„Wo ein Wille ist, ist auch ein (Rad-)Weg“

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Schramberg  – „Mehr als ein halbes Jahrhundert lang“ hätten die Anwohner an der Kreisstraße zwischen Sulgen und Mariazell drauf gewartet, so Thomas Maier von der Bürgerinitiative Radweg. „Nun ist es endlich soweit.“ Am Dienstagvormittag war der erste Spatenstich für den Radweg entlang der Kreisstraße.

Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr hieß viele Gäste willkommen. Man habe den eigentlich ungünstigen Termin am Vormittag gewählt, weil man auch auf Besucher vom Bund und Land gehofft hatte. Die seien nun nicht gekommen –„Nicht schlimm, das Geld fließt trotzdem“, scherzte sie. Gemünzt war die Bemerkung auf Beamte aus den Ministerien oder dem Regierungspräsidium, nicht auf Abgeordnete, wie Eisenlohr klargestellt hat. Die Abgeordneten im Bund und Land haben nämlich Sitzungswoche.

OB Dorothee Eisenlohr begrüßt die Gäste. Foto: him

6,2 Kilometer …

Gekommen waren viele Anwohner, Gemeinde- und Kreisrätinnen und –Räte, Vertreter der Planungsbüros und der Baufirma, von der Stadtverwaltung Schramberg, vom Kreisstraßenbauamt und natürlich von der Bürgerinitiative. „Wir freuen uns riesig, dass die 6,2 Kilometer lange Strecke nun endlich gebaut werden kann.“

Die Zuschussbedingungen erforderten, dass die Strecke bis Ende 2023 fertig sei. Sie schlage deshalb vor, im Frühjahr 2024, wenn es wärmer sei, ein Bürgerfest am Radweg zu feiern.

Gerald Kramer. Foto: him

In Vertretung von Landrat Wolf Rüdiger Michel erinnerte der für Straßenbau zuständige Dezernent Gerald Kramer daran, dass die Planungen und Vorarbeiten für das Projekt sehr schnell über die Bühne gegangen seien. „Wegen der außergewöhnlich hohen Förderung musste es auch schnell gehen.“

… für 4,3 Millionen Euro

Bund und Land tragen bekanntlich 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Fünf Prozent übernimmt der Landkreis und die restlichen fünf Prozent teilen sich Schramberg und Eschbronn. Von den 4,3 Millionen Gesamtkosten seien 3,7 Millionen förderfähig, so der Dezernent weiter. Dieser Tage sei auch der Förderbescheid über knapp 3,4 Millionen Euro eingetroffen. Ohne den Zuschuss hätte man das Projekt nicht stemmen können, so Kramer.

Erst vor wenigen Jahren habe der Kreis die Straße sanieren lassen. Natürlich sei es ärgerlich, dass man nun wieder teilweise in die Kreisstraße eingreifen müsse. Der Radweg sei damals aber „nicht absehbar“ gewesen.

Kramer bedankte sich bei allen Beteiligten, die etwa beim Grunderwerb beteiligt waren. Die Bauzeit sei knapp bemessen. Er bitte die Baufirma, „das Projekt fristgerecht umzusetzen. Da steckt viel Kohle dahinter.“ Den Bauarbeitern wünschte er einen unfallfreien Verlauf.

Mehr Sicherheit

Eschbronns Bürgermeister Franz Moser sprach von einem besonderen Tag, an dem das langersehnte Projekt jetzt umgesetzt werde. Eschbronn habe dann in alle Richtungen Radwege entlang der Kreisstraßen. „Das erhöht die Lebensqualität und die Sicherheit.“ Gerade an der Straße Mariazell – Sulgen sei das Radeln gefährlich, weil die Autos oft mit hoher Geschwindigkeit unterwegs seien.

Bürgermeister Franz Moser. Foto: him

Ungewöhnlich, aber sehr erfolgreich sei die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative gewesen. Die Bürger hätten mit geplant und mit entwickelt. „Das ist ziemlich einmalig.“

Das Projekt sei auch ein Beispiel für gelungene interkommunale Zusammenarbeit. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Moser hob insbesondere Tiefbauleiter Konrad Ginter hervor, der sich mächtig ins Zeug gelegt und nie den Mut verloren habe. Mosers Fazit: „Manches haben wir richtig gut gemacht.“ Der Lohn sei eine sehr gute Förderung.

Bürgerinitiative war eingebunden

Für die Bürgerinitiative erinnerte Thomas Maier daran, dass die Anwohnerschaft schon seit mehr als einem halben Jahrhunder versucht habe, den Bau eines Gehwegs an der Kreisstraße als sicheren Schulweg  anzustoßen. „Immer wieder versandeten entsprechende Vorstöße.“

Im Herbst 2018 habe der ehrenamtliche Radbeauftragte Gunnar Link zu einer Erkundungstour vom Sulgen nach Schönbronn eingeladen. Damals seien sehr viele Menschen gekommen und hätten im Anschluss die Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Die BI habe mitgearbeitet, sich im Gemeinderat für das Projekt eingesetzt. Skeptikern habe er gesagt: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ In diesem Falle ein Radweg.

Thomas Maier (links) mit dem Radbeauftagten Gunnar Link. Foto: him

Maier lobte die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit mit den Rathäusern in Schramberg und Eschbronn. Er hob auch Link hervor: „Sein Engagement war unverzichtbar.“ Den Anliegern dankt er für deren Bereitschaft, etwas von ihren Grundstücken für den Radweg abzutreten.

Mindestens zwei Bautrupps vor Ort

Die Firma Storz hatte den Zuschlag für den Radwegebau erhalten. Ein „anspruchsvolles Projekt“ sei das, so  Karsten Roth, auf das man sich freue. Im Juli sollen die eigentlichen Bauarbeiten beginnen und im September 2023  wolle man fertig sein. „Wir werden ständig mit mindestens zwei Kolonnen arbeiten, beim Asphaltieren sogar noch mehr“, kündigte Roth an. Er leitet die Storz-Niederlassung Donaueschingen.

Karsten Roth. Foto: him

Natürlich werde es auch für die Anwohner zu Einschränkungen kommen, das sei bei einem solchen Projekt nicht zu vermeiden. Er bat die Betroffenen: „Gehen Sie auf die Poliere zu, viel lässt sich im kleinen Rahmen regeln.“ Auch er wünschte sich für das Projekt einen unfallfreien Verlauf.

OB Eisenlohr dankte für die „verbindliche Terminzusage“ und meinte, dann könne sie ja zu einem Fest im Herbst einladen.

Nach dem obligatorischen Spatenstich, der eigentlich Kieshaufenwerfen heißen müsste, lud man die Gäste zu kühlen Getränken, Laugenweckle und Würstle ein.

Infotafel am neuen Radweg. Foto: him
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