Die Stadt Rott­weil hat ihre För­der­richt­li­ni­en für Ver­ei­ne über­ar­bei­tet. Bis­her ist es all­jähr­li­che Tra­di­ti­on, dass Ver­ei­ne ihre För­der­an­trä­ge auf die Haus­halts­be­ra­tun­gen des Gemein­de­rats hin stel­len. Doch nun soll ein all­ge­mein gül­ti­ger Kata­log grei­fen. Denn der soll vor allen Din­gen der Ver­wal­tung die Arbeit erleich­tern, wie es aus der städ­ti­schen Käm­me­rei heißt. Der Gemein­de­rat muss das beschlie­ßen, die ers­te Bera­tung fin­det dazu am kom­men­den Mitt­woch statt.

Bis­lang gebe es die „Richt­li­ni­en über die Sport­för­de­rung der Stadt Rott­weil“ mit den För­de­rungs­ar­ten Jugend­för­de­rung, Benut­zung städ­ti­sche Sport­stät­ten, Sport­ver­an­stal­tun­gen von beson­de­rer Bedeu­tung und Sport­be­geg­nung mit den Part­ner­städ­ten sowie einen Gemein­de­rats­be­schluss zur Jubi­lä­ums­ga­be an Rott­wei­ler Ver­ei­ne. Ansons­ten wür­den im Zusam­men­hang mit den Haus­halts­be­ra­tun­gen die Ver­eins­an­trä­ge durch Ein­zel­be­schluss bewil­ligt, erklärt der städ­ti­sche Käm­me­rer, Her­bert Wal­ter.

Mit Stich­tag 30. Sep­tem­ber sol­len die Ver­ei­ne künf­tig gemäß den neu­en Richt­li­ni­en – die der Gemein­de­rat im Okto­ber nach einer Aus­schuss-Vor­be­ra­tung am Mitt­woch erlas­sen soll – ihre För­der­an­trä­ge stel­len. Mit die­ser Antrags­frist sei gewähr­leis­tet, dass die jewei­li­gen För­der­mit­tel in den Haus­halt des Fol­ge­jahrs ein­ge­preist wer­den könn­ten, erklärt Wal­ter dazu. Am 1. Novem­ber sol­len die neu­en Richt­li­ni­en in Kraft tre­ten.

Fast eine halbe Million Fördermittel

Kul­tur bekommt den größ­ten Bat­zen: Knapp eine hal­be Mil­li­on Euro gibt die Stadt näm­lich laut einer Auf­stel­lung des Finanz­res­sorts aus Steu­er­mit­teln der­zeit jähr­lich für die Rott­wei­ler Kul­tur-Ver­ei­ne aus. Das meis­te Geld fließt in die vie­len Kul­tur- und Sport­ver­ei­ne der Kern­stadt, und zwar genau 348.780 Euro. Dar­un­ter ist das Zim­mer­thea­ter mit mehr als 144.00 Euro – das aber wie­der­um Mie­te an die Stadt bezah­len muss. Dar­un­ter sind der Kapu­zi­ner mit gut 60.000 Euro, der MuM-Ver­ein, der den Feri­en­zau­ber orga­ni­siert, mit knapp 36.000 Euro und der Jazz­fest­ver­ein mit knapp 33.000 Euro. Das Forum Kunst erhält eben­falls an die 29.000 Euro.

Der Bund für Umwelt- und Natur­schutz dage­gen, er ver­an­stal­tet natür­lich auch kei­ne Kon­zer­te, muss sich mit 135 Euro begnü­gen. Die Bür­ger­ini­ti­ve für eine Welt ohne ato­ma­re Bedro­hung steckt 2000 Euro ein, der För­der­ver­ein Saline­mu­se­um 2750, der Kana­ria- und Vogel­schutz­ver­ein eben mal 50.

Inter­es­sant ist: Die meis­ten Chö­re der Stadt erhal­ten den­sel­ben Betrag, näm­lich 505 Euro – außer dem Kir­chen­chor Büh­lin­gen und Katho­li­schen Müns­ter­chor, die weni­ger bekom­men. Die Musik­ver­ei­ne, die Instru­men­te beschaf­fen müs­sen, etwas mehr, näm­lich 763.

Vereine erhalten unterschiedliche Summen

11.175 Euro gehen an kul­tur­trei­ben­de Ver­ei­ne in den Teil­or­ten Fecken­hau­sen, Gölls­dorf, Hau­sen, Neuf­ra, Neu­kirch und Zepfen­han. Die Beträ­ge gehen in die Kin­der­fas­net eben­so wie an Musik- und Gesangs­ver­ei­ne. Eine gewis­se Ungleich­be­hand­lung scheint gege­ben: So gibt sich der Hau­se­ner Kir­chen­chor mit 140 Euro zufrie­den, der Zepfen­ha­ner erhält 91 mehr, der Neu­kir­cher liegt genau dazwi­schen. In Neuf­ra sind sie beson­ders beschei­den: Kir­chen­chor und Lie­der­kranz erhal­ten je nur 110 Euro. Die Musik­ka­pel­le Neu­kirch wie­der­um bekommt sogar eine vier­stel­li­ge Sum­me, 1008 Euro. Die in Zepfen­han 847. Bei­de bekom­men mehr als die Alt­städ­ter und Büh­lin­ger Musi­ker.

