Wunden lecken, Freude zeigen

SCHRAMBERG – Die „Großen“ verlieren deutlich, die „Kleinen“ legen zu, so lässt sich das Ergebnis der Schramberger Kommunalwahl zusammenfassen. Entsprechend haben sich auch die Wahlsieger und Wahlverlierer geäußert.

Die CDU, mit vier verlorenen Sitzen am stärksten gebeutelt, sieht einen Teil der Ursache in der „politischen Großwetterlage“, so der Stadtverbandsvorsitzende Thomas Brantner: „Es war klar, dass wir zur Ader gelassen werden.“ Allerdings seien die Christdemokraten nicht davon ausgegangen, vier Sitze zu verlieren. „Wir haben eine gute und ausgewogene Liste präsentiert“, ist Brantner weiterhin überzeugt. Seine Fraktion werde im neuen Rat wie bisher „die Sacharbeit in den Vordergrund stellen“.

Die bisherige Sprecherin von SPD-Buntspecht, SPD-Stadträtin Tanja Witkowski nennt das SPD-Ergebnis „in vielerlei Hinsicht enttäuschend und unverständlich.“ Es sei ihrer Partei „offenbar nicht gelungen, die Schrambergerinnen und Schramberger von unserer Arbeit zu überzeugen“. Dies zu verbessern, sehe sie als ihre Aufgabe als Fraktionssprecherin.

Die Freie Liste hat zwar etwas schwächer abgeschnitten als 2014, dennoch freut sich Fraktionssprecher Udo Neudeck, dass seine Liste annähernd das gleiche Ergebnis wie bei der letzten Wahl erreicht habe. „Ich bedanke mich bei allen Wählern, und bei allen, die ihren guten Namen für unsere Liste hergegeben haben.“ Seine Fraktion werde „in gewohnter Weise, unsere Arbeit im Gremium fortsetzen und mit großer Motivation an die neue Aufgabe herangehen.“

Bei der Politischen Vereinigung Buntspecht, die diesmal mit den Grünen angetreten war, ist Stadtrat Reinhard Günter aus Tennenbronn vom „Super-Ergebnis“ überrascht. Er wie auch der Buntspecht-Vorsitzende Peter Schimak freuen sich über den dritten Sitz, und dass „mit Lara Kiolbassa eine sehr junge Frau dazu gewonnen“ wurde. Schimak glaubt, man habe „vom Grünen-Hype“ auf Bundesebene „nicht so profitiert“. Günter findet es „schade, dass unser Fraktionspartner SPD trotz guter Arbeit zwei Sitze verloren hat“.

Bernd Richter, ÖDP, ist mit dem Ausgang der Wahl und einem dritten Sitz für seine Partei sehr zufrieden. „Es ist schön, wieder Fraktionsstatus im Rat zu haben, weil wir so wieder volle Mitwirkungsmöglichkeiten haben.“ Zusammen mit Volker Liebermann und Thomas Koch werde er ein gutes Team im Rat bilden, ist Richter überzeugt.

Die „Aktiven Bürger Schramberg“ haben auf eine Anfrage der NRWZ nicht reagiert. Jürgen Reuter meint gegenüber einer in Schramberg erscheinenden Tageszeitung, Durchregieren von oben nach unten sei nicht mehr zeitgemäß. Die „aktiven Bürger“ seien bereit, „einen konstruktiven Beitrag zu leisten, um Schramberg auf die Füße zu stellen“.

Frauen sehr schwach vertreten

Allgemein auf Unverständnis stößt bei den Parteienvertretern das schwache Abschneiden der Frauen. Nur drei Stadträtinnen werden dem 27-köpfigen Gemeinderat künftig angehören. Für Thomas Brantner (CDU) ist dieses Ergebnis „außerordentlich schade und nicht nach zu vollziehen“. Die CDU habe bekannte und sehr qualifizierte Frauen auf ihrer Liste gehabt.

Udo Neudeck weist darauf hin, das bei der Freien Liste sieben Frauen auf der Liste standen „und zwar auf den ersten sieben Plätzen.“ Warum Frauen keine Frauen wählen, sei für ihn nicht erklärbar. „Aber zwingen kann man ja auch niemand.“

SPD-Rätin Tanja Witkowski findet es „beschämend“, dass nur drei Frauen gewählt wurden: „Alle Listen hatten fähige Frauen aufgestellt, die mitten im Leben stehen und täglich beweisen, dass sie etwas drauf haben.“ Warum diese fast nicht gewählt wurden, sei ihr unverständlich. Es sei ein schwacher Trost, dass bei der SPD 50 Prozent Frauen gewählt wurden.

Für Reinhard Günter (Buntspecht) ist es „schön, dass wir dazu beitragen konnten, dass überhaupt Frauen im Gemeinderat vertreten sind“. Schimak wünscht sich, dass in der nächsten Wahlperiode frauenspezifische Themen stärker in den Vordergrund gerückt werden. Er hofft, so den Frauenanteil zu erhöhen.

Bernd Richter, ÖDP, kann sich das schlechte Abschneiden der Kandidatinnen nicht erklären und meint: „Es ist schade, dass es bei uns nicht auch eine Frau geschafft hat.“

 

 

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