Rottweil. Mehrere Leserinnen und Leser dürften am Donnerstagabend erstaunt zum Himmel geblickt haben: Links und rechts der Sonne waren plötzlich zwei weitere helle Lichtflecken zu sehen – fast so, als stünden gleich drei Sonnen über Rottweil und der Region. Tatsächlich steckt dahinter ein bekanntes, aber dennoch beeindruckendes Naturphänomen.
Was auf den ersten Blick fast surreal wirkt, ist eine sogenannte Halo-Erscheinung, genauer gesagt: Nebensonnen oder in der Fachsprache Parhelien. Der Deutsche Wetterdienst erklärt, dass solche Lichteffekte entstehen, wenn Sonnenlicht in winzigen Eiskristallen in hohen Schleierwolken – sogenannten Cirrus- oder Cirrostratuswolken – gebrochen und reflektiert wird.
Auf dem von NRWZ-Leserin Jessica Krumbiegel aufgenommenen Foto sind die beiden Nebensonnen besonders deutlich zu erkennen: links und rechts der eigentlichen Sonne erscheinen farbige Lichtflecken, dazu zeichnet sich ein heller Ring um die Sonne ab. Das Phänomen entsteht in großer Höhe – meist zwischen acht und zwölf Kilometern –, wo selbst bei sommerlichen Temperaturen Eiskristalle in der Atmosphäre schweben.
Anders als ein Regenbogen erscheinen Nebensonnen nicht gegenüber der Sonne, sondern direkt in ihrer Nähe. Je nach Form und Ausrichtung der Eiskristalle entstehen dabei unterschiedliche Lichtmuster – von einfachen Sonnenringen bis zu komplexen Bögen und Lichtflecken.
Ganz selten ist das Phänomen übrigens nicht. Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass Halo-Erscheinungen immer wieder beobachtet werden können, wenn die atmosphärischen Bedingungen passen. Weil solche hohen Schleierwolken oft einem Wetterwechsel vorausgehen, gilt ein Halo traditionell auch als möglicher Vorbote für eine heranziehende Front – wenn auch nicht zwingend für unmittelbaren Regen.
Für Beobachter in Rottweil und Umgebung blieb es jedenfalls ein eindrucksvoller Moment am Abendhimmel – und ein Motiv, das selbst ohne Bildbearbeitung fast unwirklich wirkt.
