Heckler und Koch-Kritiker Rothbauer geehrt

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Der Tübinger Rechtsanwalt Holger Rothbauer wird am Donnerstagabend den Aachener Friedenspreises 2022 erhalten. Ebenfalls ausgezeichnet wird die jemenitische Menschenrechtsorganisation Mwatana.

„Der Menschenrechtsanwalt Holger Rothbauer kämpft vor Gericht und in der Öffentlichkeit seit Jahrzehnten gegen illegale Waffenexporte deutscher Rüstungskonzerne und für eine rechtliche Neuaufstellung der deutschen Rüstungsexportkontrolle“, so die Organisatoren des Friedenspreises zur Begründung. In Prozessen vertrete Rothbauer Mandantinnen und Mandanten, „mal aus der Zivilgesellschaft, mal einen Ex-Mitarbeiter von Heckler & Koch als Whistleblower“.

Mexiko-Verfahren

Besonders hartnäckig erwies sich seine juristische Auseinandersetzung mit Heckler und Koch wegen der illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko. Damals unterstützte er Jürgen Grässlin beharrlich. So lange, bis schließlich das Landgericht Stuttgart zwei eher untergeordnete ehemalige Mitarbeiter des Oberndorfer Waffenherstellers zu Haftstrafen auf Bewährung und das Unternehmen zur Abgabe der bei den illegalen Geschäften erzielten Umsätze in Höhe von 3,7 Millionen Euro verurteilte.

Das Verfahren dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Dass die damals führenden Köpfe ungeschoren davon kamen, hat nicht nur Rothbauer  sehr betroffen gemacht.

Für die NRWZ hat Rothbauer wiederum nach einer langen juristischen Auseinandersetzung erreicht, dass die schriftliche Urteilsbegründung des Landgerichts Stuttgart veröffentlicht werden musste – allerdings wurden alle Namen  der damals angeklagten Manager unkenntlich gemacht.

Das Stuttgarter Urteil gng der NRWZ zu, nachdem Rothbauer sich juristisch durchgesetzt hatte.

Jürgen Grässlin schreibt: „Wir freuen uns riesig mit Holger und Mwatana und gratulieren von Herzen!“ Seit 30 Jahren habe ihn Holger Rothbauer gegen H&K und Daimler erfolgreich vor Gericht vertreten. “Ich bin ihm unendlich dankbar!“ In Aachen wird ein Grußwort Grässlins verlesen werden.

Die Preisverleihung findet am 1. September um 19 Uhr mit einer Liveübertragung im Internet statt.

 

Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.