„Sulgen am See“ jetzt offiziell

Abstauben der Narrenzunft an Dreikönig bei Zunftmeister Dold

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Dunkel gekleidete Herren sind im Städtle unterwegs. Für den Kirchgang an Drei-König? Dazu passen die teils ziemlich zerbeulten Zylinder nicht so recht. Außerdem lenken sie ihre Schritte (oder Autos) eher stadtauswärts als zu Heilig-Geist oder Stadtkirche.

Schramberg. Es sind sie Elferräte und Obernarren, die es wie schon 2023 zu Cathrine und Tobse Dold zieht. Beim Zunftmeister und seiner Frau versammeln sie sich traditionell am Dreikönigstag um zehn, um dann erst dort und später bei den Zunftmitgliedern Häs und Kleidle abzustauben.
Dold heißt Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, die Obernarren, Elfer, Stadtarchivar Carsten Kohlmann und „die Herren der Presse“ willkommen.

Kurze Fasnet mit vielen Jubiläen

Es werde eine kurze Fasnet mit vielen Jubiläen. So sei vor 75 Jahren die Narrenzunft wieder gegründet worden. Außerdem fand erstmals die Schlüsselübergabe mit Präsident Franz Winter statt. Wer damals Bürgermeister war, wollte Dold vom Stadtarchivar Carsten Kohlmann wissen. „Karl Kolb“, kams wie aus der Konfetti-Kanone geschossen.

Außerdem gebe es den „Elferorden“ seit 100 Jahren, fuhr Dold fort, den Kinderball und den Rattenball ebenso. Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte VSAN werde ebenfalls 100. Als Gründungsmitglied sei die Schramberger Narrenzunft morgen zum Festakt nach Villingen eingeladen.

Bei Tobse Dolds Rede konnte der Fotograf nur ein Fitzelchen vom Manuskript erhaschen.

Schlüsselübergabe als Nachdenkanlass

Die Schlüsselübergabe sei „nach wie vor dringend notwendig, um hier praktische, umsetzbare und bürgernahe Ratschläge zu geben“, behauptete Dold mit Blick auf OB Eisenlohr.

Er vermute, dass sich die OBs nur dank der Schlüsselübergabe so intensiv mit dem Geschehenen auseinandersetzten, weil sie für die Übergabe ja eine Rede schreiben müssten. Es sei ihnen aber “nicht allzu oft gelungen, hier gut auszusehen“. Die Zunftmeister hätten meist besser dagestanden. „Oho hoho“, tönte es aus den Reihen der Narren.

Über sich selbst lachen können

Um glaubwürdig zu sein, müsse man bei sich selbst anfangen, philosophierte der Zunftmeister und verwies auf das diesjährige Zunftballmotto „Sulgen am See“. Das zeige, dass sich die Zunft auch über sich selbst lustig machen könne.

An Eisenlohr gewandt, meinte Dold, er hoffe, „die liebe Dorothee“ bereite sich schon auf ihre Schlüsselübergaberede vor: „Denn die wird von mehr Menschen gehört als Deine Haushaltsrede.“

Alles bereit.

Konstruktive Kritik am VSAN

Dold ging auf die Entwicklung von Kinder- und Rattenball ein und kam dann nochmal auf die VSAN zurück. Die Schramberger seien zwar stolzes Gründungsmitglied, wenngleich nicht immer einer Meinung mit dem Verband. Die Kritik sei aber stets konstruktiv und im Interesse des Verbands. So ein großer Verband brauche ab und zu mal „Anstöße von der Basis“.

Dann sandte er die Abstauber hinaus in die Schramberger Narrenhaushalte, damit sie die Kleidle vom Staub befreien und vielleicht noch das ein oder andere Gschichtle für die Hoorig Katz abstauben. Um 19 Uhr treffe man sich wieder. Mit dem Wunsch für eine schöne Fasnet 2024, einem dreifachen Narri Narro und dem Narrenmarsch endete seine Rede.

Hubert Dold enthüllt Geheimgutachten des VSAN

Bevor mit Zylinder und weiß behandschuht Ehrenzunftmeister Hubert Dold an die Larven seines Sohns und dessen Familie trat, tat auch er noch eine Rede halten. „Was? Quatscht der au no?“ war leise zu vernehmen. Er wünschte sich für dieses Jahr „eine grandiose Fasnet. Prost.“

Der Ehrenzunftmeister bei seiner Rede.

Aber das wars noch nicht. Er hatte ein streng geheimes Gutachten zugespielt bekommen,  das die VSAN in Auftrag gegeben und das nicht von der Vereinigung, sondern den Zünften bezahlt werden müsse. Die Uni Freiburg habe untersucht: „Was bewirkt Staub?“

Da der Professor ein Studienfreund sei, habe der ihm schon einiges verraten: Millionen Bakterien befänden sich in winzigen Staubmengen. Sie könnten zu Gleichgewichts- und Sprachstörungen führen, die Sehkraft beeinträchtigen und gar „zu Grapschen an weiblichen Wesen im zehn Meter Umkreis führen“. Das gesamte Gutachten, versprach der Ehrenzunftmeister, werde morgen beim Festakt verlesen.

Fasnetsmotto

Nach so viel Lästerlichem greift Dold dann doch zum Wedel: „Sei uns gegrüßt, Du edles Kleid der Narren…“Der Reihe nach ziehen die Obernarren und die Elfer an den Narrenkleidle vorbei wedeln mächtig Staub auf.

Achim Schaub trägt das Motto vor.

Achim Schaub hat das Fasnetsmotto 2024. Dabei sei die Zunft nicht am Zunftballmotto vorbeigekommen, erklärt er:
„Narren seid Ihr bereit?
Jetzt startet die fünfte Jahreszeit.
Mit „Narri-Narro“ wird’s richtig scheee
Unter dem Motto:
„Sulgen am See“

Es reimt sich.

Der stellvertretende Zunftmeister Udo Neudeck teilt die Abstaubergruppen ein und mahnt, man möge sich anständig benehmen und pünktlich um 19 Uhr im Spunden sein.

Udo Neudeck im Langhaarlook

Die Sonne staunt

Pünktlich fürs Gruppenbild im Kohlenwegle kommt die Sonne durch die Wolken und bezweifelt vermutlich beim Anblick der Elfer und Obernarren, die sich da aufgestellt haben, ob da wohl was Vernünftiges bei rauskommt. Vernünftig vielleicht nicht, liebe Sonne, aber herrlich wird’s „bis am Asch, bis am Asch, bis am Aschermittwoch morga.“

Gruppenbild mit Dame.
Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.