War­um das so ist, woll­te die NRWZ wis­sen. Der städ­ti­sche Pres­se­spre­cher, Tobi­as Her­mann ver­weist auf die bereits bestehen­den Richt­li­ni­en: „Die Ort­schaf­ten haben ein eige­nes Haus­halts­bud­get und ent­schei­den daher selbst­stän­dig über die För­de­rung der jewei­li­gen Ver­ei­ne in den Ort­schaf­ten.”

54.000 Euro für den Tierschutz

Zwei wei­te­re Berei­che weist der För­der­be­richt der Stadt aus: Sozia­les und Sport. Unter Sozia­les fal­len etwa das Deut­sche Rote Kreuz, die Akti­on Fine Welt und Frau­en hel­fen Frau­en. Knapp 83.000 Euro bekom­men die­se Ver­ei­ne – mit dem Haupt­emp­fän­ger Tier­schutz­ver­ein, an den 54.000 Euro gezahlt wer­den.

52.134 Euro gehen jähr­lich an den Sport. Der größ­te Bat­zen geht dabei an einen Eigen­be­trieb, das Aqua­sol und das Frei­bad. Für die Benut­zung zahlt die Stadt 23.295 Euro. Dahin­ter ver­birgt sich die Kos­ten­über­nah­me der Stadt für Ein­trit­te von Schwimm­ver­ei­nen, erklärt Medi­en­re­fe­rent Her­mann. In den Richt­li­ni­en heißt es dazu: „Die städ­ti­schen Schwimm­hal­len, Frei­bä­der und Lehr­schwimm­be­cken wer­den den schwimm­sport­trei­ben­den Ver­ei­nen für Übungs­zwe­cke über­las­sen, wobei die Stadt Rott­weil von den Kos­ten einer Jah­res­kar­te der­zeit 45 Pro­zent als Zuschuss über­nimmt.”

Der Rest der Sport­för­de­rung ver­teilt sich auf Fuß­ball- und Ten­nis­ver­ei­ne, auf Schüt­zen, Ang­ler, Wan­de­rer und Modell­au­to­freun­de.

Die neuen Richtlinien

Nach den nun vom Gemein­de­rat zu erlas­sen­den „Richt­li­ni­en der Stadt Rott­weil über die För­de­rung der Ver­ei­ne“ sol­len künf­tig nur Ver­ei­ne geför­dert wer­den …

  • die ihren Sitz im Stadt­ge­biet Rott­weil haben,
  • deren Haupt­tä­tig­keits­feld im Stadt­ge­biet Rott­weil liegt,
  • die im Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­gen und vom Finanz­amt als gemein­nüt­zig aner­kannt sind,
  • die die Zuge­hö­rig­keit zu einem Dach­ver­band nach­wei­sen, sofern eine Dach­or­ga­ni­sa­ti­on vor­han­den ist,
  • in denen grund­sätz­lich alle Ein­woh­ner der Stadt Rott­weil Mit­glied wer­den kön­nen,
  • die ange­mes­se­ne bzw. ver­gleich­ba­re Mit­glieds­bei­trä­ge erhe­ben,
  • die Eigen­leis­tun­gen erbrin­gen, wel­che in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu ihrer
    Finanz­kraft und ihren ande­ren Mög­lich­kei­ten ste­hen,
  • die ande­re Zuschuss­quel­len aus­ge­schöpft haben,
  • die eine trag­ba­re Gesamt­fi­nan­zie­rung nach­wei­sen,
  • die kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten ent­spre­chend ihrer sat­zungs­ge­mä­ßen Ver­eins­zie­le nach­wei­sen.

Die Leis­tun­gen wer­den nur auf Antrag gewährt. Ein Rechts­an­spruch besteht nicht. Und „die Stadt Rott­weil kann die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung von bereit­ge­stell­ten Mit­teln nach­prü­fen. Bei nicht sat­zungs­ge­mä­ßer Ver­wen­dung besteht für die Stadt ein Rechts­an­spruch auf eine Rück­erstat­tung von gewähr­ten För­der­be­trä­gen der letz­ten zehn Jah­re“, heißt es in der künf­ti­gen För­der­sat­zung.

Das ist för­der­fä­hig: 

  • Län­ger­fris­ti­ge Über­las­sung von städ­ti­schen Räu­men
  • Leis­tun­gen des städ­ti­schen Bau­be­triebs­ho­fes an Ver­ei­ne
  • Jubi­lä­ums­ga­ben
  • Regio­na­le oder über­re­gio­na­le Ver­an­stal­tun­gen
  • Anschaf­fung beweg­li­ches Ver­eins­ver­mö­gen
  • Bau­maß­nah­men
  • Grund­för­de­rung

Die Richt­li­ni­en der Stadt Rott­weil über die Ver­ei­ne soll am  1. Novem­ber in Kraft tre­ten. Gleich­zei­tig tre­ten die Richt­li­ni­en über die Sport­för­de­rung der Stadt Rott­weil vom 13.06.2012, zuletzt geän­dert am 25.11.2015, außer Kraft.