Öl läuft aus, Grünschnitt brennt, Türe fehlt – und dann ein schwerer Unfall: die Feuerwehreinsätze am Wochenende im Kreis Rottweil

Auch abseits von Bränden und schweren Verkehrsunfällen ist die Freiwillige Feuerwehr gefragt. An diesem Wochenende im Kreis Rottweil etwa zu einem Fall von auslaufendem Öl in Wellendingen, von brennendem Grünschnitt in Deißlingen und zur Unterstützung der Polizei in Oberndorf. Sowie zu weiteren Einsätzen in Aichhalden, Lauterbach, Rottweil, Schiltach und Tennenbronn. Und am Abend wieder Wellendingen (siehe Update am Ende des Artikels).
Die aufsehenerregenden Fälle von Feuerwehreinsätzen bekommen alle mit – am Freitag in Rottweil etwa der Brand bei einem Recyclingunternehmen, bei dem allein gut 60 Feuerwehrleute eingesetzt worden sind. Auch, wenn es etwa in einem Supermarkt verbrannt riecht, kommt eine große Zahl an Einsatzkräften und bekommen das viele Menschen mit. Doch ist das Aufgabenfeld breiter angelegt. Kleintierrettung, etwa, kommt häufiger vor, dann rücken die Floriansjünger mit zwei Fahrzeugen aus, um eine Katze vom Baum, aus einem gekippten Fenster oder einen Hund aus einem Kanalschacht zu befreien. Oder zur Unterstützung des Rettungsdienstes – wenn rasch Türen zu öffnen sind, damit das DRK zum Patienten vordringen kann. Oder wenn eine Drehleiter benötigt wird, um einen Patienten aus einem oberen Stockwerk schonend zu retten. Über diese Einsätze wird seltener berichtet, sie sind klein. Mit zwischen vier und zehn Kräften rücken die Einsatzkräfte an, erregen wenig Aufsehen, doch gehört es zum Alltag der Ehrenamtlichen.
Am Wochenende nun haben sich einige dieser Einsätze im Kreis Rottweil ereignet. Für sich genommen zu klein und fast schon zu alltäglich für eine Berichterstattung. Aber um einmal abseits der größeren Unglücke auf die Vielfalt der Tätigkeit von Feuerwehrleuten hinzuweisen, eignen sie sich.


Es begann am Samstag, den Anfang machte die Feuerwehr Schiltach. In einem Restaurant am Marktplatz kam es zur Mittagszeit zu einem „Ölunfall“ – mit Speiseöl. Natürlich halfen hier die Floriansjünger. Am späten Nachmittag war die Abteilung Tennenbronn an der Reihe: Brandmelderalarm der niedrigsten Stufe 1 bei einem Betrieb im Ort. Ein kleineres, aber echtes Feuer fanden die dann unter dem Stichwort „B2 – Rauchentwicklung unklar im Freien“ gegen 21 Uhr zum Bahnhof Trossingen gerufenen Kräfte der Feuerwehr Deißlingen vor. Da hatte jemand Grünschnitt verbrannt – ohne das gegenüber der Feuerwehr beziehungsweise der Leitstelle vorher anzukündigen und, schlimmer noch, ohne das Feuer zu beaufsichtigen, wie es vor Ort hieß. Mit zwei Fahrzeugen rückte die Deißlinger Wehr an, eines wurde eingesetzt, ein Schlauch und etwas Wasser genügte, um das Feuer zu löschen. Eine Streife der Polizei war da.
Dann wieder Schiltach: Kaminbrand in der Hauptstraße. Am Samstag gegen 21.30 Uhr war das. Eine halbe Stunde später war die Feuerwehr Rottweil an der Reihe: Eine Ölspur galt es abzustreuen. Diese begann auf Höhe des Kreisverkehrs der B 27 mit Abzweigung nach Villingendorf und zog sich Richtung Balingen. Auch hier waren Beamte der Polizei vor Ort, um Ermittlungen zum Verursacher aufzunehmen. Und um 0.10 Uhr am noch jungen Sonntagmorgen gingen die Melder der Freiwilligen der Feuerwehr Lauterbach los: „Tragehilfe für den Rettungsdienst“, war gefordert, Manpower gefragt.


