Pfingsten – Der Geist Gottes weht wo er will

Pfingsten – Der Geist Gottes weht wo er will

ROTTWEIL – Pfingsten gilt als das Geburtsfest der Kirche. Geburtstage werden allgemein fröhlich gefeiert. Deshalb trugen Pfarrer und Ministranten beim Gottesdienst rote Gewänder. Auch der Blumenschmuck besteht aus vielen roten Gerbera Blüten. Diese Farbe soll die Freude und Feierlichkeit zum Ausdruck bringen, mit der die Kirche ihren Gründungstag begehen will. Gleichzeitig verweist die Farbe Rot auch auf das Feuer des Heiligen Geistes, der nach der Überlieferung in Gestalt von Feuerzungen auf die Jünger herabgekommen ist und dessen Gegenwart an diesem Festtag gefeiert wird.

Pfarrer Jürgen Rieger sagte in seiner Predigt, dass wir mit dem Heiligen Geist oft nicht viel anfangen könnten. Wir versuchten ihn in unserem privaten Leben wie auch in der Amtskirche zu zähmen. Er solle unsere Ordnung nicht stören. Dabei komme er nach den Schriften als mächtiger Sturm, als Feuer, dann wieder als eine sanfte Taube. Die Angst der Apostel, die sich hinter verschlossenen Türen versammelt hatten, war jedenfalls wie weggeblasen. Der Geist Gottes kam ungefragt. Jedem habe er seine Gnadengaben mitgebracht, Fähigkeiten, sich für andere einzusetzen.

Dazu zählten etwa Weisheit, Erkenntnis, Glaubenskraft und in neuen Zungen (Sprachen) reden. Der neue Geist nach dem II. Vatikanum scheine in Amtsstuben zu versickern, die Türen wurden wieder verschlossen. Das hindere Jesus aber nicht, auch bei uns einzutreten. Der Auferstandene sagte: „Der Friede sei mit euch! Empfangt den Heiligen Geist.“ „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ Diese Aufgabe könne keiner alleine schultern.

Dazu brauchten die Jünger einander, dazu noch die Männer und Frauen der ersten Gemeinden. Auch wir könnten heute nicht mehr alleine glauben. Miteinander müssten wir Fragen aushalten, Erfahrungen anderer hören, uns gegenseitig ermutigen und tragen. Gerade die Jüngeren brauchten eine lebendige Gemeinde, Gruppen von Freundinnen und Freunden, um den Weg miteinander gehen zu können. Rieger sagte, er hoffe, dass die Kirche durch diesen Geist innerlich wieder neu bewegt und von diesem Feuer ergriffen werde. Er wünschte kein „frohes“, sondern ein „wirkliches“ Pfingstfest.

Das Foto zeigt das sogenannte „Pfingstloch“ oder „Heilig-Geist-Loch“ in der Decke des Mittelschiffs im Heilig-Kreuz Münster, etwa auf Höhe der Kanzel. Dieser kreisförmige Schlussstein hat eine runde Öffnung mit einem Durchmesser von etwa 70 Zentimeter. In das Loch wurde allerdings bei der Renovation 1913 eine der ersten elektrischen Lampen in der Kirche eingebaut. Früher war es ein Lüftungsloch, das aber an Christi Himmelfahrt und an Pfingsten auch für ein religiöses Schauspiel genutzt wurde

 In Bayern und Österreich ist das vielfach heute noch der Brauch. So konnte etwa an Himmelfahrt eine Christusfigur durch das Loch hindurch in den Himmel hinaufgezogen werden. An Pfingsten war es üblich, eine Taube herabzulassen, geschnitzt oder lebendig. Die Verbindung von Heiligem Geist und Taube geht auf die Taufe Jesu im Jordan zurück. „Er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.“ (Matth.3,16) In manchen Kirchen warf man sogar brennendes Werg durch das Loch, um damit die Feuerzungen anzudeuten. Das war natürlich nicht ungefährlich. So sollte sichtbar gemacht werden, was der Apostel Petrus unter Bezug auf den Propheten Joel predigte: „So spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben.“ (Apg 2, 14-18)

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 24. Mai 2021 von Berthold Hildebrand (hil). Erschienen unter https://www.nrwz.de/kirchliches/pfingsten-der-geist-gottes-weht-wo-er-will/314443