Während in Waldmössingen Gegner eines Mobilfunkmasts vor Gericht zunächst gescheitert sind, treibt die Telekom ihre Ausbaupläne in Dietingen voran. Im Gemeinderat wurden nun konkrete Standorte und der Zeitplan vorgestellt – auch andere Ortsteile gelten als unterversorgt.
Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Freiburg zum umstrittenen Mobilfunkmast in Schramberg-Waldmössingen dürfte auch andernorts aufmerksam verfolgt werden – etwa in Dietingen. Dort hat die Deutsche Telekom jetzt ihre Ausbaupläne für das Gemeindegebiet vorgestellt. Die Botschaft: Ohne zusätzliche Mobilfunkstandorte wird es keine flächendeckend leistungsfähige Versorgung geben.
Im Gemeinderat stellte Daniel Eger, Kommunalbeauftragter Mobilfunk der Deutschen Telekom, die Planungen vor. Bürgermeister Felix Hezel begrüßte den Telekom-Vertreter zu der Sitzung. Nach Angaben des Unternehmens steigt die Mobilfunknutzung seit Jahren stark an. Gleichzeitig verpflichten staatliche Ausbauauflagen die Netzbetreiber dazu, die Versorgung bis 2030 deutlich zu verbessern.
Nach Darstellung der Telekom sind bestehende Standorte vielerorts bereits technisch ausgereizt. Um den wachsenden Bedarf zu decken, brauche es zusätzliche Anlagen – auch innerhalb von Ortschaften. Ziel sei eine engmaschigere Infrastruktur. Entlang von Autobahnen seien Funkstandorte teils im Abstand von rund zwei Kilometern erforderlich.
Zunächst konzentriert sich die Telekom in Dietingen auf den gleichnamigen Hauptort. Geplant ist ein knapp 20 Meter hoher Mobilfunkmast auf einem privaten Wiesengrundstück in der Lehrstraße. Ein ursprünglich ins Auge gefasster Dachstandort in der Heubergstraße wurde verworfen, weil die technische Ausleuchtung nach Angaben der Telekom nicht ausgereicht hätte.
Bemerkenswert: Für den geplanten Mast ist nach derzeitiger Rechtslage keine klassische Baugenehmigung erforderlich, weil die Anlage unter der 20-Meter-Grenze bleibt. Der Baustart ist nach aktuellem Stand für Anfang 2027 vorgesehen.
Der bereits geplante Funkmast am Schreckenberg, der von einem anderen Anbieter errichtet werden soll, löst das Problem nach Darstellung der Telekom nicht. Dieser Standort diene vor allem der Versorgung entlang der Autobahn und nicht der innerörtlichen Abdeckung in Dietingen.
Auch in anderen Ortsteilen sieht die Telekom Handlungsbedarf. In Irslingen und Böhringen gebe es lediglich eine Grundversorgung, die verbessert werden müsse. Besonders kritisch sei die Lage in Rotenzimmern und Gößlingen, wo die Versorgung nach Einschätzung des Unternehmens deutlich hinter den Anforderungen zurückbleibe.
Die Gemeinde wurde gebeten, mögliche kommunale Flächen für weitere Standorte zu benennen. Erst wenn sich dort keine Lösungen finden, sollen private Grundstücke in den Blick genommen werden.
Der aktuelle Rechtsstreit in Waldmössingen zeigt zugleich, wie begrenzt die Möglichkeiten für Anwohner sind, gegen Mobilfunkstandorte vorzugehen. Das Verwaltungsgericht Freiburg hatte in einem Eilverfahren entschieden, dass Nachbarn einen Mast nur dann erfolgreich angreifen können, wenn eigene, rechtlich geschützte Interessen verletzt werden. Allgemeine Einwände gegen den Standort oder grundsätzliche Sorgen über Mobilfunk reichen nach dieser Linie regelmäßig nicht aus. Ob das in künftigen Verfahren Bestand hat, bleibt abzuwarten – im Fall Waldmössingen ist noch eine Beschwerde möglich.
Für Dietingen bedeutet das: Sollte es Widerstand gegen den geplanten Standort geben, wären die rechtlichen Hürden nach aktueller Lage hoch.
