Morag Lehmann ist gebürtige Schottin und lebt seit 28 Jahren in Deißlingen. Das Brexit-Chaos macht sie genauso wütend wie viele andere Briten, aber sie sieht auch eine kleine Chance für ihre Heimat: Sollten die Briten aus der EU austreten, würde die Unabhängigkeit Schottlands näher rücken.
Ein Beitrag aus der NRWZ zum Wochenende.
Die Schotten sind viel weltoffener, sie wissen, dass sie mit der EU bessere Chancen haben als ohne sie.” Zwar stimmten ihre Landsleute im letzten Unabhängigkeitsreferendum noch dagegen, doch das dürfte sich ändern. „Man hat uns damals angelogen, gesagt, wir würden mit einer Unabhängigkeit von Großbritannien nicht mehr in der EU bleiben können.”
Der Brexit würde das auf den Kopf stellen, und darum hat Morag Lehmann auch die deutsche Staatsbürgerschaft noch nicht beantragt. Sie hat nämlich neben dem britischen auch einen kanadischen Pass, und letzteren müsste sie abgeben, wenn sie Deutsche werden wollte. Eines Tages statt dem britischen einen schottischen Pass zu haben, das würde ihr gefallen.
Doch vielmehr hofft sie auf ein zweites Brexit-Referendum, auch wegen ihres Arbeitsplatzes bei der Hochschule Furtwangen, wo sie als Dozentin Business-Englisch unterrichtet. „Die Bevölkerung war beim ersten Referendum nicht informiert”, es seien Lügen verbreitet worden, und die Auswahl müsste dieses Mal differenzierter sein, findet die Schottin, nicht nur „Ja” oder „Nein” zur EU.
Sie selbst dürfte allerdings gar nicht mit abstimmen: „Wenn man länger als 15 Jahre nicht mehr in Großbritannien wohnt, darf man nicht wählen.” So sauer sie auf die Regierung in London ist, so sehr freut sie sich über die schottische, vergleichsweise weibliche und über die kluge Regierungschefin Nicola Sturgeon. Auf der anderen Seite Theresa May, deren Gehabe immer männlicher werde, ihre Sprechstimme immer tiefer, „sie ähnelt immer mehr Margaret Thatcher.”
Im Grunde ist Morag Lehmann froh, in Deutschland zu leben, auch wenn ihr manches nicht gefällt, so Angela Merkels Absage, noch einmal als Kanzlerin zu kandidieren. „Ich bin kein CDU-Wähler, aber Merkel bietet Stabilität.” Hingegen die AfD, die jetzt vom Drexit rede, „das macht mir Angst, das macht mich sauer.” Auch die Kultur ist eine andere als in ihrer Heimat, man finde in Schottland viel schneller Freunde, „die Leute hier sind reservierter.”
Aber das Brot und der Kuchen, damit punkten die Schwaben bei ihr. Und die Pünktlichkeit, immer früh aufzustehen, „daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.” Auch die Sauberkeit im Ländle gefällt der Schottin, und die Offenheit der Menschen gegenüber Neuem. „Für die Briten sind Dinge wie Homöopathie immer noch Hexenzeug.”
Und wie die Deutschen mit ihrer schlimmen Vergangenheit umgehen, auch das ist für die Schottin bewundernswert. „Die Deutschen denken europäisch. Die Engländer nicht.”
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