem Jahr auf der Liste der „Zehn meistgesuchten Personen des FBI“. Zunächst hatte die US-Behörde 100.0000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt. Inzwischen ist die Belohnung auf 250.000 Euro gestiegen. Ignatova ist am 25. Oktober 2017 nach einem Flug von Sofia nach Athen von der Bildfläche verschwunden.

Das südafrikanische Magazin Daily Maverick berichtet, Kamenov sei nicht der einzige bulgarische Kriminelle, der sich nach Südafrika abgesetzt habe. Er lebte seit 2008 am Kap der Guten Hoffnung. Als Hintergrund für seine Ermordung sieht auch die Maverick-Autorin Caryn Dolly sein mögliches Wissen über OneCoin und die in den Milliarden-Betrug verwickelte Akteure. Es gibt Gerüchte, er habe mit den US-Behörden einen Deal geschlossen. Das war dann lebensgefährlich.

Konstantin Ignatov, die Mafia und Südafrika

Im Maverick-Artikel tauchen auch Fotos von Konstantin Ignatov auf, die dieser von sich in Südafrika hat machen lassen. Die Fotos sollen um das Jahr 2018 entstanden sein. Ignatov habe sie damals auf seinem Instagram Account veröffentlicht, schreibt das Magazin.

Konstantin in Capetown. Aus Daily Maverick.

Unterdessen hat sich der Londoner Anwalt Dr. Jonathan Levy an die stellvertretende Justizministerin Bulgariens gewandt. Er erinnert die „Liebe Ms. Kovacheva“ daran, dass er zahlreiche OneCoin-Opfer vertritt und sich schon mehrfach an das bulgarische Justizministerium gewandt habe.

Levy fordert, dass die Regierung endlich die OneCoin-Geschäfte dicht macht, „die „unter dem Schutz des früheren Generalstaatsanwalts Geshev operiert“ hätten. Zudem müssten die Verantwortlichen festgenommen und ihre Vermögenswerte beschlagnahmt werden. Auch diejenigen von Veska Ignatova, die als Stellvertreterin von Ruja und Konstantin in Bulgarien aufgetreten sei. Levy sieht eine Verbindung zwischen Geshev und dem in Südafrika ermordeten Kamenev und den 230.000 Bitcoin, die Ruja Ignatova besitzen soll.

Veska Ignatova bei einem OneCoin-Auftritt am 22. August 2020. Screenshot: privat

Traf Ruja Ignatova bulgarische und russische Unterweltler in London?

In einer eidesstattlichen Erklärung hat Duncan Arthur berichtet, in den Jahren 2016 und 2017 hätten etliche Treffen in London stattgefunden, an denen Ruja Ignatova, Mark Scott, der Anwalt Gary Gilford und er teilgenommen hätten. Andererseits Personen, die „möglicherweise der bulgarischen oder russischen organisierten Kriminalität zuzurechnen“ waren.

Einer dieser Besucher sei ein „Krasimir“ gewesen, möglicherweise jener Krasimir „Karo“ Kamenev, der jetzt in Südafrika ermordet wurde. Dieser Krasimir habe mit ihm über Kapstadt und Südafrika geplaudert.

Duncan Arthur.

Arthur war ein wichtiger Mitarbeiter Ignatovas. Sie hatte ihn persönlich angeworben. Er leitete in ihrer Firma RavenR die Compliance Abteilung und war direkter Untergebener von Irina Dilkinska. Sie, die für die Rechtsabteilung bei OneCoin verantwortlich war, sitzt mittlerweile in Brooklyn in U-Haft.

In seiner Erklärung berichtet Arthur weiter, er sei ein enger Mitarbeiter von Ruja Ignatovas Bruder und Nachfolger Konstantin Ignatov gewesen. Arthur begleitete ihn auf der Reise nach Las Vegas und war dabei, als Konstantin am Flughafen  in Los Angeles im März 2019 festgenommen wurde.

Konstantin sei ein oder zwei Mal in Südafrika zu Besuch gewesen. „Obwohl wir viel miteinander gesprochen haben, und er wusste, dass ich aus Südafrika komme, hat er seine Reisen dorthin nie erwähnt“, wundert sich Duncan Arthur. Afrika sei ein wichtiger Markt für OneCoin gewesen, betont er in seiner Erklärung für Levy.

Kein Vertrauen in den Nachfolger

Zurück nach Bulgarien: Dass sich bei der Generalstaatsanwaltschaft durch den Abgang von Geshev viel ändern wird, ist eher fraglich. Das Vertrauen in seinen früheren Stellvertreter und jetzigen Nachfolger Sarafov scheint nicht allzu hoch.

Die „Partei für den Wandel- Demokratisches Bulgarien“ hat schon seinen Rücktritt verlangt. Wie sein Vorgänger habe auch Sarafov viele wichtige Fälle „wie Leichen“ behandelt und sei als Generalstaatsanwalt ungeeignet.

 

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.