„Beim Land­wirt­schafts­amt und beim Kreis­bau­ern­ver­band sto­ßen wir auf Gra­nit.“ Mit die­sen Wor­ten resü­mier­te der Grü­ne Stadt­rat Frank Sucker am Mitt­woch den Vor­stoß sei­ner Frak­ti­on – gemein­sam mit SPD+FFR – Rott­weil umge­hend pes­ti­zid­frei zu machen. Sucker und Co. leg­ten am Mitt­woch eine abge­schwäch­te Vari­an­te vor. Die droh­te aber auch durch­zu­fal­len. Am Ende bekam sie aber eine Mehr­heit.

Dem­nach soll die Stadt Rott­weil nun nur noch das Ziel ver­fol­gen, „dass spä­tes­tens zum Start der Lan­des­gar­ten­schau 2028 ihre ver­pach­te­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­chen pes­ti­zid­frei bewirt­schaf­tet wer­den sol­len*.“ Ein rigi­des Pes­ti­zid­ver­bot, das sah Sucker als nicht umsetz­bar.

„Wir haben uns unheim­lich bewegt“, so der Grü­ne, die Ver­wal­tung und der Gemein­de­rat soll­ten sich nun auch bewe­gen, soll­ten dem Vor­bild ande­rer Städ­te fol­gen, „sich in Rich­tung Öko­lo­gie zu bewe­gen“, wie es Suckers Mit­strei­ter Arved Sass­nick for­mu­lier­te. Man wol­le kei­nen Bau­ern die Exis­tenz­grund­la­ge ent­zie­hen, so der SPD-Stadt­rat wei­ter. Man sei weg von Ver­bo­ten und hin zu einer Frei­wil­lig­keit gekom­men. Und habe den Antrag an die Stadt­ver­wal­tung ent­spre­chend ange­passt.

Die Grü­nen und SPD+FFR setz­ten laut die­sem Antrag „auf Koope­ra­ti­on mit den Päch­tern (den Land­wir­ten) durch Moti­va­ti­on und Über­zeu­gungs­kraft.“ Das Wort Zwang kommt nicht dar­in vor. Hin­ter­grund für die Frak­tio­nen für ihren Vor­stoß: Die Arten­viel­falt geht zurück. Dage­gen sei im Rah­men der Zustän­dig­keit etwas zu tun.

Das reich­te alles nicht. „Wir sehen uns hier nicht als das geeig­ne­te Gre­mi­um an, um Fach­fra­gen zu beschlie­ßen und letzt­lich zu ent­schei­den, wel­che Maß­nah­men die rich­ti­gen sind“, so CDU-Stadt­rat Gün­ter Pos­selt. Mit einer sol­chen Maß­nah­me „grei­fen wir ekla­tant in die Exis­tenz der Land­wir­te ein“, so der CDU-Mann. Der Gemein­de­rat sei nicht das Gre­mi­um, das dar­über ent­schei­den sol­le, „was gute und was schlech­te Land­wirt­schaft ist.“ Das sei den Fach­leu­ten zu über­las­sen – dem Land, dem Bund, der EU. „Wir täten nicht gut dar­an, in die­sem Kon­zert mit Regu­la­ri­en mit­zu­mi­schen.“

Für die Frei­en Wäh­ler waren bei­de Posi­tio­nen nach­voll­zieh­bar, wie es FWV-Stadt­rat Her­mann Breu­cha erklär­te. Der vor­lie­gen­de Antrag räu­me immer­hin eine Über­gangs­frist ein. Es sei durch­aus legi­tim, als Stadt auf den ein­zel­nen Land­wirt als Päch­ter einer städ­ti­schen Flä­che zuzu­ge­hen und eine Ent­wick­lung anzu­re­gen. Immer­hin fin­de in der Land­wirt­schaft bereits ein Umden­ken statt. „Nie­mand will sich an den Pran­ger stel­len las­sen, er ver­gif­te unse­re Äcker und Fel­der“, so Breu­cha.

Dani­el Kar­rais (FDP) – der nach eige­nen Anga­ben ger­ne mehr als nur die eine Stim­me in die­ser Sache hät­te – erklär­te, die Land­wir­te wür­den ohne­hin genü­gend gegän­gelt. Die Stadt Rott­weil sol­le hier nicht noch eins drauf­set­zen. Er wer­de kei­nes­falls für die­sen Antrag stim­men.

„Das ist ein Bevor­mun­dungs­an­trag“, urteil­te AfD-Stadt­rat Rei­mond Hoff­mann. Es sei den Kun­den zu über­las­sen, was sie kau­fen, den Bau­ern, was sie anbie­ten.

Die Dis­kus­si­on droh­te an die­ser Stel­le aus­zu­ufern. Zwei Ideo­lo­gi­en stan­den sich anschei­nend unver­söhn­lich gegen­über. Da bean­trag­te SPD-Stadt­rat Ralf „Hefe“ Arn­le­der das Ende der Debat­te – und gewann die Abstim­mung.

Doch dann wur­de es voll­ends ver­wir­rend. Weil FWV-Mann Breu­cha noch eine Ver­än­de­rung des ursprüng­li­chen Antrags woll­te – die Land­wir­te sol­len ihre Flä­chen pes­ti­zid­frei bewirt­schaf­ten, müs­sen das also nicht -, ließ OB Ralf Broß über die­se Ände­rung abstim­men. Sei­ner Auf­fas­sung nach ließ er damit über den geän­der­ten Gesamt­an­trag abstim­men. Nach Mei­nung eini­ger Stadt­rä­te jedoch nur über die Ände­rung. Es wur­de laut.

Also ließ Broß erneut abstim­men. Der Antrag der Grü­nen zusam­men mit SPD+FFR wur­de dar­auf­hin mehr­heit­lich ange­nom­men.

*Das Wort sol­len ist durch einen Ände­rungs­an­trag des Frei­en Wäh­lers Her­mann Breu­cha in den Antrag auf­ge­nom­men wor­den.