Zweimal war die Feuerwehr Wellendingen allein an diesem Sonntag im Einsatz: Noch in der Nacht, gegen 0.10 Uhr, galt es, eine Türe zu öffnen. Hintergrund war eine Vermisstensuche. Dazu besitzen die Einsatzkräfte in den Wehren nicht nur das Werkzeug, sondern auch das nötige Wissen. Und gegen 14.40 Uhr rückten die Floriansjünger erneut aus. Diesmal zu einem Schrottcontainer in der Neufraer Straße in Wellendingen. Aus dem floss Öl, beziehungsweise eine ölige Flüssigkeit. Die lief schon in Richtung Kanalisation. Wie es vor Ort hieß, habe aber ein Korb im Kanal das Öl bereits aufgefangen, gehe man nicht von einer Umweltverschmutzung aus. Dennoch hatten die Einsatzkräfte einige Zeit mit dem Binden des Öls und dem Saubermachen zu tun. Nur, weil jemand hier unsachgemäß Müll entsorgt hat. Die Polizei war mit einer Streife vor Ort.
Auch die Feuerwehr Aichhalden war im Einsatz: Hier hatte ein Rauchmelder in einem Privatgebäude ausgelöst. Der Grund: Essensdämpfe. Zu löschen gab es glücklicherweise nichts.
Und schließlich die Feuerwehr Oberndorf, die in den vergangenen Wochen eine hohe Zahl an Einsätzen abzuarbeiten hatte. Der jüngste: eine Tür sichern, nachdem Polizeibeamte unter Gewaltanwendung in ein Haus vorgedrungen sind. Vorausgegangen waren, erfuhr die NRWZ vom Polizeipräsidium Konstanz, Ehestreitigkeiten. Der Einsatz wurde gegen 14.45 Uhr ausgelöst und war mit Stand 17.15 Uhr der letzte im Kreis Rottweil an diesem Wochenende. Aber nur für rund 10, 15 Minuten.


Denn: Gut zehn Minuten, nachdem dieser Artikel online gegangen ist, wird die Feuerwehr Wellendingen an diesem Sonntag erneut alarmiert: Verkehrsunfall in der Ortsdurchfahrt. Offenbar beim Linksabbiegen ist eine Audi-Limousine frontal mit einem entgegenkommenden Golf Cabrio, einem Oldtimer, zusammengeprallt. Glücklicherweise wurde niemand ernstlich verletzt. Dennoch war das DRK zum einen mit örtlichen ehrenamtlichen Kräften, zum anderen mit einem Rettungswagen vor Ort, um die Unfallbeteiligten zu untersuchen. Aufgabe der Feuerwehr war es, die Einsatzstelle zu sperren, auslaufende Betriebsstoffe an den beiden am Unfall beteiligten Wagen zu sichern, schließlich auch die Unfallstelle zu räumen. Die Einsatzleitung hatte, wie schon bei dem kleinen Ölmalheur am Mittag, der Wellendinger Kommandant Daniel Bettinger.
Wenngleich dieser Unfall glimpflich ablief, gab es doch eine Szene am Rande, die auch hier wieder das breite Aufgabenfeld der Feuerwehr aufzeigte. So kümmerte sich der Wellendinger Feuerwehrmann Fabian Bettinger, zugleich ein ehrenamtlicher Retter der DRK-Bereitschaft, um ein kleines Mädchen, dessen Vater und Bruder offensichtlich in einem der Unfallwagen gesessen hatten, und das mit seiner Mutter zur Unfallstelle geeilt ist. Bettinger zeigte der jungen Dame das große, knallrote Löschfahrzeug, führte ihr Einsatzmittel der Feuerwehr vor und lenkte sie so vom Geschehen ab. Erfolgreich. „Auch das gehört dazu“, sagte der junge Mann der NRWZ.
Unterdessen kümmerte sich DRK-Kreisbereischaftsleiter Michael Häring um die Unfallbeteiligten und organisierte die Maßnahmen des Rettungsdienstes.
Den Alarm ausgelöst hatte hier wieder einmal ein sogenannter E-Call, automatisiert. Hier völlig zu Recht.